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Hiram
Mendow starb in Kalifornien
Als Roosevelt die
Prohibition
verhängte,
schrieb er ein Buch über Wein
||| Oliver Weiss
Bis vor
fünf Jahren hatte er noch als Anwalt gearbeitet:
Hiram Z. Mendow, der am 11. Mai im Alter von unglaublichen 107 Jahren nahe
San Diego gestorben ist. Zwar hatte er in den dreißiger Jahren auch Al Capone
verteidigt - aber sein Herz schlug mehr für die kleinen, alltäglichen
Ungerechtigkeiten. |
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| Hiram
Mendow Dies at 107: The lawyer led an unusual life. He worked
until five years to his death. When Roosevelt announced the
prohibition, he wrote a book on how to make wine at home. At 100, he
took on a course in creative writing. |
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he Kid" nannte ihn Al Capone
anerkennend, als Hiram Mendow ihn 1929 als junger Anwalt verteidigte - nachdem
Capone mit einem "concealed .38-caliber revolver" aufgegriffen
worden war.
(Es wäre vermutlich kein Problem gewesen, hätte er seine gun einfach
offen getragen; das ist genau wie beim Bier in braunen Papiertüten, nur
andersherum.) Capone bekam ein Jahr Gefängnis.
Nicht
zum Mittagessen
"Retire?", meinte seine Frau Josephine, die 1995 mit 98 Jahren starb,
zu seinem hundertsten Geburtstag 1993: "I married him for better or for
worse, but not for lunch." Also blieb ihm nichts anderes übrig
als weiterzumachen: 80 Jahre lang arbeitete Hiram Z. "Judge" Mendow
als Anwalt. 1893 als Sohn eines
rumänischen Trödlers in Minneapolis geboren, wo er die ersten hundert Jahre
seines Lebens verbrachte, verkaufte Mendow Zeitungen und polierte Schuhe auf der
Straße, seit er laufen konnte. 1915 verließ er die University of Minnesota
School of Law mit seinem Abschluß. Nachdem er für kurze Zeit als municipal court judge
gearbeitet hatte, wurde er bis ans Lebensende "Judge" genannt ("A judge is just a lawyer who knows a governor"). Verteidigung
statt Gefängnis
Vor allem alltägliche Streitfälle prägten Mendows Karriere.
Nach seiner Erfahrung als Richter war ihm klar geworden, daß
er lieber Leute in Schwierigkeiten verteidigen wollte, als sie ins Gefängnis
zu schicken; erst später, als 90-jähriger, verlegte er sich auf ruhigere
Fälle in Familiensachen und Grundstücksangelegenheiten.
Seine
spektakulärsten cases als criminal defense attorney hatte Mendow in
den frühen dreißiger Jahren, als er Al Capone und Konsorten vor Gericht
verteidigte.
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Seine
spektakulärsten Fälle hatte Hiram Mendow in den dreißiger Jahren, als er Al
Capone vor Gericht verteidigte. |
Aber auch der Fall von 1935 erregte
Aufsehen, als sein Mandant, ein American Indian, des Mordes bei
einem Aufruhr in Minneapolis angeklagt war: Die Zeitschrift TIME hatte ihn ihrem
Cover abgebildet gehabt, wie er mit einem Baseballschläger auf ein wehrloses
Opfer eingeschlagen hatte.
Nicht nur, daß Mendow gegenüber dem Gericht den
vermeintlich Getöteten ohne Blessuren vorweisen konnte, er verklagte die
Zeitschrift TIME auch auf Schadensersatz - und gewann. Neben
seiner Passion, dem Recht, verfolgte Mendow aber auch noch andere Interessen. So
coachte er etwa nebenher High-School-Kids in Football und Basketball und war
auch sonst engagiert in seiner Gemeinde. Zur Zeit der Prohibition schrieb er das
Buch "How to Make Wine at Home". Erst
vor ein paar Jahren zog Mendow in ein Altersheim nach San Diego, nahe seiner
Tochter. Damit ihm dort nicht langweilig wurde, besuchte er dort Konzerte und
Filme und einen Kurs über
"Creative Writing". Wie
hielt er sein Leben gesundheitlich durch? Natürlich, was man immer von solch
alten Leuten hört: Alles essen, was ihm Spaß machte: Keinen Sport, nachdem er
35 geworden war ("I realized it was just for kids"). Regelmäßige
Gläser Wein und Zigaretten bis in seine siebziger Jahre hinein.
[2001]
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