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Art:
Elisabeth
Mann Borgese: ein Nachruf
Die
Wellenreiterin
||| Oliver Weiss
2002 ist Elisabeth Mann Borgese mit 83 Jahren gestorben. Wenn man eine Tochter von Thomas Mann ist, kann man natürlich nicht richtig aus seiner Haut. Aber sie ging ihren eigenen,
wissenschaftlichen, Weg, der mit der Liebe ihres Lebens zu tun hatte: dem Meer. |
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Elisabeth Mann Borgese is Dead: The renowned expert in maritime law,
a daughter of the late Thomas Mann, has died. |
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Elisabeth Mann Borgese
(Foto: International Ocean Institute) |
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F |
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ür Februar hatte sie
mir zehn Tage vor Weihnachten einen LEGAmedia- Beitrag für die Reihe "Erklär mir das Recht"
zugesagt gehabt: "Was ist eigentlich... Seerecht?" sollte der Text
überschrieben werden -
ein ungewöhnliches Rechtsgebiet, geschrieben von der international anerkannten
und vielfach ausgezeichneten Professorin für Seerecht, Elisabeth
Mann Borgese.
Advocate
of the Sea
Elisabeth Mann Borgese
studierte Klavier, bevor sie sich Jahre später auf Politikwissenschaften und
Recht verlegte. Sie lebte in Deutschland, Italien und den USA, wo sie im Alter
von 20 Jahren den viel älteren italienischen Historiker und Schriftsteller
Giuseppe Antonio Borgese, heiratete, einen leidenschaftlichen Antifaschisten. Vor einem Vierteljahrhundert
ließ sie sich im kanadischen Halifax nieder, wo sie an der Dalhousie University im
Centre for Foreign Policy Studies
bis zuletzt Kurse zu political
science und law hielt.
Als Anwältin für das Meer verstand sich Elisabeth Mann Borgese, die das International Ocean
Institute of Canada (IOC) gründete und ihm bis zuletzt vorstand. Das
IOI ist eine privat getragene Organisation zur Erhaltung der Meere. Es war das
erste von heute über 20 in der ganzen Welt verstreuten Meeresinstituten - letztes Jahr auch in Deutschland.
1970 organisierte Elisabeth Mann Borgese die erste "International Law of the Sea"-Konferenz
namens "Pacem in Maribus" (Friede dem Meer), der noch zahllose folgten. Später war sie das
einzige weibliche Gründungsmitglied des Club of Rome.
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"I've
always looked at the sea as a laboratory for the
making of a new world order."
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"I've always looked at the sea as a laboratory for the
making of a new world order," wird Elisabeth Mann Borgese zitiert. "We are striving to
create a better social system for the world." Ihr Fach, das Seerecht
(Law of the Sea), ist
ein international ausgerichtetes Rechtsgebiet, das sich mit Verwaltungsfragen von
Meer, Küste und Umwelt auseinandersetzt.
In die Fußstapfen des
Vaters stapfte Elisabeth Mann Borgese nur gelegentlich - sie schrieb einige Romane,
ein Kinderbuch und ein Theaterstück. In ihren Papers und Essays argumentierte sie,
daß man vom Meer schon allein deshalb viel lernen kann, weil es uns so
ähnlich ist: "Über zwei Drittel von uns ist Wasser und Salz, in den Tränen
zum Beispiel. Wir sind dem Meer schon sehr verwandt."
In Halifax in der Provinz
Nova Scotia an der Ostküste Kanadas lebte Elisabeth Mann Borgese bis zuletzt,
in einem Holzhaus direkt an der Küste. Wer so nahe am Wasser wohnt, muß das
Meer lieben.
Advocate
of the Sea
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Cover des Buchs "Elisabeth Mann
Borgese. Ein Lebensportrait." von Kerstin Holzer (Kindler Verlag, München,
2001)
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Einem größeren Publikum bekannt wurde Elisabeth
Mann Borgese erst im letzten Jahr durch
Heinrich Breloers Dokumentar-Drama "Die Manns - Ein Jahrhundertroman",
das als Mischung aus Interviews, Archivmaterial
und Spielszenen im ARD und auf Arte lief. Zu erste Mal erzählte die (wie
kolportiert wird:) Lieblingstochter des Nobelpreisträgers über ihre
Erinnerungen an den "großen Zauberer". Vor dem Hintergrund der
politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts erzählt
der Dreiteiler die Geschichte der Familie Thomas Manns, schon zu Lebzeiten
eine der populärsten deutschen Künstlerfamilien. Sechzig Zeitzeugen wurden
in zwei Jahren für das Mammutprojekt interviewt; allein 20 Stunden mit Thomas Manns
Lieblingstochter Elisabeth kamen dabei zusammen. Sie leitet die Trilogie
als Haupterzählerin. Und das, wo sie sich fast ihr
gesamtes Leben lang so gut wie nie über ihren Vater geäußert hatte - ganz anders als ihre Schwester Monika oder,
in noch viel stärkerem Umfang, ihr Bruder Golo. Für
die nachgestellten Filmszenen wurde auf dem Münchner Bavaria-Gelände die Villa nachgebaut, die Thomas Mann und
seine Familie in der Poschingerstraße bewohnten.
Es sei "gespenstisch", meinte Elisabeth Mann Borgese in einer Folge, nachdem sie durch das
nachgebaute Haus lief, zu wissen, daß man der
einzige sei, der noch befragt werden könne, wie es damals war.
Jetzt
kann man sie nicht fragen: Am 8. Februar starb die jüngste Tochter Thomas Manns
während eines Skiurlaubs in St. Moritz. 83 Jahre wurde sie alt. [2002]

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