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ARTICLES > Allein in New York


Technology: Laptop-Trouble
mit Toshiba und Microsoft

Allein in New York
||| Oliver Weiss

New York City. Ein nagelneuer und schamesrot teurer Laptop aus Deutschland im Handgepäck: Toshiba mit Windows ME. Nach fünf Tagen: rien ne va plus - das System ist am Boden zerstört. Neu installieren? ME sagt: nur wenn ich die Platte neu formatiere und alle Daten verliere? Das kann nicht deren Ernst sein. Leider doch. Bitterernst.
Article on Home Alone in New York with a Brand New  Laptop which Doesn't Work: Who would have thought that Toshiba and Microsoft were such crooks?

 

 

Aus: LEGAmedia, meinem Online-Magazine für Juristen und Unternehmer (Juli 2001).

>GRUNDLAGEN: Wie funktioniert eigentlich ein Computer?

>FAST (NICHT) UMSONST: E-Mail in New York.

>NO MORE PEANUTS: Nachruf auf harles M. Schultz, Vater der Peanuts-Comics.

K

rrrrrck! - Mein zwei Jahre alter Laptop brach auseinander, zwei Tage vor dem Abflug: Bei der Reparatur im letzten Jahr (Vobis hatte ein defektes Display ersetzt gehabt, das sie bei der Konstruktion ein Jahr zuvor selbst eingebaut hatten) hatten die Vobis-Experten leider aus Versehen die Schraube des rechten Scharniers zum Monitor zu fest angezogen: Sie brach ab, nachdem der Bildschirm (soundsooft + 1) zuviel auf- und zugeklappt wurde.

Meine Güte. Was ich wußte: ein neuer Laptop muß her, sehr schnell, weil die Zeit davonläuft. Morgen fliege ich nach Amerika. 

Was ich nicht wußte: daß der Schrecken damit erst angefangen hatte.

 

Been there, done that

Warum kosten Laptops mit den Jahren eigentlich immer mehr, anstatt billiger zu werden? Bei der spärlichen Auswahl des MediaMarkts in München unter einem Dutzend ist die Entscheidung schnell gefällt: Die Exponate haben entweder eine zu kleine Festplatte (wer außer textbasierten Anwälten kommt heute noch mit 4 GB aus?), zu windige Aufmachung, sind zu no-namey (Gefahr! Gefahr?) oder zu - sagen wir: modern im Design.

In New York angekommen, läuft alles wie am Fließband: Rechner raus, Hardwareadapter rein, plugged in - und voilà. Alles läuft, und schnell dazu. Fünf Tage lang.

Für 5.500 Mark bekomme ich einen Rechner unter den Arm geklemmt, der aufgeklappt bis aufs Haar so aussieht wie das Cockpit aus Star Trek (die Serie), aber mit einer Reihe weniger Glimmlampen. Der Laptop - ein Toshiba Satellite 2800-400 - läßt die Muskeln spielen mit 20 GB Festplatte, 128 MB RAM und Pentium III, und zusätzlich mit DVD-Player.

Eine Tragetasche gibt es natürlich nicht dazu, versteht sich: Er war nämlich ein Schnäppchen. Dafür ist aber die nicht mehr neueste Errungenschaft aus dem Hause Microsoft installiert: Windows ME. - Warum eigentlich nicht Windows 2000?

"ME" steht für "Millenium Edition": ein wahrlich neues Konzept, dessen Details ich erst später, in New York, erfahre. Hin und hergerissen, ob ich stattdessen Windows 98 darüberinstallieren sollte, das bekannt schlechte und instabile Betriebssystem, aber wenigstens eines, bei dem ich so in etwa weiß, welche Schrecken mich erwarten. Die Zeit läuft aber davon. Also installiere ich nur meine Grafik-usw.-Software darüber. Gerade schaffe ich es noch, mir Sicherheitskopien der Programme auf CD zu brennen - just in case, and you never know, right?

Right: denn man kann nie wissen. In New York angekommen, läuft alles wie am Fließband: Rechner raus, Hardwareadapter rein, plugged in - und voilà. Alles läuft, und schnell dazu. Yay!

Fünf Tage lang.

 

Fehler wiederholen sich nie - nie

Mit sinisteren Fehlermeldungen bei Outlook fängt es an. Noch bleiben wir allerdings ruhig. Wir kennen das: Statt sich über kryptische Fehlermeldungen aufzuregen, startet man den Rechner einfach neu, ganz einfach-

(Das ist eines der zahllosen, nie beantworteten Eigenheiten bei Computern: Völlig egal, wie viele Jahre man schon davorsitzt, Fehler wiederholen sich fast nie. Stattdessen geschehen immer neue Dinge, die noch nie zuvor passiert sind. Diesmal also eine Salve Popup-Windows, ZACKZACKZACK! - ...startet man den Rechner neu (hatte ich den Satz vor einer Minute begonnen), ganz einfach.)

Ganz einfach? Mit jedem Neustart funktionieren weitere Komponenten nicht mehr, bis sich das System ein einem finalen Atemzug aufbäumt und kollabiert. Mein nagelneuer Rechner kollateral geplättet. Nichts geht mehr, AUS IS', SENSE, FINITO, NADA, NYET, NON, NEGATIV, HALT, STOP, ARRÊT, NO WAY, NO SIREE, NIX DA, NO-GO, NONNONNON, NANANANNEI-EIN, NIL, ZIP, ZIPPO, VETO, VOID, ANNULER, DEAD.

 

No fucking way!

Wir raufen uns die Haare, ringen um Atem, schlagen wild um uns - und uns fällt die Lösung ein. Die silbernglänzend-funkelnagelneue "Toshiba-Restoration-CD", die ich, danke!, mit dabei habe. Freudetaumelnd wird sie in den Slot geschoben. Denn damit kann man das System ja wieder herstellen. "Restoration", richtig?

Zwar kann man das Betriebs-
system wieder-
herstellen. Aber nur, sagt das Booklet in drei kleingedruckten Sprachen, indem die Festplatte, wie es heißt, "neu formatiert" wird.

Falsch: Zwar kann man es wiederherstellen. Aber nur, sagt das Booklet in drei kleingedruckten Sprachen, indem die Festplatte, wie es heißt, "neu formatiert" wird.

F-f-f-d-d-d-die-die Festplatte neu formatieren?

Das ist nicht deren Ernst.

Nur damit wir das richtig verstehen: Toshiba und Microsoft laden mich dazu ein - ohne rot anzulaufen -, all meine Daten zu verlieren und die gesamte Software neu zu installieren? Nur weil irgendwas am Betriebssystem nicht stimmt?

Genauso ist es. Toshiba und Microsoft haben nicht alle Tassen im Schrank.

Mit Windows 95 und 98 passiert es ja am laufenden Band, wenn man jeden Tag mit Dutzenden (unter uns Experten sogenannten "High-End"-)Anwendungen zu tun hat: daß das Betriebssystem ab und zu das Nirvana heimsucht.

Hey, there's no business like show business: Man installiert das Betriebssystem einfach ("einfach") nochmal über das alte - dabei gehen (fast immer) keine Software-Installationen und (fast nie) Daten verloren. Nicht mehr so bei Windows ME. NICHT MEHR SO BEI WINDOWS ME!

But don't despair! Denn wozu gibt es die internationale Hotline? Ich rufe irgendwo in Amerika an; die ungehalten genäselt-britische Stimme ("I'm afraid we do not offer software warranties...") verweist mich an die deutsche Hotline, weil ich den Rechner ja schließlich aus Deutschland habe. "No fucking way," zische ich, hänge auf und wähle eine neue Nummer, und dann wieder eine, und dann eine dritte...

The end of the story: Ich verliere selbstverständlich alle Daten und installiere Windows 98 und alle Programme noch einmal. Natürlich geht danach mein eingebautes Modem nicht mehr (so daß ich ein externes kaufen muß, for yuu mi frend I make speshal preyse). Und der DVD-Player auch nicht. (Treiber? Kommen Sie mir nicht mit Treibern!)

(On a side note: Später versuche ich das Webcammen übers Internet, mit einer Webcam von Logitech. Natürlich klappt nichts, wochenlang. Und das Mikrofon geht heute noch nicht. Denn mein Toshiba hat kein eingebautes Mikrofon. Jeder Billiglaptop von Siemens oder Aldi hat ein Mikrofon. Mein Laptop für 5.500 Mark hat selbstverständlich keines. But that's a different story.) [2001]

(c) 1989–2008 Oliver Weiss Design Up! 
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