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ARTICLES > Charlie Brown Lives


Art: Charles M. Schulz ist gestorben
Charlie Brown Lives
||| Oliver Weiss

Im Februar 2000 ist der amerikanische Comic-Zeichner Charles M. Schulz nach langer Krankheit gestorben. Seinem Sog entkam keiner, der selbst Karikaturist oder Cartoonist war oder werden wollte.
Charles M. Schulz is Dead: To cartoonists, Charles M. Schulz has been one of a kind throughout his 50-year career. He died in February of 2000, but his characters, and his love for people will continue to go strong.

 

Aus: LEGAmedia, meinem Online-Magazine für Juristen und Unternehmer.

Die obige Abbildung entstammt dem sensationellen Buch "Peanuts - The Art of Charles M. Schulz" von Chip Kidd, dem schönsten Buch über Charles M. Schulz und sein Werk, das ich kenne, mit Hunderten von Fotografien von Originalen, Skizzen und Zeitungsclips der fünfziger Jahre – unbedingt kaufen! >Amazon

>COMIC STRIP: Check out my own comic strip entitled Turtle Tales.

>TOMI UNGERER: Dem Illustrator zum Geburtstag.

>TOVE JANSSON: Portrait der Mutter der Mumins.

>MEETING THE CHALLENGE OF INTERNATIONAL APPEAL: Portrait of Oliver Weiss.

>ILLUSTRATIONEN: Verschiedene Comic-Strips.

A

m Sonntag dem 13. Februar 2000 erschien sein letzter Comic-Strip – so als hätte er die Tage die ihm bleiben an ein paar Händen abgezählt und die Zahl seiner im voraus gezeichneten Bilderserien darauf abgestimmt: Denn am Vorabend starb Charles M. Schulz im Alter von 77 Jahren, und mit ihm die Figuren seines Comic-Strips "Peanuts", die er immer selbst gezeichnet und – anders als viel andere Cartoonisten – nie aus der Hand gegeben hatte. 

Generationen von Zeichnern sind durch diesen liebevollsten aller Zeichner der Daily Funnies, die für Millionen den Zeitungsmorgen seit 50 Jahren mit einem Schmunzeln beginnen ließen, beeinflußt worden.

Ganz gleich was passierte und wie sich der Tag entwickeln sollte: sicher waren die Peanuts auf der Comic-Seite. Kein Karikaturist oder Comic-Zeichner der westlichen Welt kam je an Charles Schulz vorbei. 

Seine Figuren waren – und sind – omnipräsent, in Zeitungen, Büchern, in den Zeichentrickfilmen (mit den wunderbaren Jazz-Soundtracks von Vince Guaraldi), und natürlich auf Lizenzprodukten von Rücksäcken bis Schokolade.

Und sein Stil ist captivating – wer jemals versucht hatte, einen Comic-Strip zu zeichnen (wie ich mit meinem Strip "Turtle Tales"), weiß, wie schwierig es ist, dem Sog von Charles M. Schulz zu entkommen.

Seine Ideen liegen auf der Hand und sind absurd zugleich, seine Menschlichkeit ist touching, sein Humor subtil.

Seine Ideen liegen auf der Hand und sind absurd zugleich, seine Menschlichkeit ist touching, sein Humor subtil. Wirklich schwer, seinen eigenen Weg zu gehen angesichts dieser sympathischen Mischung.

 

Keine Suche nach der verlorenen Zeit 

So sehr uns die Peanuts immer freuten, so erstaunlich ist es doch, daß sie sich derart durchsetzen und über so lange Zeit behaupten konnten. Natürlich lagen sie in den fünfziger Jahren im Trend der betulichen und altväterlichen Cartoons und Comics der Nachkriegsjahre.

Und doch waren sie schon damals revolutionär und ganz anders. Weder platt noch banal, weder vulgär noch sexistisch, weder politisch noch aktuell, sondern liebevoll und freundlich, und noch nicht einmal hilariously funny. 

Die Geschichten von Lucy und Linus, Schroeder, Peppermint Patty und Marcie und natürlich von Charles Schulz' alter ego Charlie Brown sind vor allem menschlich – ihr Charme ist zeitlos.

Das ist wohl eines der Geheimnisse ihres Erfolgs, das sie selbst in Zeiten des alternativ-intellektuellen Humors von Gary Trudeaus Doonsbury's-Strips der 70er, des kruden Garfield-Humors der 80er oder des tumben Trash-Humors der 90er nicht klammheimlich verschwinden ließ. 

Obwohl die Peanuts sich in ihrer 50jährigen Geschichte doch weitgehend treu geblieben waren, politische Entwicklungen grundsätzlich außer auch gelassen hatten (eine kleine Ausnahme ist natürlich Woodstock, Snoopys tumber aber sympathischer Vogelfreund): trotz ihres anachronistischen Humors und Zeitgeists lagen sie in der Gunst ihres weltweiten Publikums immer weit vorne – und machten Charles M. Schulz (und seine Agentur United Features) zu einem reichen Mann, einer der wenigen, die ausschließlich von ihren Strips leben konnten.

Trotz ihres anachronistischen Humors und Zeitgeists lagen die Peanuts in der Gunst ihres weltweiten Publikums immer weit vorne.

Meine eigenen Erinnerungen an Charles M. Schulz sind zweifach. Mir fällt mein Cartooning-Lehrer Dennis Moran aus San Jose, CA, ein, der gitarrenspielende und mit dunkler Stimme Country-Songs imitierende Mädchenschwarm der John Steinbeck Jr. High, der uns Anfang der Achtziger einmal Dias von seinen Tennismatches mit Schulz gezeigt hatte.

Unscharfe Erinnerungen, aber die Adresse des Peanuts-Zeichners ist mir in Erinnerung geblieben: Number One Snoopy Place, Santa Rosa, California.

Dem schrieb ich Jahre später, als ich mich selbst als Cartoonist versuchte, noch zu Schulzeiten, und bat ihn um eine Meinung zu meinen Zeichnungen (ich fürchte, ich hatte ihm ein paar Kopien geschickt).

Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war, als mir meine Mutter den gelben Antwortbrief zeigte: Snoopy – wo sonst – auf dem Dach: na ja, natürlich keine Antwort von ihm selbst, nein, sondern von Peggy (oder Pam oder Penny), die mir erklärte, Mr. Schulz hätte leider selbst keine Zeit, Briefe zu beantworten "and still have time to draw his daily strip"; aber sie wünsche Glück.

Wie schön, seinen eigenen Comic-Strip zeichnen zu können. Und gleichermaßen: was für ein Fluch! Denn einmal Peanuts, immer Peanuts –  nicht anderes wird vom Zeichner erwartet, etwas anderes darf er nicht versuchen.

Man muß sich vorstellen: jeden Tag der Woche einen Strip mit bis zu vier Einzelbildern, am Sonntag sogar einen halbseitigen Comic in Farbe, und das über ein halbes Jahrhundert lang! 

Charles M. Schulz hat natürlich zeitweilig darunter gelitten, ist ausgebrochen, indem er anders zeichnete, naturalistisch, Bäume, Landschaften. Das war aber nur für ihn alleine bestimmt, nicht für seine Peanuts-Öffentlichkeit.

Dieser Öffentlichkeit gegenüber gab sich der Zeichner als glücklicher Mensch, als jemand, der doch immer nur das gemacht hatte, was er gerne getan hatte: Comics zu zeichnen, die lustige Geschichten erzählen. [2000]

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