Web
Design:
Corporate-Design
für
Websites
Wie
aus einem
Guß
||| Oliver Weiss
Wie
setzt man die Corporate Identity von Steuerberatern, Rechtsanwälten und
Wirtschaftsprüfern auf Websites um? Der Autor mit Strategien und Beispielen.
Corporate
Web Design
for Tax & Accounting: What is it about the
corporate design for a tax or auditing firm that makes it so difficult to adapt corporate identity features to the firm's web site?
D
Aus:
Consultant - Magazin für Steuerberater und
Wirtschaftsprüfer (Schimmel-Verlag / Haufe Gruppe,
März 2002).
as Corporate Design (CD) eines Unternehmens definiert die Richtlinien für
das Gestaltungsbild in der Öffentlichkeit. Das Regelwerk für Stilmittel wie
Illustrationen, Farben und Typografie orientiert sich an der Corporate
Identity (CI), also daran, "was die Firma ausmacht".
Corporate
Design wirkt unbewußt: Kaum jemand könnte aus dem Stand heraus die Frage
beantworten, was die Telekom eigentlich so aussehen läßt wie die Telekom und
nicht wie Otelo. Sofort aber erkennt man Werbung der Telekom im Fernsehen oder
in einer Zeitungsanzeige, noch bevor man das "große T" zu Gesicht bekommt.
Und auch eine Visitenkarte von Apple oder der Deutschen Bank kann man
sofort eindeutig zuordnen, genauso wie das Briefpapier, eine Broschüre oder
die Website dieser Unternehmen.
Eine
Rose ist eine Rose ist eine Rose
Die meisten Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer in
Deutschland haben nur wenig Erfahrung mit Marketing und Public Relations. Der
Firmenschriftzug in Times New Roman auf den Briefköpfen ist noch immer das
Maß aller Dinge. Die Scheu vor "richtigem Design" erklärt sich
natürlich zum einen durch die jahrzehntelangen standesrechtlichen
Werbebeschränkungen. Zum anderen sind viele Steuerberater, Rechtsanwälte und
Wirtschaftsprüfer offenbar noch immer der Auffassung, klassisches (und
trostloses) Design vermittle Ernsthaftigkeit.
Wie
so oft, ist natürlich das Gegenteil der Fall. Die Rechtsanwaltskanzlei,
ebenso wie das Büro eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers, ist keine
hehre Institution, sondern ein Unternehmen wie viele andere: "Auch
Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer müssen sich am Markt
behaupten," meint der Web-Consultant Herbert Ackermann. "Um
entsprechende Vermarktungsstrategien kommt heute keiner mehr
herum."
Die
Identität des Unternehmens Kanzlei manifestiert sich neben anderen Dingen
durch ein charakteristisches gestalterisches Auftreten. Das Corporate Design
betrifft das gesamte Spektrum der nach außen gerichteten visuellen
Kommunikation – von Visitenkarten und Briefpapier, über Broschüren,
Stellenanzeigen und Seminarunterlagen bis hin zur Website.
Webdesign
& Website-Pflege
Wie entwickelt man eigentlich eine Website? Und wie hält man sie
aktuell, wenn sie fertig ist? – Zwei Fragen, mit denen jedes
Unternehmen über kurz oder lang konfrontiert sein wird. In der
ersten Entwicklungsstufe wird die Website hinsichtlich Zielsetzung,
Aufbau, Inhalt, Design und Programmierung konzipiert und realisiert.
Aber damit nicht genug: Denn in der zweiten Stufe muß die Website
laufend aktualisiert und gepflegt werden – am besten mit speziell
dafür maßgeschneiderter Software.
Wie macht man
eine Website?
Eine Website für ein Unternehmen zu entwickeln umfaßt weitaus
mehr als bunte Bilder und ein bißchen Layout. Der Begriff
"Webdesign" oder "Website-Engineering"
beschreibt die Entwicklung einer Website mit den Komponenten (1)
Projekt- und Informations-Design, (2) Grafik-Design und (3)
Software-Design. Nicht immer werden alle drei Komponenten von ein-
und derselben Partnern realisiert, sondern oft entwirft die eine
Agentur in Abstimmung mit dem Auftraggeber einen Strukturplan, die
zweite das Design, und die dritte setzt beides in eine
funktionsfähige Website um.
Hier die Komponenten im einzelnen:
(1) Projekt- und Informations-Design: Zunächst müssen die
einzelnen Projektstufen des Website-Aufbaus inhaltlich und
logistisch aufgeschlüsselt und mit den Entwicklern koordiniert
werden. Anschließend wird die Website hinsichtlich der Ziele, der
Inhalte und der Struktur konzipiert. Das Angebot muss logisch und
übersichtlich aufgebaut sein sowie intuitiv und einfach zu
navigieren.
(2) Grafik-Design: Die Entwicklung des Designs beinhaltet Layout,
Grafik und Illustration, Bildbearbeitung und Typografie. Die
grafische Darstellung muss Inhalt und Struktur einfangen und mit
einer ansprechenden Anmutung kommunizieren.
(3) Software-Design: Die Website-Struktur und das Grafik-Design der
Website wird technisch umgesetzt (HTML-Kodierung und Programmierung
/ Implementierung).
Website-Pflege mit Content-Management-
Systemen
Die Website von Hand aktuell zu halten ist eine mühsame und
fehleranfällige Angelegenheit, selbst mit sogenannten
"HTML-Editoren" wie Microsoft Frontpage oder Macromedia
Dreamweaver. Wesentlich einfacher geht das mit maßgeschneiderten
"Content-Management-
Systemen" (CMS), die auch "Redaktionssysteme" genannt
werden, weil ihre Ursprünge im Online-Zeitungswesen liegen. Mit
CM-Systemen kann man die Firmen-Website unabhängig von Agenturen
und Technikern selbst pflegen.
Anders als mit HTML-Editoren, bei denen jede einzelne Seite von
Hand gelayoutet werden muß, arbeiten CMS einerseits mit
Datenbanken, die reine Information (wie Produktabbildungen und
Texte) enthalten, und auf der anderen Seite mit designten
Musterseiten bzw. Vorlagen (sogenannte Templates), die dynamisch und
automatisch mit den Inhalten aus dem CMS gefüllt werden. Layout und
Inhalte bleiben also strikt voneinander getrennt. Mit CM-Systemen
lassen sich sowohl kurzlebige und häufig verändernde Inhalte als
auch sehr große Datenmengen und eine große Anzahl von Seiten auf
einer Website einfach, bequem und sicher verwalten.
Und was kostet das alles? Webdesigner und Programmierer berechnen
meist einen Stundensatz zwischen 100 und 200 Euro. Für die
Entwicklung der Website muß man je nach Aufwand und Komplexität
zwischen 50 bis 250 Stunden veranschlagen. Die Entwicklung eines
maßgeschneiderten Content-Management-
Systems auf Modulbasis liegt etwa in derselben Größenordnung.
Viele
glauben, Corporate Identity äußere sich in einer Sammlung starrer
Designregeln für Logos, Farben, Typografie oder Größenverhältnisse. Dabei
schreibt das Corporate Design lediglich einige Gestaltungseckpfeiler vor und
definiert Strategien zur visuellen Außenkommunikation. Sie haben zum Ziel,
den "richtigen" Eindruck des Unternehmen zu vermitteln, d.h.
unabhängig vom Kommunikationsmedium eindeutig zugeordnet werden zu können,
also wiedererkennbar und unverwechselbar zu sein. Gleichzeitig sollte das
Corporate Design flexibel genug anlegt sein, um unterschiedliche Medien in
ihrer jeweiligen Bandbreite ausschöpfen zu können.
Steuerberater,
Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, die für ihre Website die
Firmenbroschüre eins-zu-eins abbilden – mit oft holprigen oder peinlich
hochstapelnden Texten und dem Logo-Schriftzug als einziges grafisches Element
– haben die grundlegende Idee von Corporate Design nicht verstanden.
Denn
natürlich richtet sich die Gestaltung immer auch nach dem Medium und die
Zielgruppe: Die Firmenbroschüre (Zielgruppe: Mandanten, Medium: schweres
vierfarbiges Hochglanzpapier) sieht anders aus als eine Stellenanzeige
(Zielgruppe: Absolventen, Medium: Zeitung) – und beide wieder anders als die
Website (Zielgruppe: divers, Medium: Internet).
Die
Designvorgaben können lediglich den Rahmen beschreiben, innerhalb derer sich
die gestalterische Umsetzung bewegt.
Übrigens
passen sich sowohl die Corporate Identity einer Firma als auch – viel
häufiger – das Corporate Design an Rahmen-
bedingungen wie Firmengröße und -philosophie, wie auch an die Strömungen
der Zeit an. So haben sich z.B. die Erscheinungsbilder vom Rechenmaschinen-
hersteller IBM zum E-Business-Software-
Solution-Provider, vom Jugendstil-Persil zum Megaperls-Kraftreiniger, oder vom
Schwarzweiß-SPIEGEL zur Polit-Illustrierten im Laufe der Jahrzehnte radikal
gewandelt.
Von
oben nach unten – oder umgekehrt
Eine Website für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer kann
man nach zwei grundlegend verschiedenen Strategien entwickeln: Mit der
Top-Down-Strategie entwirft man ein für alle vom Unternehmen beanspruchte
Medien (Briefpapier, Broschüren, Stellenanzeigen, Website usw.) geltendes
"Overall-Design", das als "Styleguide" für alle an die
Öffentlichkeit gerichteten Produkte gilt.
Der
umgekehrte Ansatz ist die Bottom-up-Strategie, bei der für jedes Medium ein
eigenes individuelles Design entwickelt wird, das nicht notwendigerweise mit
dem Design für andere Medien korrespondiert.
Die
Bottom-up-Strategie ist bei den Websites von Steuerberatern, Rechtsanwälten
und Wirtschaftsprüfern nach wie vor am häufigsten anzutreffen – obwohl
sich die Zeiten langsam ändern. Sie ist nicht die Schlechteste, weil sie –
anders als der Top-down-Ansatz – extrem flexibel ist.
Die
Website der Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner etwa folgt einer
solchen Bottom-up-Strategie: Dabei griff man einzelne Elemente der
firmeneigenen Corporate Identity – vor allem den Logo-Schriftzug – auf und
setzte sie internetgerecht um. Gleichzeitig wurde ein individuelles auf die
Website zugeschnittenes Design in den den Farben Gelb, Blau und Rot
entwickelt, das in dieser Form nur auf der Website vorkommt; die Broschüren
oder Mandantenrundschreiben der Kanzlei sehen anders aus.
Die
Rechnung dieser Strategie geht auf, solange jeweils ein eigenes stimmiges
Format geschaffen wird: Für einen Wiedererkennungwert auf Seiten der
"Welt da draußen" genügt es, einzelne Elemente des Corporate
Designs zu integrieren und ansonsten dem "Medium freien Lauf zu
lassen". Der Erfolg gibt Haarmann, Hemmelrath & Partner recht: Die
Website gewann 1999 den ersten Anwalt-Marketing-Preis des Dr. Otto
Schmidt Verlags.
Die Website der
Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner folgt einer
Bottom-up-Strategie, bei der jeweils nur für jeweils ein Medium, z.B.
das Briefpapier oder die Website, ein spezielles Design entwickelt wird.
Die
Rechtsanwaltsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Veltins (www.pwc-veltins-law.com) verfolgt eine umgekehrte Strategie: Das Unternehmen legt
Wert auf ein einheitliches Design für alle nach außen gerichteten Produkte.
Auffällig ist die Ähnlichkeit der Gestaltung von Print- und Online-Medien,
die sich nicht nur im prominenten Gebrauch des Firmenlogos äußert, sondern
auch im gezielten Einsatz von Farben, Illustrationen, Schriftenelementen und
Fotos. Print- und Online-Produkte wirken damit wie aus einem Guß.
Benno
Heussen, Partner des Münchner Büros, erklärt: "PricewaterhouseCoopers
Veltins folgt der Strategie ‚Aus einer Hand‘. Vom Briefkopf über
Visitenkarten bis hin zu unseren Unternehmensbroschüren, den Mandantenrundschreiben und unserem Web-Auftritt orientieren sich alle für die
Öffentlichkeit gedachten Medien von PricewaterhouseCoopers Veltins nach
verbindlichen Gestaltungsrichtlinien."
Auf einen Blick erkennt derjenige
Besucher der Website, der schon die Broschüren oder andere Publikationen des
Unternehmens kennt, daß er sich in ein- und demselben Haus befindet:
"Wichtig ist für uns die eindeutige Wiedererkennbarkeit unserer
Produkte," so Heussen. Für die strenge Einhaltung der Design-Richtlinien
sorgt eine eigene Abteilung des Unternehmens – ein Musterbeispiel also für
den Top-Down-Ansatz.
Vom Briefkopf über
Visitenkarten bis hin zu unseren Unternehmensbroschüren, den Mandantenrundschreiben und unserem Web-Auftritt orientieren sich alle für die
Öffentlichkeit gedachten Medien von PricewaterhouseCoopers Veltins nach
verbindlichen Gestaltungsrichtlinien.
Eine
Mischform aus beiden Strategien, der Bottom-up-Strategie und der
Top-Down-Strategie, wird dahingegen von Ernst & Young (www.ernst-young.de)
verfolgt. Nach Aussage von Bettina Miess, der Website-Managerin des
Unternehmens, gibt es auf einer "Meta-Ebene" übergreifende
Richtlinien für alles, was mit dem Auftritt von Ernst & Young in der
Öffentlichkeit zu tun hat: "Unser Corporate Design umfaßt eine Reihe
von Elementen wie Logo, Schriften und Farben, die je nach Medium
heruntergebrochen werden."
Das Corporate Design im elektronischen Bereich
etwa wird durch eigene "E-Media-Guidelines" festgelegt, die sich in
solchen Aspekten von den Richtlinien für Print oder Anzeigen unterscheiden,
die spezifisch mit dem Medium Internet und Intranet zu tun haben.
"Eine Broschüre ist
eine Broschüre, eine Website eine Website, und keines von beiden das
jeweils andere." - Die Website von Ernst & Young.
"Eine
Broschüre ist eine Broschüre, eine Website eine Website, und keines von
beiden das jeweils andere," meint Miess und resümiert: "Jedem
Medium seine eigene Optik – aber mit einem übergreifenden Regelwerk."
Dementsprechend werden für unterschiedliche Projekte auch unterschiedliche
Entwickler beauftragt.
Website
konkret
Die Herausforderung an den Designer und technischen Entwickler ist
weitgehend unabhängig vom konkreten Anwendungsbereich: Egal ob eine neue
Broschüre entworfen wird oder die Firmen-Website: Die grundsätzliche Aufgabe
besteht in beiden Fällen darin, ein umfassendes Design zu entwerfen, das vom
Cover bis zur letzten Druck- oder HTML-Seite stringent und einheitlich alle
Rubriken und Einzelseiten umfaßt und dabei gleichzeitig eine
charakteristische "Uniqueness" kommuniziert.
So
wie sich die Website am Corporate Design orientiert, müssen sich aber auch
umgekehrt, wie schon erwähnt, die Design-Richtlinien ein Stück weit an das
Medium Internet adaptieren. Websites bieten in vielerlei Hinsicht andere
Darstellungsmöglichkeiten und Einschränkungen als der Printbereich. Anders
als bei gedrucktem Papier unterliegen Websites zahllosen Freiheitsgraden auf
Seiten des Benutzers, wie etwa dem Betriebssystem, dem verwendeten Browser,
dem Computerbildschirm oder dem eingesetzten Internet-Zugang.
Diese
Aspekte kommen jeweils mit der individuellen Systemumgebung des Users zum
Tragen und machen das Gesamtangebot in weiten Teilen nutzerabhängig. Die
Herausforderung an den Website-Entwickler besteht im Aufbau einer
gestalterisch und technisch flexibel angelegten Struktur, die möglichst viele
dieser Freiheitsgrade auffängt.
[2002]