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Web Design:

Corporate-Design für Websites

Wie aus einem Guß
||| Oliver Weiss

Wie setzt man die Corporate Identity von Steuerberatern, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern auf Websites um? Der Autor mit Strategien und Beispielen.
Corporate Web Design for Tax & Accounting: What is it about the corporate design for a tax or auditing firm that makes it so difficult to adapt corporate identity features to the firm's web site?

 

D

 
Aus:
Consultant  - Magazin für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (Schimmel-Verlag / Haufe Gruppe,
März 2002).

>DOWNLOAD PDF

>WEBDESIGN: Meine Website für Haarmann Hemmelrath.

>MARKETING-PREIS: Die Website gewann den Anwalt-Marketing-Preis 1999 als beste Kanzlei-Website Deutschlands.

>WEBSITE-ENTWICKLUNG: Weitere Website-Projekte für Kanzleien und Verlage.

>CONTENT MANAGEMENT: Content-Management-Systeme für Websites.

>WEBDESIGN: Die Design-Strategie – Internet-Präsentation für Unternehmen.

>DER VIRTUELLE ANWALT: Erste Schritte zur Websites.

as Corporate Design (CD) eines Unternehmens definiert die Richtlinien für das Gestaltungsbild in der Öffentlichkeit. Das Regelwerk für Stilmittel wie Illustrationen, Farben und Typografie orientiert sich an der Corporate Identity (CI), also daran, "was die Firma ausmacht".

Corporate Design wirkt unbewußt: Kaum jemand könnte aus dem Stand heraus die Frage beantworten, was die Telekom eigentlich so aussehen läßt wie die Telekom und nicht wie Otelo. Sofort aber erkennt man Werbung der Telekom im Fernsehen oder in einer Zeitungsanzeige, noch bevor man das "große T" zu Gesicht bekommt.

Und auch eine Visitenkarte von Apple oder der Deutschen Bank kann man sofort eindeutig zuordnen, genauso wie das Briefpapier, eine Broschüre oder die Website dieser Unternehmen.

 

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose

Die meisten Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer in Deutschland haben nur wenig Erfahrung mit Marketing und Public Relations. Der Firmenschriftzug in Times New Roman auf den Briefköpfen ist noch immer das Maß  aller Dinge. Die Scheu vor "richtigem Design" erklärt sich natürlich zum einen durch die jahrzehntelangen standesrechtlichen Werbebeschränkungen. Zum anderen sind viele Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer offenbar noch immer der Auffassung, klassisches (und trostloses) Design vermittle Ernsthaftigkeit.

Wie so oft, ist natürlich das Gegenteil der Fall. Die Rechtsanwaltskanzlei, ebenso wie das Büro eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers, ist keine hehre Institution, sondern ein Unternehmen wie viele andere: "Auch Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer müssen sich am Markt behaupten," meint der Web-Consultant Herbert Ackermann. "Um entsprechende Vermarktungsstrategien kommt heute keiner mehr herum." 

Die Identität des Unternehmens Kanzlei manifestiert sich neben anderen Dingen durch ein charakteristisches gestalterisches Auftreten. Das Corporate Design betrifft das gesamte Spektrum der nach außen gerichteten visuellen Kommunikation – von Visitenkarten und Briefpapier, über Broschüren, Stellenanzeigen und Seminarunterlagen bis hin zur Website.

Webdesign 
& Website-Pflege

Wie entwickelt man eigentlich eine Website? Und wie hält man sie aktuell, wenn sie fertig ist? – Zwei Fragen, mit denen jedes Unternehmen über kurz oder lang konfrontiert sein wird. In der ersten Entwicklungsstufe wird die Website hinsichtlich Zielsetzung, Aufbau, Inhalt, Design und Programmierung konzipiert und realisiert. Aber damit nicht genug: Denn in der zweiten Stufe muß die Website laufend aktualisiert und gepflegt werden – am besten mit speziell dafür maßgeschneiderter Software.

Wie macht man 
eine Website?

Eine Website für ein Unternehmen zu entwickeln umfaßt weitaus mehr als bunte Bilder und ein bißchen Layout. Der Begriff "Webdesign" oder "Website-Engineering" beschreibt die Entwicklung einer Website mit den Komponenten (1) Projekt- und Informations-Design, (2) Grafik-Design und (3) Software-Design. Nicht immer werden alle drei Komponenten von ein- und derselben Partnern realisiert, sondern oft entwirft die eine Agentur in Abstimmung mit dem Auftraggeber einen Strukturplan, die zweite das Design, und die dritte setzt beides in eine funktionsfähige Website um.

Hier die Komponenten im einzelnen:
(1) Projekt- und Informations-Design: Zunächst müssen die einzelnen Projektstufen des Website-Aufbaus inhaltlich und logistisch aufgeschlüsselt und mit den Entwicklern koordiniert werden. Anschließend wird die Website hinsichtlich der Ziele, der Inhalte und der Struktur konzipiert. Das Angebot muss logisch und übersichtlich aufgebaut sein sowie intuitiv und einfach zu navigieren.
(2) Grafik-Design: Die Entwicklung des Designs beinhaltet Layout, Grafik und Illustration, Bildbearbeitung und Typografie. Die grafische Darstellung muss Inhalt und Struktur einfangen und mit einer ansprechenden Anmutung kommunizieren.
(3) Software-Design: Die Website-Struktur und das Grafik-Design der Website wird technisch umgesetzt (HTML-Kodierung und Programmierung / Implementierung).

 

Website-Pflege mit Content-Management-
Systemen

Die Website von Hand aktuell zu halten ist eine mühsame und fehleranfällige Angelegenheit, selbst mit sogenannten "HTML-Editoren" wie Microsoft Frontpage oder Macromedia Dreamweaver. Wesentlich einfacher geht das mit maßgeschneiderten "Content-Management-
Systemen" (CMS), die auch "Redaktionssysteme" genannt werden, weil ihre Ursprünge im Online-Zeitungswesen liegen. Mit CM-Systemen kann man die Firmen-Website unabhängig von Agenturen und Technikern selbst pflegen.

Anders als mit HTML-Editoren, bei denen jede einzelne Seite von Hand gelayoutet werden muß, arbeiten CMS einerseits mit Datenbanken, die reine Information (wie Produktabbildungen und Texte) enthalten, und auf der anderen Seite mit designten Musterseiten bzw. Vorlagen (sogenannte Templates), die dynamisch und automatisch mit den Inhalten aus dem CMS gefüllt werden. Layout und Inhalte bleiben also strikt voneinander getrennt. Mit CM-Systemen lassen sich sowohl kurzlebige und häufig verändernde Inhalte als auch sehr große Datenmengen und eine große Anzahl von Seiten auf einer Website einfach, bequem und sicher verwalten.

Und was kostet das alles? Webdesigner und Programmierer berechnen meist einen Stundensatz zwischen 100 und 200 Euro. Für die Entwicklung der Website muß man je nach Aufwand und Komplexität zwischen 50 bis 250 Stunden veranschlagen. Die Entwicklung eines maßgeschneiderten Content-Management-
Systems auf Modulbasis liegt etwa in derselben Größenordnung.

Viele glauben, Corporate Identity äußere sich in einer Sammlung starrer Designregeln für Logos, Farben, Typografie oder Größenverhältnisse. Dabei schreibt das Corporate Design lediglich einige Gestaltungseckpfeiler vor und definiert Strategien zur visuellen Außenkommunikation. Sie haben zum Ziel, den "richtigen" Eindruck des Unternehmen zu vermitteln, d.h. unabhängig vom Kommunikationsmedium eindeutig zugeordnet werden zu können, also wiedererkennbar und unverwechselbar zu sein. Gleichzeitig sollte das Corporate Design flexibel genug anlegt sein, um unterschiedliche Medien in ihrer jeweiligen Bandbreite ausschöpfen zu können. 

Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, die für ihre Website die Firmenbroschüre eins-zu-eins abbilden – mit oft holprigen oder peinlich hochstapelnden Texten und dem Logo-Schriftzug als einziges grafisches Element – haben die grundlegende Idee von Corporate Design nicht verstanden.

Denn natürlich richtet sich die Gestaltung immer auch nach dem Medium und die Zielgruppe: Die Firmenbroschüre (Zielgruppe: Mandanten, Medium: schweres vierfarbiges Hochglanzpapier) sieht anders aus als eine Stellenanzeige (Zielgruppe: Absolventen, Medium: Zeitung) – und beide wieder anders als die Website (Zielgruppe: divers, Medium: Internet). 

Die Designvorgaben können lediglich den Rahmen beschreiben, innerhalb derer sich die gestalterische Umsetzung bewegt.

Übrigens passen sich sowohl die Corporate Identity einer Firma als auch – viel häufiger – das Corporate Design an Rahmen-
bedingungen wie Firmengröße und -philosophie, wie auch an die Strömungen der Zeit an. So haben sich z.B. die Erscheinungsbilder vom Rechenmaschinen-
hersteller IBM zum E-Business-Software-
Solution-Provider, vom Jugendstil-Persil zum Megaperls-Kraftreiniger, oder vom Schwarzweiß-SPIEGEL zur Polit-Illustrierten im Laufe der Jahrzehnte radikal gewandelt.

 

Von oben nach unten – oder umgekehrt

Eine Website für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer kann man nach zwei grundlegend verschiedenen Strategien entwickeln: Mit der Top-Down-Strategie entwirft man ein für alle vom Unternehmen beanspruchte Medien (Briefpapier, Broschüren, Stellenanzeigen, Website usw.) geltendes "Overall-Design", das als "Styleguide" für alle an die Öffentlichkeit gerichteten Produkte gilt.

Der umgekehrte Ansatz ist die Bottom-up-Strategie, bei der für jedes Medium ein eigenes individuelles Design entwickelt wird, das nicht notwendigerweise mit dem Design für andere Medien korrespondiert.

Die Bottom-up-Strategie ist bei den Websites von Steuerberatern, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern nach wie vor am häufigsten anzutreffen – obwohl sich die Zeiten langsam ändern. Sie ist nicht die Schlechteste, weil sie – anders als der Top-down-Ansatz – extrem flexibel ist. 

Die Website der Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner etwa folgt einer solchen Bottom-up-Strategie: Dabei griff man einzelne Elemente der firmeneigenen Corporate Identity – vor allem den Logo-Schriftzug – auf und setzte sie internetgerecht um. Gleichzeitig wurde ein individuelles auf die Website zugeschnittenes Design in den den Farben Gelb, Blau und Rot entwickelt, das in dieser Form nur auf der Website vorkommt; die Broschüren oder Mandantenrundschreiben der Kanzlei sehen anders aus.

Die Rechnung dieser Strategie geht auf, solange jeweils ein eigenes stimmiges Format geschaffen wird: Für einen Wiedererkennungwert auf Seiten der "Welt da draußen" genügt es, einzelne Elemente des Corporate Designs zu integrieren und ansonsten dem "Medium freien Lauf zu lassen". Der Erfolg gibt Haarmann, Hemmelrath & Partner recht: Die Website gewann 1999 den ersten Anwalt-Marketing-Preis des Dr. Otto Schmidt Verlags.

Die Website der Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner folgt einer Bottom-up-Strategie, bei der jeweils nur für jeweils ein Medium, z.B. das Briefpapier oder die Website, ein spezielles Design entwickelt wird.

Die Rechtsanwaltsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Veltins (www.pwc-veltins-law.com) verfolgt eine umgekehrte Strategie: Das Unternehmen legt Wert auf ein einheitliches Design für alle nach außen gerichteten Produkte. Auffällig ist die Ähnlichkeit der Gestaltung von Print- und Online-Medien, die sich nicht nur im prominenten Gebrauch des Firmenlogos äußert, sondern auch im gezielten Einsatz von Farben, Illustrationen, Schriftenelementen und Fotos. Print- und Online-Produkte wirken damit wie aus einem Guß.

Benno Heussen, Partner des Münchner Büros, erklärt: "PricewaterhouseCoopers Veltins folgt der Strategie ‚Aus einer Hand‘. Vom Briefkopf über Visitenkarten bis hin zu unseren Unternehmensbroschüren, den Mandantenrundschreiben und unserem Web-Auftritt orientieren sich alle für die Öffentlichkeit gedachten Medien von PricewaterhouseCoopers Veltins nach verbindlichen Gestaltungsrichtlinien." 

Auf einen Blick erkennt derjenige Besucher der Website, der schon die Broschüren oder andere Publikationen des Unternehmens kennt, daß er sich in ein- und demselben Haus befindet: "Wichtig ist für uns die eindeutige Wiedererkennbarkeit unserer Produkte," so Heussen. Für die strenge Einhaltung der Design-Richtlinien sorgt eine eigene Abteilung des Unternehmens – ein Musterbeispiel also für den Top-Down-Ansatz.

Vom Briefkopf über Visitenkarten bis hin zu unseren Unternehmensbroschüren, den Mandantenrundschreiben und unserem Web-Auftritt orientieren sich alle für die Öffentlichkeit gedachten Medien von PricewaterhouseCoopers Veltins nach verbindlichen Gestaltungsrichtlinien.

Eine Mischform aus beiden Strategien, der Bottom-up-Strategie und der Top-Down-Strategie, wird dahingegen von Ernst & Young (www.ernst-young.de) verfolgt. Nach Aussage von Bettina Miess, der Website-Managerin des Unternehmens, gibt es auf einer "Meta-Ebene" übergreifende Richtlinien für alles, was mit dem Auftritt von Ernst & Young in der Öffentlichkeit zu tun hat: "Unser Corporate Design umfaßt eine Reihe von Elementen wie Logo, Schriften und Farben, die je nach Medium heruntergebrochen werden." 

Das Corporate Design im elektronischen Bereich etwa wird durch eigene "E-Media-Guidelines" festgelegt, die sich in solchen Aspekten von den Richtlinien für Print oder Anzeigen unterscheiden, die spezifisch mit dem Medium Internet und Intranet zu tun haben.

"Eine Broschüre ist eine Broschüre, eine Website eine Website, und keines von beiden das jeweils andere." - Die Website von Ernst & Young.

"Eine Broschüre ist eine Broschüre, eine Website eine Website, und keines von beiden das jeweils andere," meint Miess und resümiert: "Jedem Medium seine eigene Optik – aber mit einem übergreifenden Regelwerk." Dementsprechend werden für unterschiedliche Projekte auch unterschiedliche Entwickler beauftragt.

 

Website konkret

Die Herausforderung an den Designer und technischen Entwickler ist weitgehend unabhängig vom konkreten Anwendungsbereich: Egal ob eine neue Broschüre entworfen wird oder die Firmen-Website: Die grundsätzliche Aufgabe besteht in beiden Fällen darin, ein umfassendes Design zu entwerfen, das vom Cover bis zur letzten Druck- oder HTML-Seite stringent und einheitlich alle Rubriken und Einzelseiten umfaßt und dabei gleichzeitig eine charakteristische "Uniqueness" kommuniziert.

So wie sich die Website am Corporate Design orientiert, müssen sich aber auch umgekehrt, wie schon erwähnt, die Design-Richtlinien ein Stück weit an das Medium Internet adaptieren. Websites bieten in vielerlei Hinsicht andere Darstellungsmöglichkeiten und Einschränkungen als der Printbereich. Anders als bei gedrucktem Papier unterliegen Websites zahllosen Freiheitsgraden auf Seiten des Benutzers, wie etwa dem Betriebssystem, dem verwendeten Browser, dem Computerbildschirm oder dem eingesetzten Internet-Zugang. 

Diese Aspekte kommen jeweils mit der individuellen Systemumgebung des Users zum Tragen und machen das Gesamtangebot in weiten Teilen nutzerabhängig. Die Herausforderung an den Website-Entwickler besteht im Aufbau einer gestalterisch und technisch flexibel angelegten Struktur, die möglichst viele dieser Freiheitsgrade auffängt. [2002]

(c) 1989–2008 Oliver Weiss Design Up! 
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