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Technology:
Laptop-Trouble
mit Toshiba und Microsoft
Allein
in
New York
||| Oliver Weiss
New
York City. Ein nagelneuer und schamesrot teurer Laptop aus Deutschland
im Handgepäck: Toshiba mit Windows ME. Nach fünf Tagen: rien ne va
plus - das System ist am Boden zerstört. Neu installieren? ME sagt:
nur wenn ich die Platte neu formatiere und alle Daten verliere? Das
kann nicht deren Ernst sein. Leider doch. Bitterernst. |
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| Article
on Home Alone in New York with a Brand New Laptop which Doesn't
Work: Who would have thought that Toshiba and Microsoft were such
crooks? |
| K |
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rrrrrck! - Mein zwei Jahre alter
Laptop brach auseinander, zwei Tage vor dem Abflug: Bei der Reparatur im
letzten Jahr (Vobis hatte ein defektes Display ersetzt gehabt, das sie bei der
Konstruktion ein Jahr zuvor selbst eingebaut hatten) hatten die Vobis-Experten
leider aus Versehen die Schraube des rechten Scharniers zum Monitor zu fest
angezogen: Sie brach ab, nachdem der Bildschirm (soundsooft + 1) zuviel auf-
und zugeklappt wurde.
Meine
Güte. Was ich wußte: ein neuer Laptop muß her, sehr schnell, weil die Zeit
davonläuft. Morgen fliege ich nach Amerika.
Was
ich nicht wußte: daß der Schrecken damit erst angefangen hatte.
Been
there, done that
Warum kosten Laptops mit den Jahren
eigentlich immer mehr, anstatt billiger zu werden? Bei der spärlichen Auswahl
des MediaMarkts in München unter einem Dutzend ist die Entscheidung schnell
gefällt: Die Exponate haben entweder eine zu kleine Festplatte (wer außer
textbasierten Anwälten kommt heute noch mit 4 GB aus?), zu windige
Aufmachung, sind zu no-namey (Gefahr! Gefahr?) oder zu - sagen wir: modern im
Design.
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In
New York angekommen, läuft alles wie am Fließband: Rechner raus,
Hardwareadapter rein, plugged in - und voilà. Alles läuft, und schnell
dazu. Fünf Tage lang.
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Für
5.500 Mark bekomme ich einen Rechner unter den Arm geklemmt, der aufgeklappt
bis aufs Haar so aussieht wie das Cockpit aus Star Trek (die Serie), aber mit einer Reihe weniger Glimmlampen. Der Laptop -
ein Toshiba Satellite 2800-400 - läßt die Muskeln spielen mit 20 GB
Festplatte, 128 MB RAM und Pentium III, und zusätzlich mit DVD-Player.
Eine
Tragetasche gibt es natürlich nicht dazu, versteht sich: Er war nämlich ein
Schnäppchen. Dafür ist aber die nicht mehr neueste Errungenschaft aus dem
Hause Microsoft installiert: Windows ME. - Warum eigentlich nicht Windows
2000?
"ME"
steht für "Millenium Edition": ein wahrlich neues Konzept, dessen
Details ich erst später, in New York, erfahre. Hin und hergerissen, ob ich
stattdessen Windows 98 darüberinstallieren sollte, das bekannt schlechte und
instabile Betriebssystem, aber wenigstens eines, bei dem ich so in etwa weiß,
welche Schrecken mich erwarten. Die Zeit läuft aber davon. Also installiere
ich nur meine Grafik-usw.-Software darüber. Gerade schaffe ich es noch, mir
Sicherheitskopien der Programme auf CD zu brennen - just in case, and you
never know, right?
Right:
denn man kann nie wissen. In New York angekommen, läuft alles wie am Fließband:
Rechner raus, Hardwareadapter rein, plugged in - und voilà. Alles läuft, und
schnell dazu. Yay!
Fünf
Tage lang.
Fehler
wiederholen sich nie - nie
Mit sinisteren Fehlermeldungen bei
Outlook fängt es an. Noch bleiben wir allerdings ruhig. Wir kennen das: Statt
sich über kryptische Fehlermeldungen aufzuregen, startet man den Rechner
einfach neu, ganz einfach-
(Das
ist eines der zahllosen, nie beantworteten Eigenheiten bei Computern: Völlig
egal, wie viele Jahre man schon davorsitzt, Fehler wiederholen sich fast nie.
Stattdessen geschehen immer neue Dinge, die noch nie zuvor passiert sind.
Diesmal also eine Salve Popup-Windows, ZACKZACKZACK! - ...startet man den
Rechner neu (hatte ich den Satz vor einer Minute begonnen), ganz einfach.)
Ganz
einfach? Mit jedem Neustart funktionieren weitere Komponenten nicht mehr, bis
sich das System ein einem finalen Atemzug aufbäumt und kollabiert. Mein
nagelneuer Rechner kollateral geplättet. Nichts geht mehr, AUS IS', SENSE,
FINITO, NADA, NYET, NON, NEGATIV, HALT, STOP, ARRÊT, NO WAY, NO SIREE, NIX
DA, NO-GO, NONNONNON, NANANANNEI-EIN, NIL, ZIP, ZIPPO, VETO, VOID, ANNULER,
DEAD.
No
fucking way!
Wir raufen uns die Haare, ringen um
Atem, schlagen wild um uns - und uns fällt die Lösung ein. Die silbernglänzend-funkelnagelneue
"Toshiba-Restoration-CD", die ich, danke!, mit dabei habe.
Freudetaumelnd wird sie in den Slot geschoben. Denn damit kann man das System
ja wieder herstellen. "Restoration", richtig?
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Zwar
kann man das Betriebs-
system wieder-
herstellen. Aber nur, sagt das Booklet in drei kleingedruckten
Sprachen, indem die Festplatte, wie es heißt, "neu formatiert" wird.
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Falsch:
Zwar kann man es wiederherstellen. Aber nur, sagt das Booklet in drei
kleingedruckten Sprachen, indem die Festplatte, wie es heißt, "neu
formatiert" wird.
F-f-f-d-d-d-die-die
Festplatte neu formatieren?
Das
ist nicht deren Ernst.
Nur
damit wir das richtig verstehen: Toshiba und Microsoft laden mich dazu ein -
ohne rot anzulaufen -, all meine Daten zu verlieren und die gesamte Software
neu zu installieren? Nur weil irgendwas am Betriebssystem nicht stimmt?
Genauso
ist es. Toshiba und Microsoft haben nicht alle Tassen im Schrank.
Mit
Windows 95 und 98 passiert es ja am laufenden Band, wenn man jeden Tag mit
Dutzenden (unter uns Experten sogenannten "High-End"-)Anwendungen zu
tun hat: daß das Betriebssystem ab und zu das Nirvana heimsucht.
Hey,
there's no business like show business: Man installiert das Betriebssystem
einfach ("einfach") nochmal über das alte - dabei gehen (fast
immer) keine Software-Installationen und (fast nie) Daten verloren. Nicht mehr
so bei Windows ME. NICHT MEHR SO BEI WINDOWS ME!
But
don't despair! Denn wozu gibt es die internationale Hotline? Ich rufe
irgendwo in Amerika an; die ungehalten genäselt-britische Stimme ("I'm afraid we
do not offer software warranties...") verweist mich an die deutsche
Hotline, weil ich den Rechner ja schließlich aus Deutschland habe. "No fucking way,"
zische ich, hänge auf und wähle eine neue Nummer,
und dann wieder eine, und dann eine dritte...
The
end of the story: Ich verliere selbstverständlich alle Daten und
installiere Windows 98 und alle Programme noch einmal. Natürlich geht danach
mein eingebautes Modem nicht mehr (so daß ich ein externes kaufen muß, for
yuu mi frend I make speshal preyse). Und
der DVD-Player auch nicht. (Treiber? Kommen Sie mir nicht mit Treibern!)
(On a side
note: Später versuche ich das Webcammen übers Internet, mit einer Webcam
von Logitech. Natürlich klappt nichts, wochenlang. Und das Mikrofon geht
heute noch nicht. Denn mein Toshiba hat kein eingebautes Mikrofon. Jeder
Billiglaptop von Siemens oder Aldi hat ein Mikrofon. Mein Laptop für 5.500
Mark hat selbstverständlich keines. But that's a different story.)
[2001]

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