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"Es war ein ganz besonderes
Privileg, im WTC zu arbeiten." – Susanna Fuchsbrunner in ihrem neuen Büro
bei Thacher Proffitt & Wood in New York.
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er 11. September 2001: Wie hatte
Ihr Tag angefangen?
Susanna
Fuchsbrunner: Es war ein wunderbarer Spätsommertag. Ich hatte bereits mit
meinen Mandanten aus Deutschland telefonisch mehrerer Projekte von zu Hause
aus besprochen.
Wo waren Sie, als der zweite Turm
getroffen wurde?
Ich war zu diesem Zeitpunkt noch zu Hause. Ich habe den Einschlag in Tower Nr.
1 gegen 8.45 Uhr am Fernsehen gesehen. Ich habe sofort meine Familie verständigt
und ihnen mitgeteilt, dass es mir gut geht.
Und ihre Kollegen?
Der Einschlag im WTC 2 hat zu einer derartigen Erschütterung des Towers geführt,
dass selbst in den unteren Stockwerken die Wände brachen und sich die
Deckenverkleidung löste.
Kollegen, die sich noch im Büro
befanden, sind über die Treppenausgänge geflüchtet. Eine
Lautsprecherdurchsage von der Port Authority nach dem Anschlag auf WTC 1 hatte
zunächst zu einer Verzögerung geführt. Vor dem Anschlag auf WTC 2, wurden
alle Leute in WTC 2 zunächst aufgefordert, in ihren Büros zu bleiben oder
dahin zurückzukehren - eine Durchsage mit tödlichen Folgen für Leute aus
den oberen Stockwerken.
Wie ging der Tag für Sie und
Ihre Kollegen weiter?
Ich fuhr gegen 9.15 Uhr - nach dem Anschlag auf Tower 2 - Richtung Downtown,
da ich nicht glauben konnte, was ich am Fernsehen sah. Ich habe dann erst das
ganze Unglück - einschließlich des Zusammensturzes - live miterlebt.
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Wäre
der Anschlag eine Stunde später passiert,
hätten wir mit Sicherheit das Zehnfache an Todesfällen zu betrauern.
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Die Büroräume von Thacher
Proffitt & Wood im 38., 39. und 40. Stock wurden völlig zerstört. Glücklicherweise
haben alle Mitarbeiter Ihrer Kanzlei überlebt - wie war das möglich?
Es befanden sich nur sehr wenige Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt in den
Kanzleiräumlichkeiten. Die Tatsache, dass diese Anschläge relativ früh
passierten, war das Glück an der ganzen Sache. Zu dieser Zeit befanden sich
überhaupt nur sehr wenige Leute in den Towers.
Die meisten Leute haben im WTC erst
gegen 9.30 Uhr zu arbeiten begonnen. Wäre der Anschlag eine Stunde später
passiert, hätten wir mit Sicherheit das Zehnfache an Todesfällen zu
betrauern. Die Fluchtwege wären dann nicht so leicht passierbar gewesen.
Noch am Tag des Anschlags war
unter thacherproffitt.com nur noch eine einzige Seite aufzurufen, in der über
die aktuelle Lage berichtet wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde ein
Namensverzeichnis veröffentlicht, in dem sich die Mitarbeiter der Kanzlei mit
ihren Daten eintragen konnten, wo sie zu erreichen waren. Damit hatte man
schnell einen Überblick darüber, wer überlebt hatte. Wie ging die interne
Koordination für diese schnelle Reaktion vor sich?
Die interne Koordination war vorbildhaft. Sie fand über unser Büro in White
Plains statt. Jeder Partner hat im wesentlichen die Mitarbeiter seines Teams
kontaktiert, wodurch sehr schnell sichergestellt werden konnte, dass alle überlebt
hatten.
Wie geht es Ihnen heute, fast ein
halbes Jahr danach? Können Sie wieder ruhig schlafen?
Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Die Monate danach waren sehr
anstrengend, da es galt, "Wiederaufbau" zu leisten.
Haben Sie seither wieder einen
Blick auf Ground Zero geworfen?
Ich war bereits mehrmals beim Ground Zero - das erste Mal etwa zwei Wochen
nach dem Anschlag. Es war einfach furchtbar, die zusammengestürzten und
verbrannten Gebäude mit eigenen Augen zu sehen - von dem schrecklichen
Gestank ganz zu schweigen.
Wie geht es Ihren Kollegen?
Die meisten haben den Anschlag psychisch gut überstanden. Lediglich einzelne
hatte der Anschlag so mitgenommen, daß sie sich außerstande sehen, ins Büro
zurückzukehren.
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"Theoretisch
können derartige oder ähnliche Vorfälle überall passieren." –
Diese Adresse gibt es nicht mehr: Two World Trade Center.
Detailansicht des Briefpapiers der Kanzlei.
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Ihre Kanzlei befindet sich jetzt
in der West 42nd Street. Ich erinnere mich an den unglaublichen Ausblick auf
New Jersey von Ihrem Büro aus im Sommer 2001, drei Monate vor dem Anschlag.
Die beiden Türme des WTC waren ja enorm hoch. Was vermissen Sie an Ihrem
alten Arbeitsplatz?
Ich vermisse eigentlich alles. Es war ein ganz besonderes Privileg, im WTC zu
arbeiten. Der schöne Ausblick auf den Hudson River und die Freiheitsstatue
sind da nur Teil davon.
Hatten Sie jemals mit einem
solchen Anschlag gerechnet?
Nein. Kollegen, die den Anschlag von 1993 miterlebt hatten, haben mehrfach
betont, wie sicher es seitdem im WTC sei. Einer meinte sogar, es sei der
"safest place in the world to work ".
Wurde Ihnen die Lust auf New York
oder die USA dadurch verleidet?
Nein. Seien wir doch ehrlich, rein theoretisch können derartige oder ähnliche
Vorfälle überall passieren.
Die Diskussion ist zur Zeit in
vollem Gange, was an Ground Zero geschehen soll, wenn die Trümmer beseitigt
sind: ein Mahnmal oder ein neues World Trade Center - oder beides. Wofür wären
Sie?
Ich könnte mir vorstellen, dass wohl eine Lösung, die beides verbindet, am
sinnvollsten wäre. Ein "neues" WTC wird es aber nie geben können,
da es einfach einmalig war.
Würden Sie jemals wieder in
einem Hochhaus mit über 100 Stockwerken arbeiten wollen?
Ich hätte damit kein Problem. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering, da
es kaum so hohe Gebäude gibt.
[2001]
