Web
Design:
Internet-Präsentation
für Unternehmen
Die Design-Strategie
||| Oliver Weiss
"A graphic designer is a navigator who strategically positions sign-posts for the reader to follow." Die Wegweiserfunktion des Grafikers in den Worten von Steven Heller, dem Senior Art Director der New York Times, kennzeichnet in gleichem Maße den Webdesigner. In diesem Paper werden die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Erstellung Ihrer Website diskutiert, nach denen Sie Ihren Website-Engineering-Partner fragen sollten.
Web
Design Strategies for Enterprises: A graphic designer is, in the words of Steven Heller, senior art director for the New York Times, a "navigator who strategically positions sign-posts for the reader to follow." Contrary to what many appear to believe, a web designer's job calls for a deep understanding not only of graphic design issues, but also of software implementation aspects. This paper describes the essentials for your company's web site engineering
project.
ine Website ist eine
moderne und lebendige Form der Selbstdarstellung mit drei Hauptzielen:
Informationsvermittlung (z.B. Produktpräsentation), Werbung (z.B. Public
Relations) und Kommunikation (z.B. Verkauf).
Sie sollte als offenes
System konzipiert werden, das strukturelle, inhaltliche und technische
Erweiterungen ohne unverhältnismäßigen Aufwand erlaubt.
Ganz anders aber als bei Printmedien, unterliegt die Darstellung der Website vielen Freiheitsgraden wie Rechnerplattform, Browser, Monitor, Internet-Anbindung, Serverrechner u.ä., die mit der individuellen Systemumgebung des Betrachters zum Tragen kommen und das Gesamtangebot in weiten Teilen nutzerabhängig machen.
Eine gutgemachte Website überzeugt durch drei Features: 1.Ihre Darstellung ist übersichtlich und intuitiv und erlaubt einfache Navigation. 2. Sie ist ansprechend, d.h. sie gewinnt den User durch die »richtige Anmutung« für sich, indem Inhalt und Design aufeinander abgestimmt sind und dem Image entsprechen, das der Anbieter von sich geben möchte ( »Corporate
Identity« und
»Corporate Design«). 3. Sie ist informativ und aktuell. – Anliegen eines professionellen Webauftritts sollte es sein, in allen drei Ansprüchen zu reüssieren.
Dabei sind weder die Seriosität von Angebot und Auftritt aus den Augen zu verlieren noch die anvisierte Zielgruppe. Um möglichst viele Benutzer zu erreichen, ist ein Time-Lag hinsichtlich technischer Neuerungen von einem halben bis einem Jahr trotz – oder gerade wegen – der sich weiterhin überschlagenden Entwicklung des Internets angemessen.
Die Realisierung einer Website gliedert sich in folgende Konzeptions- und Entwicklungsstufen:
Struktur und Inhalt: inhaltliche und gestalterische Konzeption
Der Beruf des Webdesigners vereint spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten aus mehreren Fachbereichen, allen voran dem Grafik-Design, der Computertechnik, der Informatik, den Kommunikationswissenschaften und der Werbung. Manchmal trifft man auf Webdesigner, die all diese Bereiche – jeweils mehr oder weniger ausgeprägt – in einer einzigen Person integrieren:
Kontakter / Vermittler und Manager: Nachdem der Kontakt zwischen Designer und Auftraggeber hergestellt wurde, wird der Entwicklungsprozeß sorgfältig von seiten des Designers betreut und überwacht. – Der Auftraggeber sollte unbedingt Konkurrenzangebote einholen, um Preise und Leistungen abschätzen und vergleichen zu können.
Kommunikationsmanager: Die Website wird konzeptionell, strukturell und inhaltlich entworfen; das Augenmerk liegt auf Infomationsvermittlung und Benutzerfreundlichkeit.
Art Director: Die Website wird gestalterisch entworfen; ein stringentes Design wird erarbeitet, das Struktur und Inhalt abbildet und die angestrebte Anmutung vermittelt. Nach sorgfältiger Abstimmung werden Musterseiten erstellt.
Grafiker: Layout- und Illustrationsaufgaben werden vom Grafiker übernommen, der über spezielle Kenntnisse in der Grafik-, Zeichnungs- und Digitalbildherstellung sowie in der Bildbearbeitung, in Typografie und im Design verfügt.
Computerexperte: Alles aus dem Bereich Hard- und Software fällt in sein Ressort: vom Ankauf über Bedienung, Instandhaltung, Aktualisierung und Beratung bis hin zur HTML-Kodierung von Internet-Seiten.
Texter: Häufig werden vom Auftraggeber keine oder nur rudimentäre Textvorlagen für die zu erstellende Website geliefert; die Aufgabe des Texters ist es, den Kunden in seiner Absicht, für sich zu werben, an die Hand zu nehmen und für ihn die Firma charakterisierende Texte zu entwickeln.
Programmierer: Aufwendige Websites erfordern für Anwendungen wie Suchfunktionen E-Mail-Formulare, Datenbankanbindungen, dynamische HTML-Seiten, Animationseffekte oder Passwordschutz Konzeptions- und Programmierkenntnisse in Sprachen wie Visual Basic Script, PHP, Perl, C++, JavaScript oder Java,
meist auch Webserver-Know-how.
Reinzeichner: Er übernimmt Routinearbeiten wie die Realisierung von Illustrationsskizzen, die Optimierung von Grafiken für das Web oder das pixelgenaue HTML-Kodieren nach Mustervorlagen.
2. TECHNISCHE WERKZEUGE
Folgende Geräte und Werkzeuge kommen beim Webdesign zum Einsatz:
a) Computer
Die Welt des Internets ist vor allem eine Welt der Betriebssysteme DOS / Windows
für PC. Je nach anvisierter Zielgruppe (s.u.) sollten die Arbeiten aber auch auf Unix-/Linux- und Mac-Rechnern geprüft und angepaßt werden.
b) Bildschirm
Der Monitor mit einem Durchmesser von mindestens 17 Zoll sollte eine Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten darstellen können; um die Site unter schlechteren Real-Life-Bedingungen zu testen, muß er auf niedrigere Auflösungen einstellbar sein.
c) Software (Auswahl)
HTML-Editoren (s.u.)
Site-Management-Editoren (s.u.)
Internet-Tools (E-Mail- und FTP-Programme)
Texteditoren
Datenbank-Software und -Anbindungstools
Bildbearbeitungs-Tools
Grafik-Tools
Layout-Tools
Content-Management-Systeme
(Redaktionssysteme) zur dynamischen Verwaltung von Websites
Der erste Schritt bei der Erstellung einer Website liegt in der Entwicklung einer Vorstellung über
die Zielsetzung(en),
die Zielgruppe(n),
die anzubietenden Inhalte,
die zu vermittelnde Anmutung und die
Struktur der Site.
Die Erstellung eines detaillierten »Pflichtenheftes« umfaßt die Festlegung von Inhalten, Struktur und Hierarchien und die Einigung über Design und grafische Gestaltung. Folgende Eckpfeiler sind dabei zu berücksichtigen:
Das Internet ist ein junges und spannendes Medium, was mit der Online-Präsenz auch signalisiert werden muß. Der Unternehmens-Website muß der Spagat zwischen Seriosität und Unkonventionalität gelingen.
Die Internet-Präsenz eines Unternehmens unterscheidet sich wesentlich von der klassischen Corporate Identity in Visitenkarten, Briefpapier oder der Informationsbroschüre und kann nicht eins-zu-eins aus dem Printbereich übernommen werden.
Der Aufbau der Website muß übersichtlich und intuitiv navigierbar sein: Ein einfaches und schlichtes Konzept ist immer besser als ein kompliziertes und überfrachtetes.
1. DESIGN-STRUKTUR
a) »Gesamtdesign« der Website
Die Designleistung bei der Erstellung einer Website ist, wenn man einmal solche Internet-eigenen Features wie Interaktivität, Unmittelbarkeit und Verbreitung außer acht läßt, in vielen Punkten der Designleistung im Printbereich vergleichbar. Die prinzipielle Aufgabe besteht darin, ein alle Einzelseiten umfassendes Design zu entwerfen, das von der ersten bis zur letzten HTML-Seite stringent und mit unverwechselbarem Wiedererkennungswert alle
Einzelrubriken und -seiten umfaßt.
So wie die Internetdarstellung dem Corporate Design folgen muß (Logos, Schriften, Farben, Anmutung), muß umgekehrt auch die Firmenpräsenz im Internet an das neue Medium adaptiert werden. So kann z.B. helle Schrift auf dunklem Grund in der Unternehmensbroschüre edel wirken, im Internet hingegen wegen der physischen Andersartigkeit der Bildschirmdarstellung kaum zu lesen sein.
Wesentliche Designkriterien sind:
Insgesamte Stringenz der Darstellung
Einheitlichkeit aller Einzelseiten
Intuitive Navigiermöglichkeiten (z.B. mit Hyperlinks)
Einfache Aktualisierungsmöglichkeit mit unproblematisch zu bedienender Software
b) Struktur
Eine typische kommerzielle Website gliedert sich grob in folgende Bereiche:
Eingangs- / »Willkommen«-Seite:
sie enthält vor allem das Logo und Firmeninformationen; sie bietet z.B. die
Möglichkeit, eine von mehreren Navigationssprachen auszuwählen
»News«-Seite mit Informationen zu aktuellen Entwicklungen innerhalb des Unternehmens
»Portrait«-Seite mit Unternehmens-
informationen und -daten (z.B. Stellenwert, Philosophie, Geschichte)
»Dienstleistungen«- und »Produkte«-Seiten mit Übersicht und detaillierten Einzelseiten des Angebots
weitere Informationsseiten wie zum Download angebotene Artikel zu bestimmten Themen, Demo-Software oder Bildmaterial
Informationen zu Kontaktpersonen (Mitarbeiter, »Team«, Webmaster)
E-Mail-Anbindung/Formular mit Möglichkeit zur Informationsanforderung
Bild 3. Die Site der
Radiostation WorkplaceRadio:
ein-Frame-Struktur.
Bild 4. Die Website
der Kanzlei Kaiser Law Office:
ein-Frame-Struktur
2. TECHNISCHER ENTWURF
Der Designentwurf einer Website kann grundsätzlich mit zwei unterschiedlichen Ansätzen verfolgt werden, die beliebig kombiniert werden können: Zunächst entwirft man Skizzen (»Scribbles«) mit grob angedeutetem strukturellen, inhaltlichen und gestalterischen Design, z.B. unter Zuhilfenahme von Flowchart-Diagrammen oder Disneys Storyboards. Anschließend realisiert man einzelne Musterseiten für die wesentlichen Rubriken
a) entweder in Form einer Website-Simulation mittels Bildbearbeitungs- und Layoutsoftware, bei der – zunächst völlig unabhängig von der späteren HTML-Implementierung – die zu gestaltende Bildschirmdarstellung vorgestellt wird. Nach Abstimmung erfolgt die Kodierung in HTML mit Grafiken.
b) Oder man programmiert eine »Quick-and-dirty«-HTML-Rohimplementierung als bereits grob lauffähige »Real-Life«-Website. Der Nachteil dieses Ansatzes ist, daß viele Kunden nicht weit genug zu abstrahieren gewöhnt sind.
3. INHALT
Webdesign bedeutet die kongeniale Umsetzung von oftmals bereits in Printform vorliegenden Inhalten auf eine dem Internet angepaßte Umgebung. Wichtig sind neben dem hohen Informationsgehalt und der »Winning Presentation« vor allem die Aktualität der Inhalte.
Das Internet ist gnadenlos: Wer seine Site nicht häufig aktualisiert, hat gegenüber der Konkurrenz unter Umständen unwiderruflich an Boden verloren. Dringend ist anzuraten, einen Mitarbeiter in-house mit der laufenden Pflege und Einstellung neuer Inhalte zu beauftragen. Der Webdesigner sollte auch hier beratend zur Seite stehen.
4. ZEIT- UND KOSTENPLAN
Die Kosten einer Website hängen entscheidend vom kreativen Leistungspotential des Webdesigners ab, weiterhin von seiner Arbeitsgeschwindigkeit und der Zuverlässigkeit und Qualität der von ihm eingesetzten Werkzeuge und seiner Mitarbeiter (z.B. Grafiker, Texter, HTML-Kodierer oder Programmierer). Selbstverständlich orientieren sich die Kosten auch an dem Namen, den sich ein Webdesigner bereits mit seinen (Internet-)Projekten gemacht hat.
Nach einer Empfehlung der Allianz Deutscher Designer (AGD), Braunschweig, wird die Arbeitsstunde eines Webdesigners mit durchschnittlich
60 € angesetzt, natürlich abhängig von der jeweiligen Tätigkeit. Grundsätzlich sind Kreativleistungen wie die Designkonzeption teurer als Routinearbeiten wie die HTML-Kodierung nach Musterseiten.
Die Designkonzeption (Systemstruktur, interaktive
Funktionalität, Nutzerführung, Screendesigns, Einstiegsseite, typische Folgeseite, Navigationssystem) wird bei geringem Zeitaufwand mit 40 Stunden (2 400 €), bei höherem Zeitaufwand mit 360 Stunden veranschlagt (21 600 €). Der aus einer Einzelseite bestehende Webauftritt wird bei geringem Zeitaufwand mit 8 Stunden (480 €), bei höherem Zeitaufwand mit 16 Stunden (960 €) angesetzt. – Beim Redesign einer Site reduziert sich der Zeitaufwand entsprechend der bereits
geleisteten Vorarbeit.
Neben der Größe des Unternehmens spielt natürlich auch die Anzahl der zu erstellenden Web-Seiten innerhalb der Site eine Rolle bei der Aufwands- und Kostenrechung. Allerdings sind die gedanklichen, gestalterischen, grafischen und technikumsetzenden Leistungen, die zu ein bis drei Musterseiten geführt haben, relativ gesehen teurer, da sie die ureigentlichen Fähigkeiten des Designers –
die Entwerferfähigkeiten für ein Konzept und die Musterrealisierung eines konkreten Werks – in höherem Maße fordern als Routineaufgaben wie die Adaptierung von Dutzenden von Web-Seiten nach vorgegebenem Fixschema.
Eine Website ist immer so gut wie der Bildschirm, auf dem sie dargestellt wird. Die nicht nur in Deutschland
mittlerweile übliche Bildschirmauflösung bei 15-Zoll-Screens beträgt 800 x 600 Punkte (dpi); die Gestaltung sollte vorwiegend darauf ausgerichtet werden, aber auch unter besseren (17- bis 21-Zoll) oder schlechteren Bedingungen (Laptop) gut lesbar sein.
Grundsätzlich sollte die Website vor der Online-Stellung auf möglichst vielen unterschiedlichen Plattformen getestet werden; dieser Schritt ist jedoch abhängig von der angepeilten Zielgruppe.
2. LAYOUT
Zwei der häufigsten Fehler, die Unternehmen bei ihren Internet-Auftritten machen, sind, entweder das Medium nicht ernstzunehmen, indem man allzu schnell eine geschäftsschädigende Website zusammenbastelt. Oder, andersherum, um auf Nummer Sicher zu gehen, aus lauter Angst vor dem neuen Medium eine Eins-zu-Eins-Abbildung der Unternehmensbroschüre zu versuchen. Beide Ansätze sind zum Scheitern verurteilt, da sie die ureigene Funktionsweise des neuen
Mediums nicht durchdringen.
Die Website sollte die Corporate Identity des Unternehmens berücksichtigen und in ihrem Design, z.B. in der Ausrichtung an das ungewohnte horizontale Format, an das Medium Internet adaptieren. Diese Umsetzung muß sehr behutsam erfolgen.
a) Rahmen (Frames)
Mit Rahmen kann das Browserfenster in zwei oder mehrere unabhängig voneinander operierende Komponenten aufgeteilt werden. Eine solche Struktur bietet sich z.B. dann an, wenn der Inhalt eines Hyperlinks im schmalen stationären Navigationsfenster im großen Hauptfenster angezeigt werden soll.
b) Tabellen
Komplizierte Layouts werden durch die Ineinanderschachtelung von (unsichtbaren) Tabellen unterschiedlicher Ausmaße realisiert. Tabellen können in HTML sowohl in ihrer Gesamtbreite als auch in ihren Zellenbreiten mit fixen Pixelwerten oder relativen Prozentangaben entworfen werden, die sich auf die jeweils im Browser dargestellte Bildschirmbreite beziehen.
3. GRAFIK UND BILDBEARBEITUNG
a) (Online-)Logo
Original-Logo Carl Link / DKV-Verlag
Animiertes Website-Logo von Oliver
Weiss
Bei fast allen Unternehmens-Websites wird an prominenter Stelle das Firmenlogo eingesetzt werden. Wegen der Andersartigkeit des Internets gegenüber Printdarstellungen können bereits existierende Logos oft nicht eins-zu-eins übernommen werden ohne internetspezifische Anpassung; beispielsweise kann der Designer sie um Animationseffekte ergänzen.
b) Grafiken
Gute Websites setzen Bilder strategisch ein, für grafische Darstellungen (Skizzen, Flowcharts, »Stimmungsbilder«) oder Fotografien, in Form von »Textbildern« (Logoschriftzug, Überschriften, Rubriknamen) oder in Form von »Image Maps« oder »Icons«, also kleinen anklickbaren »Sinnbildern«. Kennzeichnend für einen gelungenen Auftritt ist nicht die Anzahl von Bildelementen oder animierten Effekten, sondern ihr Sinnzusammenhang und ihre Qualität.
Alle Bilder müssen in Art, Größe und Farbe zusammenpassen und sollten eigens für die Website entworfen und in das CI-Gesamtdesign eingepaßt werden. Folgende Bildformate werden verwendet:
JPEG / JPG (RGB-Dreifarbenmodus) für Fotos
GIFF / GIF (maximal 256 Farben) für Grafiken
Um dem Nutzer lange Ladezeiten zu ersparen, sollten Bilder grundsätzlich sparsam eingesetzt und jeweils mit speziellen Werkzeugen in ihrer Bitgröße minimiert werden.
c) Farben
Ältere Browser können nur bis zu 256 Farben darstellen. PC und Mac arbeiten allerdings mit unterschiedlichen »Farbpaletten«, von denen nur 216 Farben plattformübergreifend übereinstimmen. Aus diesem Grund sollten für alle Grafiken einer Website maximal 216 Farben verwendet werden (»Safe Color Palette«): Nur dadurch ist eine plattform- und browserübergreifend einheitliche Bilddarstellung gewährleistet.
Internet-Seiten werden in der Seitenbeschreibungssprache HTML (»Hypertext Mark-up Language«) geschrieben, die von Betrachtungsprogrammen, den »Browsern«, »interpretiert« wird. Hintergrund dafür ist, daß das Internet unabhängig vom Betriebssystem (z.B. Windows
XP oder Mac OS) genutzt werden kann.
HTML ist keine Programmiersprache mit Wenn-Dann-Beziehungen und Modulen, sondern eine Kodierungssprache. Die genaue Darstellung einer HTML-Seite hängt auch von der Monitorgröße und -auflösung sowie vom dargestellten Browserfenster ab. Das wesentliche Feature ist neben der Plattformunabhängigkeit die Möglichkeit, Seiten durch Querverweise (»Hyperlinks«) miteinander zu verbinden.
b) HTML-Editoren
Bis etwa Anfang/Mitte 1996 wurden die meisten Websites von Hand in HTML kodiert. Aufgrund des hohen Arbeits- und Zeitaufwands lagen die Herstellkosten mit teilweise mehreren Tausend Mark pro Einzelseite ausnehmend hoch.
Heute, durch die den Markt überschwemmenden »HTML-Editoren«, die ähnlich wie Textverarbeitungssysteme funktionieren und den – trügerischen – Eindruck vermitteln, Webdesign sei ein reines Kinderspiel und ohne jegliche Kenntnisse von HTML von jedermann realisierbar, wird diese Handarbeit immer weiter ersetzt – wenngleich alle derzeit existierenden WYSIWYG-Programme
(»What you See is
What you Get«) relativ schlechten Code generieren.
Der Einsatz von HTML-Editoren hat noch zwei weitere wichtige Vorteile, die trotzige Hardliner der Webdesign-Branche geflissentlich übersehen, wenn sie HTML ausschließlich von Hand kodieren
Verwaltung: HTML-Editoren, in die eine Site-Management-Applikation integriert ist, ermöglichen die schnelle und sichere Verwaltung auch einer großen Website mit Hunderten von Einzelseiten, Grafiken und Programmen; Querverweise werden automatisch richtig gesetzt, wenn Dateien von einem Ordner in einen anderen verschoben werden.
Unabhängigkeit: Nur mit einem relativ leicht zu bedienenden HTML-Editor wird es dem Auftraggeber ermöglicht, die fertige Site nach entsprechender Einweisung eigenständig zu unterhalten; der Designer hat sein Augenmerk darauf zu richten, daß er den Kunden nicht völlig von sich selbst abhängig macht.
c) Typografie
Beim Laden von Internet-Seiten auf den User-Rechner können nur solche Schriften (»Fonts«) dargestellt werden, die auf dem Rechner installiert sind, und dazu nur in sieben Größen. Dadurch wird dem Grundkonzept von HTML entsprochen, Information plattformübergreifend und mit möglichst wenigen »strings attached« anzubieten.
Die Seitenbeschreibungssprache HTML greift deshalb auf den größten gemeinsamen Nenner zurück, nämlich auf Schriften die die meisten Anwender besitzen, das sind als »Default« die Serifenschriften Times New Roman (PC) bzw. Times
(Mac), die serifenlosen Schriften Arial (PC) bzw. Helvetica (Mac) und die »Monotype«-Schriften Courier New (PC) bzw. Courier (Mac).
Unproblematischer sind vereinzelte Schrifteffekte: Um z.B. für Überschriften einen speziellen Schrifttyp zu erzwingen, wandelt man einen mit der gewünschten Schrift erstellten Text (evtl. mit zusätzlichen grafischen Gimmicks) mit einem Bildverarbeitungs-Programm in ein schnelladendes Bild im GIF-Format um, das in die Seite integriert wird.
2. PROGRAMMIERUNG
Hier eine Auswahl typischer Programme, die auf Websites zum Einsatz kommen:
JavaScript-Programme (z.B. Browsererkennung, Laufbanners, sich ändernde Bilder, wenn man mit dem Cursor darübergeht)
Java-Applets (z.B. Animationseffekte, Online-Kalender-, Puzzle- oder Rechenspiele)
Datenbank-Zugriffe (z.B. Einrichtung und Anbindung an
MySQL-, Access- oder FileMaker-Pro-Datenbank mit PHP, Cold Fusion oder Active Server Pages (ASP))
E-Mail-Formulare (CGI-Programme, z.B. in
PHP, Perl, C++ oder Java)
Suchmöglichkeit über die gesamte Website (Einbindung
von Fremdanbietern oder Eigenentwicklung)
Zugriffschutz über Password (Einbindung existierender Software)
Electronic-Commerce-Anwendungen (z.B. Online-Produktverkauf per Shopping-System)
dynamisch generierte Seiten (z.B. automatische HTML-Formatierung einer Datenbanktabelle
mit PHP oder Textanimationseffekte mit JavaScript)
3. FINE-TUNING
a) Ladezeiten
Nicht jeder surft mit einer DSL-Verbindung durch das Netz der Netze. Der Webdesigner muß sich vielmehr auf Modem-Übertragungsgeschwindigkeiten von 28,800 bps einstellen und die Größe pro HTML-Seite entsprechend klein halten. Lange Ladezeiten entstehen v.a. durch zu viele Bildelemente, langwierige Datenbanksuchen und Java-Applets. Angestrebt werden muß der Balanceakt zwischen schneller
Informationsrecherchemöglichkeit und positiver Anmutung. Um die Ladezeiten beim Download einer Grafik zu minimieren, müssen alle Bilder und der gesamte HTML-Code vor der Online-Stellung optimiert werden.
b) »Cross-Platform«-Design
Die beiden wichtigsten Rechnertypen fürs Internet, der Windows-PC und der Apple Macintosh, stellen HTML-Seiten unterschiedlich dar. Bei der technischen Realisierung der Site muß deshalb besonderes Augenmerk auf die Entwicklung einer plattformübergreifenden Site gelegt werden.
Für Websites spielen derzeit vor allem die Systeme
Windows XP, Windows NT, Windows 95/98/2000, Mac OS 7 bis 10 und Unix / Linux eine Rolle. Anders als bei Printpublikationen, bei denen alle visuellen Aspekte des fertigen Produkts genau kontrolliert werden können, ist die Darstellung einer Website ambig. Beispielsweise sieht sie mit Microsofts Internet Explorer
3.0 für Windows 98 (womöglich nur geringfügig) anders aus als unter dem Internet Explorer
4.0 für Mac OS. Bestimmte Designelemente sind browserabhängig nicht darstellbar und/oder liefern unerwartete Resultate. Folgende Aspekte haben direkten Einfluß auf die Darstellung und müssen beim Design in Betracht gezogen werden:
Rechnerplattform
Hersteller und Version des verwendeten Browsers
Hardware (Monitorgröße und -farbe, Peripheriegeräte)
Geschwindigkeit der Internet-Verbindung
Individuelle Browsereinstellungen auf Benutzerseite
c) Browseradaptation
Browser sind, wie gesagt, Programme, die die Seitenbeschreibungssprache HTML von Internet-Seiten interpretieren. Die Seiten werden dabei je nach Browser, Bildschirm- und Browserfenstergröße unterschiedlich umbrochen. Ein für Internetseiten browserübergreifendes einheitliches Layout ist nicht möglich.
Websites sollten vornehmlich auf
den Browser Microsoft Internet Explorer, zum Teil aber auch am Konkurrenten
Firefox abgestimmt werden.
Die gängigen Browser unterscheiden sich mehr oder weniger auffällig, oft aber nur im Detail, bei der Interpretation und Darstellung von HTML-Seiten. Beispielsweise werden Seitenränder, Tabellen, Zeilenabstände und Rahmen unterschiedlich interpretiert. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Entwicklungsarbeit wird deshalb auf solchem browserübergreifenden Fine-Tuning liegen. Wird eine
HTML-Seite mit einem älteren Browser aufgerufen, der einzelne »Tags« (Kodierbefehle) nicht versteht, werden die nicht erkannten/verstandenen Kodierungen bestenfalls nicht dargestellt; bei schlecht programmierten Anwendungen kann es auch zu Fehlermeldungen kommen.
Trotz aller Vorkehrungen gibt es keine Garantie dafür, daß die Site so gesehen wird, wie sie konzipiert wurde. Der User kann seinen Browser nämlich so konfigurieren, daß die HTML-Seiten nach seinem eigenen Geschmack, und nicht nach dem des Designers, interpretiert werden.
4. WEBSITE-PROMOTION
Suchmaschinen sind Recherchierprogramme, mit denen das World Wide Web (WWW) durchforstet werden kann; bekannte Anbieter sind z.B. AltaVista, Excite, Web.de oder Yahoo. Suchmaschinen indizieren Wörter auf Websites und einzelnen Seiten innerhalb der Site
(»Spider Crawling«). Je nach Suchmaschine werden unterschiedliche Teile der Site indiziert, z.B. nur die ersten 250 Wörter einer Seite, verdeckte Schlüsselwörter usw.
Wenn ein Benutzer nach Begriffen sucht, die das Profil der Auftraggeber-Website treffen, sollte die Site unabhängig von der verwendeten Suchmaschine nach Möglichkeit unter den ersten 20 bis 30 Fundstellen liegen. Einmal abgesehen davon, daß man sein Glück nicht erzwingen kann, da Suchmaschinen ihre Algorithmen nicht offenlegen, gibt es durchaus Erfolgsstrategien, unter den ersten
Fundstellen zu landen. Hier die wichtigsten:
Einbindung sogenannter »Meta-Tags«, das sind versteckte (d.h. nur im Sourcecode einsehbare) Schlüsselwörter (»Keywords«) und Beschreibungen (»Descriptions«), die das Profil des Unternehmens genau treffen. Man sollte nicht zu viele Begriffe verwenden, da einige Suchmaschinen diese Meta-Tags oder auch die gesamte Site nach dem Motto »gleiches Recht für alle, nicht mehr Recht für manche« ignorieren, wenn eine
bestimmte Anzahl überschritten wird. Daher ist es wichtig, sich möglichst wenige, genau kennzeichnende Begriffe zu überlegen.
Anmeldung bei den wichtigsten Suchmaschinen (etwa 50 Stück); Anmeldung auch aller einzelner Seiten innerhalb der Website. Diese Anmeldung sollte alle paar Monate wiederholt werden.
Wie auch bei Printdesignaufträgen oder bei Software-Programmierprojekten sollten für den Auftraggeber nach Beendigung der Projektzusammenarbeit die wesentlichen Inhalte, Designkonzepte und -richtlinien sowie die eingesetzten Werkzeuge schriftlich in einem »Fact Sheet« dokumentiert werden; wesentlicher Hintergrund dafür ist, daß der Auftraggeber spätere Ergänzungen und Erweiterungen gegebenenfalls mit einem
anderen Partner realisieren kann.
Dazu gehören bei Webdesignprojekten eine relativ detaillierte Auflistung der realisierten Arbeitsschritte (Konzept), eine Spezifikation über implementiertes grafisches Design (Visual Basics, Bilder, Schriften), HTML-Kodierung (HTML-Sprachversion, eingesetzte HTML-Editoren und Site-Managers) und Programmerstellung (JavaScript, Java-Applets, CGI-Programme u.a.).
Die einzelnen Schritte müssen
dabei nicht bis ins Letzte ausgearbeitet sein (»Künstlergeheimnis«), aber immerhin eine Fremdergänzung / -fortführung der Website ermöglichen.
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