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Web
Technology:
Content-Management-Systeme
für
Kanzleien und Verlage
Maßgeschneidert
||| Oliver Weiss
Wie verwaltet man
die Inhalte auf einer Website für Kanzleien oder Verlage? Entweder das
ist die händische Lösung mit HTML-Editoren. Oder intelligenter mit
einem Content-Management-System. Der Autor erläutert die Funktionsweise. |
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| Content
Management Systems for Law Firms and Publishers: How to manage a corporate web site? Either by doing everything by hand, i.e. utilizing an HTML editor. Or, if you're smart, by using a content management system. |
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ach der großen Euphorie kam die
Ernüchterung. Die mittelgroße Münchner Kanzlei hatte es nach monatelangem Ringen
endlich geschafft, sich auf einer eigenen Website vorzustellen.
Immerhin
hatte man bei der Auftragserteilung daran gedacht gehabt, sich für die tägliche
Pflege der Website nicht von der Grafik-Agentur abhängig zu machen. Die
Einarbeitung neuer Inhalte übernahm man selbst. Ist ja ein Kinderspiel mit
Frontpage. Oder etwa nicht?
Wer eine Website mit vielen oder sich häufig
ändernden Inhalten hat, kennt das Problem: Das Angebot auch nur halbwegs
aktuell zu halten, ist eine Heidenarbeit. Ob hartkodiert in HTML oder mithilfe
sogenannter "HTML-Editoren" wie Microsoft Frontpage, Adobe GoLive oder
Macromedia Dreamweaver, man muß die Seiten im entwickelten Layout jeweils
eigens erstellen und alle Querverweise von Hand setzen. Immer dieselbe Arbeit,
und immer mehr davon.
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Wer sollte sich um
die tagesaktuelle Aktualisierung der Inhalte kümmern? Genau, der Techniker im
Souterrain, der normalerweise Netzwerke macht. |
Szenenwechsel: Ein mittelständischer
juristischer Verlag im Fränkischen beauftragte einen wunderbaren
Internet-Auftritt von einem externen Designer. Aber wer sollte sich um die
tagesaktuelle Aktualisierung der Inhalte kümmern? Genau, der Techniker im
Souterrain, der normalerweise Netzwerke macht.
Leider kannte der Novell-Experte
den Unterschied zwischen einer Times-New-Roman- und einer Arial-Schrift
genausowenig wie den zwischen einer dicken und einer dünnen Linie oder einem
10-KB-Bild und einer 1-MB-Grafik. Kaum war eine Woche vergangen, hatte er die
ersten Seiten ruiniert. Bis die Website dann nach über einem Jahr endlich
geschlossen wurde, war sie komplett zerstört – und niemand merkte es (dachte
der Verlag – aber das ist einen andere Geschichte).
Information
in den Griff bekommen
Viele Kanzleien, Verlage und andere Unternehmen
bieten immer größere Mengen an Information auf ihren Websites an. Die
Verwaltung von Hand wird mit jedem Eintrag und jeder Änderung, mit jeder
Meldung, jeder Telefonnummer, und jedem Mitarbeiter, Doktortitel, Standort oder
Aufsatz zunehmend komplizierter und unübersichtlicher. Über kurz oder lang
führt kein Weg an einer neuen Strategie vorbei: der Verwaltung und laufenden
Pflege mit datenbankunterstützten "Content-Management-Systemen".
Ein "Content-Management-System"
(CMS)
oder "Redaktionssystem" ist ein Werkzeug zur Verwaltung großer oder
häufig aktualisierter Mengen an Information und gut geeignet für Kanzlei- und
Verlags-Websites. Die Menge an Information und die Frequenz der Fluktuation bei
Rubriken wie "Anwälte" oder "Mitarbeiter",
"Veröffentlichungen" (Bibliografien oder Beiträge für Zeitschriften
im Volltext), "Karriere" (Stellenanzeigen) oder
"Veranstaltungen" (Vorträge und Seminare) kann mit einem CMS sinnvoll
und intelligent verwaltet werden.
Und so gehts
Ein CMS funktioniert so: Die Website-Inhalte
("Content", d.h. Texte und Bilder) werden über den Browser mit
Eingabemasken ("Formulare") eingegeben, in leistungsstarken
Datenbanken verwaltet und in speziellen Musterseiten ("Templates")
gestalterisch aufbereitet. Die resultierende Website wird "dynamisch"
aus dem Zusammenspiel von Datenbanken, Programmierbefehlen und Musterseiten
generiert.
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Die Website
wird "dynamisch" aus dem Zusammenspiel von Datenbanken, Programmier-befehlen
und Musterseiten generiert. |
Alles klar? Okay, also nochmal Schritt für
Schritt: Das was der Benutzer sieht, wenn er z.B. eine Seite innerhalb der
Rubrik "Anwälte" mit seinem Browser aufruft, ist die HTML-Musterseite
dieser Rubrik, deren Text- und Bildinhalte "on the fly", also im
Moment des Aufrufs durch den Benutzer, aus der Datenbank in das Template
"reingeschossen" werden.
Solche
Seiten, die aus einem immer gleichbleibenden Teil (Designvorgaben) und einem
variablen Teil bestehen (Texte und Bilder), nennt man im Unterschied zu
herkömmlich gelayouteten "statischen" Seiten, bei denen Inhalt und Design
zusammen gelayoutet und dann auf den Serverrechner geschoben werden,
"dynamische" Seiten, weil erst im Moment des Aufrufs durch den Benutzer Inhalt
und Form zu einer HTML-Seite kombiniert werden.
Inhalt und Layout werden im CMS-Ansatz also
strikt voneinander getrennt. Das Einpflegen von Inhalten geht wesentlich
schneller als mit HTML-Editoren wie etwa Microsoft Frontpage und ist zudem
wesentlich weniger fehleranfällig. Durch die Entkopplung wird sichergestellt,
daß das Design nicht durch unsachgemäße Eingriffe zerstört wird. Dadurch,
daß die Inhalte in Datenbanken verwaltet werden, kann man zudem zu einem
späteren Zeitpunkt ein neues oder verändertes Design aufsetzen, das die alten
Inhalte in einem neuen oder veränderten Outfit präsentiert.
Vom Regal weg
– oder maßschneidern lassen?
Die Idee der Verwaltung großer Websites mit
Redaktionssystemen ist nicht wirklich neu. Angefangen hat alles mit den ersten
umfangreichen Datenbanken im Internet von Online-Zeitungen, die genau wußten,
daß sie der Informationsflut mit händischen Lösungen nicht auf Dauer
gewachsen wären. Das war die Geburtsstunde der ersten
Content-Management-Applikationen: Die meisten Zeitungen entwickelten ihre
eigenen Verwaltungssysteme per Hand, die mit der Zeit immer weiter verfeinert
und ausgebaut wurden.
Das Massengeschäft für Anbieter von
Redaktionssystemen geht gerade erst los, nachdem immer mehr Unternehmen immer
größere Mengen an Information auf ihren Websites anbieten – und das auf
herkömmliche Art nicht schaffen. Marktübliche Redaktionssysteme sind nach wie
vor primär auf Websites von Zeitungen oder Online-Zeitschriften zugeschnitten,
also auf solche Sites, Nachrichten und Beiträge zu verwalten haben und
technisch gesehen sehr einfach nach dem FIFO-Prinzip (First in, First out)
arbeiten.
Anbieter von Off-the-Shelf-
Redaktionssystemen bieten in sich geschlossene CMS-Lösungen an. |
Anbieter von Off-the-Shelf-
Redaktionssystemen wie
InfoOffice, Vignette oder Interwoven bieten in sich geschlossene CMS-Lösungen
an, mit denen Websites innerhalb einer proprietären CMS-Umgebung aufgesetzt
werden. Dabei werden das Website-Design und die textlichen Inhalte dem CMS
angepaßt, nicht umgekehrt. Möglich ist also nur das, was die Lösung aus dem
Regal zuläßt. Dieser Ansatz eignet sich eventuell gut für solche Sites, bei
denen viel Information rein- und rausfließt, ist aber ansonsten ziemlich
unflexibel – schließlich sollte das CMS sich nach den individuellen
Bedürfnissen richten, anstatt umgekehrt.
Es geht auch anders, nämlich maßgeschneidert.
Immer mehr kleine Anbieter drängen auf den Markt mit der Strategie, genau das
was vom Auftraggeber gewünscht wird – und nur das auch zu implementieren. Das
bedeutet, daß der Auftraggeber ein CMS bekommt, das, sofern die Implementierung
technisch realisierbar ist, exakt seinen Anforderungen entspricht.
Das Individualsystem ist wesentlich
"schlanker" als Off-the-Shelf-Lösungen: Durch den fehlenden Overhead
werden einerseits Kosten eingespart, da nur das kostet, was tatsächlich
implementiert wurde. Aber auch die Handhabung dieser kleinen CM-Systeme bei der
täglichen Pflege ist wesentlich einfacher, da der Verwaltungsprozeß pro
Schritt genau auf die Anfordernisse optimiert ist. Die Arbeitsersparnis spürt
man in der Anzahl von Klicks pro Eintrag.
Nach dem
Baukastenprinzip
Der Webauftritt einer größeren Kanzlei oder
eines Verlags können mit maßgeschneiderten Lösungen optimal und
kostengünstig als modulares CMS aufbereitet werden. Das CMS besteht also zum
großen Teil aus bereits implementierten Programmteilen, die entsprechend den
Anforderungen konfiguriert oder angepaßt und zusammengeschaltet werden.
Jede Information wird, nachdem sie einmal
angelegt ist, automatisch in verschiedene Listen und Darstellungen integriert
bzw. aktualisiert. Erweiterungen oder Veränderungen sind jederzeit möglich.
Das betrifft insbesondere solche Komponenten, die sich von den Lösungen der
Konkurrenz unterscheiden – z.B. kann man spezielle auf die Kanzlei- oder
Verlagsbedürfnisse zugeschnittene Features wie etwa die Einpflegung und
automatische Sortierung der Mitarbeiter wahlweise nach Alphabet, Standort,
Tätigkeit oder Anciennität vorsehen. Auch können Zusatzapplikationen wie
interaktive Module z.B. für die Rubrik "Stellenanzeigen" integriert
werden.
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CMS-gesteuert – die Website der Sozietät
Flick
Gocke Schaumburg
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m März 2001 ging meine Website für
die Steuerkanzlei Flick Gocke Schaumburg online. Das CMS wurde in der Skiptsprache PHP
implementiert und setzt MySQL-Datenbanken ein. Die Website und das CMS wird auf
einem Linux-Provider gehostet. Verwaltet wird sie in denjenigen Rubriken, in
denen die größte Fluktuation herrscht, also v.a. bei "Partner",
"Veröffentlichungen" und "Veranstaltungen".
Inhalte einpflegen kann man vom Internet-Café in
Bangladesch aus, denn alles was man braucht ist eine Internet-Verbindung, einen
Browser und seine Paßwörter. Neue Eingaben trägt man in spezielle Masken ein,
die nach der Vorschau und der Bestätigung automatisch in eine Datenbank
eingetragen werden. Natürlich kann man alle Einträge jederzeit auch wieder
nachbearbeiten oder löschen.
Ab dem Moment, wo ein Eintrag "published"
wurde, d.h. in der Datenbank verzeichnet ist, ist er auch auf der FGS-Website
verfügbar. Mit einer Handvoll Mausklicks – und ohne das Design anzufassen –
wird also z.B. eine Telefonnummer geändert.

Abb. 1: Die deutsch- und
englischsprachige Website der Sozietät Flick Gocke Schaumburg (Rubrik "Die
Sozietät"). Alle Einzelseiten sind gleich aufgebaut; jede Rubrik ist
gekennzeichnet durch ein eigenes Foto oben rechts sowie entsprechende
Überschriften und die angepaßte Navigationsleiste.

Abb. 2: Die statischen Rubriken wie
"Die Sozietät" oder "Bewerbung" sind in HTML hartkodiert.
"Die Rubriken "Partner", "Veröffentlichungen" (im
Bild), "Veranstaltungen" und z.T. auch "Standorte" werden
größtenteils durch ein CMS verwaltet.

Abb. 3: So sieht die
Verwaltungsoberfläche des Content-Management-Systems aus (im Bild: die Rubrik
"Partner"): Die Verwaltung erfolgt über einen herkömmlichen Browser.
Neue Einträge und Änderungen bestehender Einträge gibt man in dafür
vorgesehene Eingabemasken ein. Die Einträge werden in Datenbanken aktuell
gehalten.

Abb. 4: Der Editiermodus der Rubrik
"Veranstaltungen": Bereits vorhandene Einträge können hier
korrigiert, verändert oder gelöscht werden. – Für diese Rubrik könnte man
sich in einer weiteren Entwicklungsstufe z.B. die automatische Entfernung von
abgelaufenen Einträgen vorstellen.
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Das Geld, das
Geld
In technischer Hinsicht sollte man sich so oder
so nur solche Systeme ansehen, die entweder auf Unix- / Linux- oder auf
Windows-NT-Standards setzen. Die Welt "da draußen" spricht Linux, und
dynamische Websites arbeiten fast ausschließlich mit Skriptsprachen wie Perl
oder PHP und SQL-Datenbanken wie MySQL oder Oracle.
Damit ist zudem die
Ankopplung an Intra- oder Extranet-Applikationen – und selbst an bestehende
Environments und Datenbanken wie Lotus Notes oder SAP – grundsätzlich
möglich. CMS-Lösungen unter ungewöhnlichen und proprietären Betriebssystemen
wie etwa Lotus Server sollte man lieber mit der Kneifzange anfassen. Für eine mittelgroße Applikation
inklusive der Einrichtung von Datenbanken, Programmierung und Template-Erstellung sollte man je nach Aufwand
durchaus 100 bis 300 Arbeitsstunden
veranschlagen.
[2001]

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