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> Ein New Yorker verirrt sich nicht nach Solingen
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Recht:
Von der BRAK bis zu "Die Kanzlei"
Ein New
Yorker verirrt sich nicht nach Solingen
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Uwe Scherf im Interview mit Oliver Weiss
Welche
Rolle spielt das Internet heute in Kanzleien? Warum sprechen Juristen
so wie sie es tun? Wie wird man Chefredakteur einer Zeitschrift für
Juristen? - Von Schnupperstunden, Internet-Freaks und Juristendeutsch:
Oliver Weiss sprach mit Uwe Scherf, Chefredakteur der Zeitschrift
"Die Kanzlei". |
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| Interview
with Uwe Scherf: We talk about his two-folded careers as a lawyer
and a journalist. |
| W |
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"Anwälte könnten das Internet
noch aktiver in ihre Arbeit einbinden." – Uwe Scherf, Chefredakteur von
Die Kanzlei
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ie wird man Chefredakteur einer
Zeitschrift für Anwälte? Wie sind Sie es geworden?
Uwe Scherf: Es gibt wohl eine kumulierte Grundvoraussetzung: der Spaß an
Recht und Schreibe. Als Student habe ich erste Schnupperstunden in der
Redaktion der Rheinischen Post/Solinger Morgenpost genommen. Auch wenn sich
meine Anfangsberichte mit Schützen, Kaninchenzüchtern und Schulfesten
befassten, habe ich nie die Freude am Schreiben verloren.
Damals erhielt ich die Zusage, ich könne sofort nach meinem zweiten
Staatsexamen anfangen. Volljuristen mit einer "natürlichen"
Schreibe waren begehrt. Das bessere Angebot erhielt ich dann von der
Westdeutschen Zeitung, die mir einen äußerst attraktiven Vertrag zugeschickt
hatte.
Gleichwohl habe ich diesen nicht unterschrieben, nachdem ich in einer großen
juristischen Zeitschrift gelesen hatte, dass bei der Bundesrechtsanwalts-
kammer
(BRAK) ein Pressereferent gesucht werde, der neben einem zweiten juristischen
Staatsexamen auch Zeitungserfahrung hat. Ich habe die Stelle in Bonn bekommen.
Von
der BRAK bis zur "Kanzlei"
Wie ging das weiter?
In
den Diensten der BRAK habe ich mich anfänglich ausschließlich um die
Pressearbeit gekümmert und das Mitteilungsblatt "gemacht", und das
mit viel Engagement. Ein Jahr nach meiner Anstellung wurde ich Geschäftsführer
der Bundesrechtsanwaltskammer. Die BRAK-Mitteilungen habe ich als
Schriftleiter schweren Herzens aufgegeben, als die Kammer ihren Sitz nach
Berlin verlagerte. Als Solinger wollte ich die Wupper nicht gegen die Spree
tauschen.
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Als Solinger wollte ich die Wupper nicht gegen die Spree tauschen.
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Als sich der Umzug der Kammer
abzeichnete, kam ein Ruf des Hermann-Luchterhand-Verlags genau zur rechten
Zeit. Ich wurde damit betraut, eine neue Zeitschrift, die sich mit dem
Kanzleimanagement beschäftigen sollte, zu gründen.
Wir haben es geschafft, mit der
Zeitschrift "Die Kanzlei" ein Blatt herauszubringen, das sich zu den
Vorreitern in diesem Bereich rechnen darf. Die erste Ausgabe gab es im
November 1999. Im Mai dieses Jahres haben wir ein neues Layout entwickelt, das
den zeitlichen Bedürfnissen, aber auch den sich permanent ändernden
Anforderungen gerecht wird.
Meine Veröffentlichungen in den
verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften haben es mir wohl leicht gemacht,
auch in einem neuen Bereich Fuß zu fassen. Sicherlich haben mir auch die
vielen, vielen Kontakte, die ich durch meine Tätigkeit bei der BRAK bekommen
habe, den Einstieg erleichtert.
Wie schätzen Sie das ein: Nutzen
Juristen das Internet mittlerweile effizient?
Diese Frage zu bejahen, hieße einen Stillstand zu fördern. Ich muss mit
einem klaren Nein antworten. Sicherlich hat sich das Recherche- und
Kommunikationsverhalten der Kollegen verändert. Sicherlich sind auch die
Werbeaktivitäten auf das Internet teilweise übergeschwappt. Viele meiner
Kollegen haben erkannt, dass das Internet eher Freund denn Feind ist. Aus der
Hand voll Unverdrossener ist mittlerweile eine große Schar von
"Freaks" geworden, die nicht das Hacking an sich, sondern die Art
der Ausnutzung dieses Mediums interessiert.
Recherche
und Kommunikation
Den Anfang machte - meines Erachtens
unbestritten - juris in der Welt der deutschen juristischen Datenbanken. Auch
heute noch möchte ich die Datenbanken aus Saarbrücken und die in ihr
schlummernden Wissensinhalte und vor allen Dingen ihre leichte
Recherchierbarkeit nicht missen.
Anwälte könnten aber noch mehr,
noch aktiver das Internet in ihre Arbeit einbinden. Darüber ließen sich
sicher Bücher schreiben. Lassen Sie mich nur wenige Schlagwörter nennen: Das
Angebot von ALexIS u.a. mit Handelsregister und Registerabfragen unter www.alexis.de,
die Informationsvielfalt von FORIS (unter anderem der teils kostenpflichtige,
teils kostenfrei angebotene Vertragsmusterkatalog) unter www.foris.de,
die Umzugsdatenbank (www.umzugsdatenbank.de),
die Verlagsportale, die Informationen der Ministerien, die kostenfreien
Gesetzesdatenbanken und und und...
Ein anderer wichtiger Bereich,
vielleicht der wichtigste, ist die E-Mail-Kommunikation, die mehr genutzt wird
als das Internet. Auch dieser Bereich wird wachsen, gewaltig sogar. Nicht
zuletzt durch die neuen Errungenschaften der Digitalen Signatur und die
Verschlüsselungstechnologie sind diese technischen Mittel auch für Anwälte
und ihre Verschwiegenheitspflicht in Kürze in jeder Kanzlei beheimatet.
Brauchen
Anwälte Web-Auftritte?
Finden Sie Kanzlei-Websites
sinnvoll, oder sollte man so etwas lieber bleiben lassen? Denken Sie, der
Break-even-Point des messbaren Erfolgs bei einer Großkanzlei, die Mitte 2000
mit viel Geld online gegangen ist, wurde bis heute erreicht?
Ich glaube nicht, dass hier "aufgerechnet" werden kann. Eine Website
kann den Umsatz erhöhen - aber dieses "kann" ist bestimmt nicht
messbar, weil zum Auftritt im Web auch andere Details kommen, die gemeinsam in
eine Waagschale geworfen werden müssen.
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Ich habe meine eigene Website nicht auf Deutsch, Englisch und
Französisch, sondern teilweise in der Mundart meines Heimatortes
Solingen.
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Damit will ich keinesfalls gegen die
Web-Präsenzen reden. Es zeichnet eine Kanzlei aus, wenn sich Ihre Anwälte im
Netz der Netze vorstellen. Aber keine Dorf-Kanzlei wird das große
internationale Mandat aus dem Web "ernten". Die Präsentation ist
weltweit abrufbar, aber angesprochen werden nur die potenziellen Mandanten aus
dem heimatlichen Sprengel, allenfalls noch die, die besondere, konzentrierte
Fachinformationen für bestimmte Rechtsgebiete erfahren.
Ich habe mir dieses für meine
eigene Website vorgenommen und entgegen dem allgemeinen Gebrauch meine Seiten
nicht auf Deutsch, Englisch und Französisch, sondern einen Teil der
Informationen in der Mundart meines Heimatortes Solingen eingestellt. Der
Solinger, der das liest, fühlt sich möglicherweise angesprochen, der New
Yorker würde sich ohnehin nicht nach Solingen verirren.
Aber: Nur gute Websites sprechen
auch an. Wer sich die Mühe macht, die Websites der Kollegen anzuschauen, wird
manches Interessante, aber manches Kuriose entdecken. Es ist aber nicht der
Ort, um die Kollegen bloßzustellen. Jeder möge selbst in die Suchmaschinen
"Rechtsanwalt" eingeben und sich überraschen lassen. Auch ich bin
mit meinen Seiten noch auf Entdeckungsreise.
Marketing
& richtig sprechen
Marketing ist ja immer ein
heikles Thema bei Juristen. Rufen oft Leute in der Redaktion an, die Sie um
Hilfe fragen, wie sie ihren Laden schmeißen sollen? Wie kann ein externer
Marketing-Experte einer Kanzlei behilflich sein?
Die Kollegen rufen nicht häufig an, um mich nach Hilfe zu fragen. Ich wäre
auch nicht der berufene Mann, Management-Hinweise zu geben. Von meinen Autoren
höre ich aber immer wieder, dass auf Grund ihrer Ausführungen interessante
Kontakte zu den Rat suchenden Anwälten zu Stande gekommen sind.
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Von meinen
Autoren höre ich immer wieder, dass interessante Kontakte zu den Rat
suchenden Anwälten zu Stande gekommen sind.
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Im Januar 2001 habe ich einen
Beitrag über den Unternehmensberater Michael Germ aus Duisburg, der sich auf
Anwaltskanzleien und Notariate konzentriert, veröffentlicht. Ich hatte ihn
bei einem seiner Praxischecks begleitet. Diese gewonnenen Erkenntnisse habe
ich in dem Beitrag dargelegt. Solche Berater bringen - selbstredend - viel
mehr Lösungsmöglichkeiten, als sie ein Chefredakteur jemals, der in manchen
Bereichen nur Teilwissen vorweisen kann, geben könnte.
Viele Juristen haben einen Hang
zum "Juristendeutsch" und können im Privatleben oft nicht
abschalten. Was können Sie denen raten?
Auch hier darf ich wieder auf meine Zeitschrift "Die Kanzlei" zurückkommen.
"Schwulst vermeiden und kurze, präzise Sätze finden". Das hat
Rechtsanwalt Michael Schmuck aus Berlin geraten. Schmuck ist - wie ich -
Anwalt und Journalist. Seine Erfahrungen gibt er auch an der Henri Nannen
Schule weiter. Seine Aussage stimmt - und das gilt nicht nur für
Rechtsjournalisten. Es ist leichter für unsere Mandanten und alle anderen,
wenn wir kurze Sätze formulieren und nicht fabulieren.
Das Abschaltenkönnen im Sinne von
"Ruhe haben" ist ein sehr komplexer Bereich. Es wäre unseriös,
wenn ich hier Tips geben würde. Das wären Tips vom Hören-Sagen, die ich
selbst entweder nicht beherrschen will oder kann. Ich wäre froh, wenn ich
schreiben könnte, wie der Anwalt dieses Thema behandeln sollte. Vielleicht
stellen Sie diese Frage dem Kollegen, der sich nach mir Ihren Fragen stellt.
Hier muss ich leider passen.
[2002]
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