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INFO > Articles > 11. September – ein Jahr später (3/3)

TEIL 1 | 2 | 3

English
Terror: 11. September 11 – ein Jahr später
Schockiert. Stolz. 
Das Leben geht weiter (III)

||| Oliver Weiss

This article was first published in LEGAmedia, my e-zine and portal for lawyers and entrepreneurs, on September 11, 2002.

Die Welt hat sich am 11. September 2001 verändert, nachdem Terroristen das World Trade Center und Teile des Pentagons zerstörten. Auch New Yorker Kanzleien waren von den Anschlägen betroffen. Oliver Weiss bat den früheren Bürgermeister von New York, Ed Koch, und zwölf Anwälte aus New York um ihre ganz persönlichen Erinnerungen an 9-11.
September 11 – one year after:  Shocked. Proud. Looking Ahead.
The world has changed after September 11, 2001, when terrorists destroyed the World Trade Center and devastated the Pentagon. The legal community in New York was among those affected by the attacks. Oliver Weiss has asked former mayor Ed Koch, and twelve legal professionals in New York City to give us a personal account of their recollections of 9-11.

 

 M I T   D E M   T E R R O R   U M G E H E N  
–  S T A T E M E N T S   Z U   9 - 1 1

S E I T E   1

S E I T E   2

S E I T E   3

Ed Koch · Anwalt, Ex-Bürgermeister von New York
Jim Kreindler · Kreindler & Kreindler
Jamie Levitt
·
Morrison & Foerster
Allan Fudim 
·
Harris Beach
Stephen Dann-
hauser ·
Weil Gotshal & Manges
James D. Carlson 
·
Mayer, Brown, 
Rowe & Maw
Chuck Katz
·
Duane Morris
Gerald Kiel 
·
Reed Smith
Jan Joosten
·
Hughes Hubbard 
& Reed
Charles K. O'Neill 
·
Chadbourne & Parke
Susanna Fuchs-
brunner ·
Thacher Proffit Wood
Elmar Giumella 
·
Experte für Luftverkehrsrecht

9

David Gordon · Latham & Watkins
11

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Jamie Levitt
Morrison & Foerster, New York
jlevitt@mofo.com, www.mofo.com

Ratgeber für Rechtsfragen

A

ls Antwort auf den 11. September 2001 erstellten Anwälte und Mitarbeiter des New Yorker Büros von Morrison & Foerster in Zusammenarbeit mit der Anwaltskammer der Stadt einen Rechtsratgeber für vom Angriff auf das World Trade Center Betroffene. Das Helping Handbook: Legal Resources for Families of Victims of the World Trade Center Disaster, das sowohl auf englisch als auch auf spanisch herausgegeben wurde (später gab es auch eine Übersetzung ins Japanische), wurde kostenlos an zahllose städtische Einrichtungen und private Hilfsorganisationen verteilt und auch online bereitgestellt.

Mit diesem Individual Handbook versuchten wir, typische Rechtsfragen zu Sozialversicherungsleistungen, Arbeitslosenhilfe und staatlichen Förderungen zu erläutern. Über 40.000 Exemplare des Ratgebers  wurden über diverse Hilfsorganisationen verbreitet.

Die Kanzlei brachte außerdem das Helping Handbook for Small Businesses Affected by the World Trade Center Disaster heraus, das sich mit Rechtsfragen für durch das Unglück geschädigte Kleinunternehmer und gemeinnützige Einrichtungen auseinandersetzte. Beide Ratgeber, das Individual Handbook und das Small Business Handbook, finden Sie auch unter www.mofo.com.

Die Kollegen der Standorte New York und Washington griffen darüber hinaus Hinterbliebenen bei der Beschaffung von Sterbeurkunden unter die Arme. Andere stellten sich für Katastrophenhilfszentren oder das Washingtoner Pro Bono Relief Project zur Verfügung, oder nahmen individuelle Pro-Bono-Mandate an.

Wir alle bei Morrison & Foerster fühlen uns geehrt, mit der City Bar Association zusammengearbeitet zu haben, um jenen zu helfen, die von den Ereignissen am 11. September betroffen waren. Uns war bewußt, daß jeder Betroffene von einer Lawine von rechtlichen Fragen überrollt werden würde, und wir setzten alles daran, einen kompakten und verständlichen Überblick über die wichtigsten Aspekte zu vermitteln. Auch wenn die Ratgeber natürlich nicht auf jede Frage eine Antwort wußten, dienten sie zumindest als Hilfestellung für die ersten Schritte "danach".

Für ihre Arbeit an den beiden Büchern wurde die Kanzlei von der American Bar Association ausgezeichnet. Für unsere insgesamten Aktivitäten zum 11. September und unsere umfangreiche Arbeit in sachen Pro Bono bekamen wir später den American Bar Association Pro Bono Publico Award, mit dem allgemein herausragender und kostenloser Rechtsbeistand für Arme und Benachteiligte durch Anwälte, Kanzleien und Rechtsabteilungen  ausgezeichnet wird.

Nach den Ereignissen vom 11. September packten alle im New Yorker Büro mit an, um den Opfern, ihren Familien und Bekannten zu helfen. Wir sind stolz auf diesen Erfolg in sachen Pro Bono, vor allem weil wir damit so vielen Menschen in Not helfen konnten.

Jamie A. Levitt ist Partnerin bei Morrison & Foerster in New York und spezialisiert auf Prozeßführung, Strafverteidigung und Gewerblichen Rechtsschutz.
Morrison & Foerster LLP ist eine der größten Kanzleien der Welt mit 1000 Anwälte in 18 Standorten, darunter New York, Washington, Denver, San Francisco, Los Angeles, Brüssel, London, Peking, Hong Kong, Singapur und Tokio.

Jan Joosten
Hughes Hubbard & Reed, New York
joosten@hugheshubbard.com, www.hugheshubbard.com 

Nicht alleingelassen

W

ie alle New Yorker waren wir entsetzt über die tragischen Ereignisse des 11. Septembers. Auf eine Weise versöhnlich war aber, daß es so vielen Menschen auf der ganzen Welt ganz genauso ging. Wenige Tage nach dem Angriff kehrten die Anwälte von Hughes Hubbard wieder an ihren Schreibtisch zurück und koordinierten für zwei Feuerwehrwachen – Engine Co. 219/Ladder 105 und Engine 226 – die Gründung einer gemeinnütziger Einrichtung zur Verwaltung von Spenden.

Daneben waren wir Mietern, die nahe dem World Trade Center wohnten, bei Fragen zu Vertragskündigung und Mieterlaß behilflich. Oder auch als Vermittler zwischen dem Lower Manhattan Cultural Council – eine gemeinnützige Einrichtung, die sich um Ateliers für Künstler im World Trade Center kümmerte – und betroffenenen Künstlern im Zusammenhang mit einer Ausstellung.

Zahllose Anwälte unserer Kanzlei stellten sich zudem für eine Aktion der Anwaltskammer der Stadt zur Verfügung, die sich dafür einsetzt, daß Hinterbliebene bei der Beantragung und Verwaltung all der Regierungs- und karitativen Mittel nicht alleingelassen werden.

Jan J.H. Joosten gehört zum Corporate Department bei Hughes Hubbard & Reed in New York. Er ist auf Luftfahrtrecht, Kapitalmarktrecht, Gesellschaftsrecht, Joint Ventures und Mergers & Acquisitions spezialisiert.
Die Kanzlei Hughes Hubbard & Reed LLP hat ungefähr 300 fachliche Mitarbeiter in den Standorten New York, Washington, Los Angeles, Miami und Paris.


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James B. Carlson
Mayer, Brown, Rowe & Maw, New York
jcarlson@mayerrowemaw.com, www.mayerbrown.com 

Opening Doors

I

n the aftermath of the September 11 attacks, some 50,000 workers from hundreds of dislocated businesses in lower Manhattan found themselves disconnected—from loved ones, from colleagues, and from co-workers. If destruction and disruption were the terrorists’ goals, these victims answered with a simple, but effective, response. They went back to work.

Hundreds of businesses in New York, New Jersey, and Connecticut opened their doors to displaced colleagues, clients, and competitors. Having just exercised an expansion option, Mayer, Brown, Rowe & Maw was able to offer an entire floor of office space in our mid-town Manhattan building. 

The Bank of Nova Scotia, seeking to keep its staff together, came with all 230 of its Lower Manhattan office personnel. Lehman Brothers sent us 70 professionals and staff, and 57 more workers joined us from Canadian Imperial Bank of Commerce. American Access Capital, Barclays Bank, Merrill Lynch, Morgan Stanley Dean Witter, Oppenheimer, and Refco sent displaced workers. By the first weekend, over 400 brokers, bankers, traders, and staff had moved in. 

To equip them, computers and IT accessories were packed into two rental trucks in Chicago, driven overnight to New York, then unloaded, installed, and cabled together to create workstations and temporary trading floors. New York staffers worked round-the-clock shifts to orient and support the newcomers. 

Housing our guests, however, wasn’t enough—they also had to be connected. The first weekend we added 400 phone lines to our existing 800, but by the following week, even those weren’t enough. By Wednesday, September 19, most calls weren’t getting in or out. The regional Bell phone carrier would be able to install additional T-1 lines—in about two months. 

Our telecom consultants, Rockefeller Group Telecommunications Services, Inc., had an idea. There was a clear sight line between our building at 52nd and Broadway and the roof of the McGraw Hill building—where RGTS had excess trunk line capacity—several blocks away. Theoretically, wireless laser optic technology could be used to re-route all our outbound telephone traffic to a rooftop receiver and free up the system for inbound calls. 

The laser technology had been beta-tested, once, but for data only—not voice. On Friday, the tech wizards started installing internal routing lines, and a day later they had mounted an optic laser-like device on a tripod at a 23rd floor office window facing south. On Sunday, September 21, the switch was flicked, the phones blossomed to life, and 400 workers were reconnected to the world by a beam of light.

James B. Carlson ist geschäftsführender Partner des New Yorker Büros von Mayer, Brown, Rowe & Maw. Er ist spezialisiert auf Mergers & Acquisitions sowie Versicherungs- und Haftungsangelegenheiten.
Mayer, Brown, Rowe & Maw ist die zehntgrößte Kanzlei der Welt mit über 1300 Anwälten an 13 Standorten, darunter in London, Paris, Frankfurt und New York.

Elmar Giemulla
giemulla@giemulla.com, www.giemulla.com 

Wir müssen uns 
an eine andere Normalität gewöhnen

I

ch war gerade in einer Besprechung, als eine Mitarbeiterin hereinstürmte mit den Worten: ein Flugzeug ist ins WTC geflogen. Natürlich dachte jeder von uns zunächst an einen Unfall, und zwar mit einem Sportflugzeug. Ich rief sofort eine Kollegin in New York an, die völlig außer sich war und mir sagte, dass es sich um ein Verkehrsflugzeug gehandelt habe. Ich warf den Hörer hin und schaltete den Fernseher an – gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in den anderen Turm fliegen zu sehen. Starr vor Schreck verfolgten meine Mitarbeiter und ich die weiteren Geschehnisse. Ich dachte: Welch' ein Albtraum! Lieber Gott, lass mich aufwachen! Als die Türme zusammenfielen, weinten nicht nur die weiblichen Mitarbeiter.

Die Kollegen aus New York waren stundenlang nicht ansprechbar. Später berichteten sie, dass sie damit beschäftigt waren, Freunde und Bekannte ausfindig zu machen, die eventuell betroffen gewesen sein könnten. Leider gab es auch in Anwaltskreisen viele Opfer...

Die US-Regierung hat glücklicherweise schnell reagiert: Der innerhalb weniger Wochen eingerichtete Opferentschädigungsfonds bietet eine schnelle Möglichkeit einer Entschädigung, die nach amerikanischen Kategorien zwar nicht unbedingt zufriedenstellend ist, für deutsche Betroffene aber durchaus ansehnlich ist. Nach einem Jahr hat die Entschädigungswelle jetzt begonnen; die ersten Auszahlungen werden in den nächsten Tagen vorgenommen. Für die Hinterbliebenen ist dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität, auch wenn kein Geld der Welt das Opfer ausgleichen kann, das sie bringen mussten.

Nicht nur die Welt der Luftfahrt hat sich seitdem verändert. Auf die Unbefangenheit im Umgang mit der Freiheit, die mir die amerikanische Lebensweise immer so sympathisch gemacht hat, ist ein dunkler Schatten gefallen. Er ist – wer hätte das auch erwarten können? – auch nach einem Jahr noch nicht gewichen. Eine Normalität wird wohl in unserer Lebenszeit nicht mehr eintreten, oder vielleicht sollte man richtiger sagen: Wir müssen uns an eine andere Normalität gewöhnen.

Prof. Dr. Elmar Giemulla ist in New York zugelassener Anwalt. Er ist spezialisiert auf Luftfahrt und Luftverkehrsrecht und lehrt Verwaltungs- und Luftrecht in Köln und Berlin. Er arbeitet gelegentlich mit der New Yorker Kanzlei Kreindler & Kreindler zusammen, die in den USA solche Unglücksfälle wie den Untergang der Andrea Dorea, das Attentat auf eine PanAm-Maschine bei Lockerbie und den Anschlag auf das World Trade Center der bearbeitet hat. – Siehe auch das 9-11-Statement von Jim Kreindler.

 

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