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> 11. September – ein Jahr später (1/3)
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Terror:
11. September 11 ein Jahr später
Schockiert. Stolz.
Das Leben geht weiter (I)
||| Oliver Weiss
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I T D E M T E R R O R U M G E H E N
S T A T E M E N T S Z U 9 - 1 1 |
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Edward I Koch
Rechtsanwalt und früherer Bürgermeister von New York
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Wir
haben die
Prüfung bestanden
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m 11. September 2001, kurz nach 9 Uhr, platzte meine Sekretärin Mary
Garrigan in mein Büro und sagte: "Ich habe gerade gehört, daß ein
kleines Flugzeug ins World Trade Center gerast ist. Dürfen wir Ihren Fernseher
anschalten?"
Als ich ihn anmachte, kam kein Bild. Offensichtlich war die
Übertragungsantenne auf dem Turm zerstört worden. Nach ein paar Minuten ging
die Übertragung aber wieder, und wir
sahen auf dem Bildschirm, wie der Nordturm in Flammen stand, und wir erfuhren, daß das alles
kein Unfall sei, sondern ein Terrorangriff auf New York und andere
Teile des Landes. Wir hörten auch, daß Präsident Bush auf Anordnung der
Geheimdienste durch die Air Force One evakuiert worden war, um ihn vor weiteren
Angriffen zu schützen. Kurz danach schlug eine zweite Maschine in den Südturm.
Gegen 10.30 Uhr waren beide Türe in sich zusammengestürzt.
Ich bin der einzige auf meiner Etage, der einen Fernseher besitzt, und bis zu diesem
Zeitpunkt hatte sich mein Büro längst mit Mitarbeiter der Kanzlei gefüllt Partner,
Sozien, Angestellte und Sekretärinnen; und viele weinten. Auch ich merkte, wie
mir die Tränen herunterliefen, als ich an die Hunderten von Toten dachte, die
wir hier sicherlich zu beklagen hätten. Ich dachte an den Bombenanschlag von 1993, bei
dem sechs Menschen starben und über 1000 verletzt wurden. Aber was jetzt
geschehen war, war ganz offensichtlich eine völlig neue Dimension. Wir blieben noch
eine Stunde am Bildschirm kleben, bevor alle wieder an ihre Arbeit zurückgingen. Der Fernseher blieb den ganzen Tag lang eingeschaltet, und
auch ich
widmete
mich wieder meiner Arbeit, während ich weiter auf dem laufenden blieb.
Neben der Zerstörung des World Trade Centers gibt es noch ein anders Bild,
das sich in mein Gehirn eingebrannt hat, nämlich das von Bürgermeister Rudy Giuliani,
wie er auf der West Street Richtung Norden entlanggeht. Es wurde live übertragen, wie
er den Leuten auf der Straße zurief, "Kommt mit uns!" Hinter seinem
Rücken türmten sich riesige Staubwolken auf wie wir heute wissen,
waren das Wolken aus zermalmtem Stahl, Beton, Fleisch und Knochen. Das Ganze sah
aus wie eine Szene aus dem japanischen Horrostreifen “Godzilla” oder Dantes “Inferno”.
Am nächsten Tag schaute ich beim St. Vincent’s Hospital
vorbei, das bei mir um die Ecke in Greenwich Village liegt. Ärzte,
Krankenschwestern und Sanitäter warteten außerhalb des Gebäudes auf Patienten,
aber niemand kam. Heute wissen wir, warum. Nahezu 3000 Männer,
Frauen und Kinder wurden getötet New Yorker, Amerikaner und Ausländer aller
Rassen, Völker und Religionen.
Nicht nur Präsident Bush allein, sondern Amerikaner aus dem ganzen Land
zogen ihren Hut vor der Art, wie die New Yorker auf die Katastrophe reagierten.
Ihr Mut und ihre Entschlossenheit
erfüllte alle mit Stolz. In den Tagen nach den Angriffen waren sich New York
und Amerika darüber einig, daß sich unser Land niemals vom Terrorismus würde
einschüchtern lassen. Die Feststellung des Präsidenten: "Entweder
seid ihr auf unserer Seite, oder ihr seid auf der Seite der Terroristen” solidarisierte
das gesamte Land und unsere Freunde in der Welt.
Am 11. September wurden die New Yorker und ganz Amerika auf eine Prüfung
gestellt. Wir haben die Prüfung bestanden.
Ed Koch war von 1978 bis 1989 drei
Amtsperioden lang Bürgermeister von New York. Heute ist er neben seiner
anwaltlichen Tätigkeit Kolumnist bei Zeitungen, Radio- und Fernsehkommentator
und Filmkritiker. Ed Koch ist Adjunct Professor am College of Arts and Science
der New York University. Von 1997 bis 1999 war er der Richter in der populären
Fernsehserie "The People’s Court".
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Dem
Unheil aus
dem Weg gehen
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September. Das Datum genügt, man muß noch
nicht einmal das Jahr hinzusetzen. So wie beim "D-Day" weiß
jeder sofort, welches Jahr gemeint ist und wird es wohl nie vergessen.
Der 11. September ist der Tag, an dem Amerika das verlor, was auch immer von seiner
Unschuld übrig geblieben sein mag. Ein Akt des Teufels hatte schlußendlich amerikanischen Boden erreicht, und wir mußten erkennen, daß
es keinen Ort auf der Welt gibt, der völlig sicher ist.
Nur wenige Tage zuvor, am 5. September 2001, wurde mein Sohn Jaden geboren.
Es wird
Jahre dauern, bis er erkennt, in welchen Zeiten der Umwälzung er auf die
Welt gekommen ist. Wie die meisten Eltern wollen Ashley und ich nichts
weiter, als unseren Sohn vor Bösem zu bewahren. Am 11. September jedoch war
es Jaden, der mich vor Bösem bewahrte.
Ich hatte meinen alten Job bei einer
Kanzlei an den Nagel gehängt, um mich ganz auf Schreiben zu konzentieren. Mein erstes Buch "Manhattan on
Film" kam im Frühjahr 2000 heraus, und ich steckte gerade an der
Arbeit zum
zweiten
Band, als Jaden auf die Welt kam.
Da mir mein Verleger mit einem Abgabetermin
für mein Buch in den Ohren lag, hatte ich ursprünglich den 11. September dazu auserkoren gehabt,
Locations für mein Buch auszukundschaften. Wäre alles gelaufen wie
geplant, hätte ich um 6 Uhr morgens das Haus verlassen
gehabt und mich um etwa dieselbe Zeit, als das erste
Flugzeug einschlug, in der Nähe des World Trade Centers aufgehalten.
Aber Jaden, der die Welt gerade
eben erst kennengelernt hatte, war zu aufgekratzt gewesen, um zu schlafen. Tatsächlich hatte
er Ashley und mich die ganze Nacht wachgehalten. Um 6 Uhr fühlte ich
mich, als hätte mich ein Lastwagen überfahren, und so entschloß ich
mich, den geplanten Ausflug auf einen anderen Tag zu verschieben. Wegen
Jaden war ich zwar müde aber dafür zuhause und in Sicherheit an
diesem Morgen des 11. Septembers, statt downtown, wie ursprünglich geplant. Obwohl er nur
sechs Tage alt war, hatte mich mein Sohn beschützt.
Für viele Menschen, selbst solche, deren
Leben nicht unmittelbar und auf tragische Art und Weise durch die
Ereignisse vom 11. September beeinflußt war, veränderte sich das Leben
im Laufschritt. Mittlerweile ist also ein Jahr vergangen. Wir haben gerade
Jadens ersten Geburtstag gefeiert in einem Ort am Rande der Stadt, wo
wir inzwischen wohnen. Wir fühlen uns dort sicherer (auch wenn
uns eine Bombendrohung am Bahnhof im ersten Monat nach dem Umzug klar machte, daß kein
Ort der Welt mehr wirklich "sicher" ist).
Ironischerweise kommt pünktlich zum
Jahrestag mein Buch "Manhattan on Film 2" in die
Buchläden. Und ich bin wieder ins Anwaltsleben zurückgekehrt und bei der
Großkanzlei Duane Morris LLP gelandet wieder im Bereich des Öffentlichen Finanzrechts.
In einer Welt, in der es
schwieriger geworden ist, Geborgenheit zu finden als früher, haben wir alle alles darangesetzt,
um wieder ein Stück Normalität in unser Leben einkehren zu lassen.
Ich habe die Freiheit des Autors mit der Sicherheit und Geborgenheit der Kanzleitätigkeit getauscht. Ich habe die Suche nach Straßen und
Gebäuden, die für Filmkulissen verwendet wurden, durch ein Leben im
Bereich der Öffentlichen Finanzen ersetzt, das sich für den Wiederaufbau solcher
Straßen und Gebäude einsetzt.
Das Leben besteht immer aus
Zugeständnissen.
Am sechsten Tag seines Lebens hatte mich Jaden zuhause zurückgehalten und
mich dadurch vor Unheil bewahrt. Im Gegenzug bemühe
ich mich nun um größere Sicherheit und Geborgenheit für meine Familie, um
für uns alle beides wenigstens ein Stück weit wiederherzustellen in Zeiten, in der es
immer schwieriger wird, das eine oder andere zu finden.
Charles D. Katz ist Partner bei Duane Morris LLP in New York. Er arbeitet im
Bereich Öffentliche Finanzen und kümmert sich um die Finanzierung
von Schulen, Krankenhäusern, Flughäfen, Stromwerken u.a. Außderdem hat
er zwei Bücher der Reihe "Manhattan on Film" geschrieben.
Mit nahezu 500 Anwälten bietet Duane Morris die gesamte Palette juristischer Dienstleistungen an. Die Kanzlei hat derzeit 18 Büros in den
Vereinigten Staaten (darunter Philadelphia, New York, Chicago, Washington, San Francisco, Boston, Atlanta, Miami)
und eines in London.
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Wir freuen uns auf
gute Zeiten nach so vielen
schlechten
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ie Ereignisse vom 11. September waren ja schon
für sich genommen schlimm genug; aber dadurch, daß wir Kollegen und Freunde
verloren hatten, kam noch ein ganz persönlicher Aspekt hinzu, der es für uns alle bei Harris Beach noch
erschwerte, damit umzugehen. Unser
New Yorker Büro im 85. Stock des zweiten Turms des World Trade Centers wurde
zerstört, und sechs unserer Kollegen fanden den Tod. Sie waren ein Teil unserer
Familie hier bei Harris Beach, und wir vermissen sie sehr.
Aber obwohl uns die Ereignisse an diesem Tag mit
einer Intensität trafen, die sich nur schwer in Worte fassen läßt, ließen
sich unsere Anwälte und Mitarbeiter in New York nicht entmutigen, sondern
hielten ihre ganze Kraft, Ausdauer und
Entschlossenheit entgegen. Wir haben mittlerweile ein neues Büro in New York und
heute mehr Mandanten als je zuvor, obwohl wir uns lange Zeit mit einer
Zwischenlösung in der Fifth Avenue arrangieren mußten, die
nur halb so groß war wie unser altes Büro im World Trade Center.
Um unserem New Yorker Büro den Rücken
zu stärken, hat Harris Beach vor kurzem neue Räumlichkeiten in der Third Avenue
mitten in Manhattan organisiert, in die wir am 9. September 2002
einziehen. Mit dem neuen Büro können wir wieder ganz von
vorne anfangen und unseren Standort strategisch ausbauen.
Wir alle im New Yorker Standort freuen uns darauf,
die enge Interimslösung endlich hinter uns zu lassen. Trotz aller Schwierigkeiten des vergangenen Jahres blieben
unsere Mandanten nicht nur bei der Stange, sondern bescherten uns sogar noch mehr
Aufträge. Es liegt ein langes Jahr hinter
uns, das viele persönliche und berufliche Herausforderungen für uns alle
bedeutet hat. Aber
die Kanzlei hielt zusammen wie Pech und Schwefel,
und wir freuen uns heute auf gute Zeiten nach so vielen schlechten, die hinter uns
liegen.
Wenn uns dieses vergangene Jahr etwas gelehrt
hat, dann, daß der Zusammenhalt und die Entschlossenheit, weiterzumachen, von allen hier bei Harris
Beach und das betrifft vor allem unsere New
Yorker Kollegen heute stärker denn je ist. Alles in allem sind wir optimistisch
und stolz. Wir haben uns von den Anschlägen erholt; aber 9-11 wird keiner von uns
je vergessen.
Allan Fudim ist Mitglied der Practice Groups Medical & Life Sciences
und Mass Torts & Industry-Wide Litigation bei Harris Beach LLP.
Außerdem ist er Managing Partner des New Yorker Büros. Er ist auf
Pharma- und Medizinrecht sowie Umweltrecht spezialisiert.
Harris Beach LLP gehört zu den 250
größten Kanzleien der USA mit Standorten im Nordosten des Landes:
Albany, Buffalo, Ithaca, New York, Plattsburgh, Rochester, Syracuse, Newark, New
Jersey und Washington.
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Es
war unsere Pflicht, zu tun, was in unserer Macht stand
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uf die Terroranschläge am 11. September
reagierten wir bei Chadbourne genauso wie alle anderen: Wir überlegten uns, wie wir
helfen konnten. Es war unsere Pflicht, zu tun, was in unserer Macht stand als Kanzlei
und als Menschen.
Als wir erfuhren, daß die nur einen Steinwurf
von Ground Zero entfernten Büroräume des New York City Corporation Counsel verwüstet worden waren, rückten wir in unseren Büros in der Innenstadt enger zusammen
und machten Platz für über 100 Anwälte und Mitarbeiter des städtischen Law Department.
Für die folgenden acht Monate stellten wir nicht nur Räumlichkeiten zur
Verfügung, sondern auch Computer, Telefon und anderes Equipment, um unseren Kollegen die Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu ermöglichen.
Bürgermeister Michael R. Bloomberg zeichnete die Kanzlei für ihre Bemühungen
aus, indem er den 17. Mai zum “Chadbourne & Parke Day” erklärte.
Am 26. September 2001 brachten wir
verschiedene New Yorker Kanzleien zusammen, um uns auf ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Die Veranstaltung wurde von der New Yorker
Kammer und Probono.net gesponsort und brachte Repräsentanten aus über
100 Kanzleien und juristischen Dienstleistern zusammen. In den Wochen nach
dem 11. September trafen sich Anwälte von Chadbourne mit Familien
von Opfern auf dem Families Assistance Center, um ihnen bei der
Beschaffung von Sterbeurkunden unter die Arme zu greifen. Einige Anwälte
sprangen auch als Vermittler bei Gehaltsfragen, Mietsachen und
Nachlaßangelegenheiten in die Bresche.
Als weiteres Beispiel unserer
Aktivitäten zum 11. September möchte ich noch das Projekt
"legal clinic" erwähnen, das eine unserer Sozien
organisierte: Diese Rechtsauskunftsbörse für spanischsprechende
Chauffeure und Taxifahrer der New Yorker Taxi Workers Alliance half
jenen, deren Geschäft nach dem 11. September beeinträchtigt war.
Unsere Mitarbeiterin entwickelte auch den Aufnahmefragebogen, der
danach für alle anderen
"clinics" der Anwaltskammer eingesetzt wurde.
Ich bin stolz darauf, wie sich unsere
Anwälte eingebracht haben, indem sie ihre fachliche | | | | |