Oliver Weiss Design
Oliver Weiss Design

INFO & CONTACT
About
Contact
Selected Clients
Professional Milestones
Biography in Brief
Working in Different Styles

Oliver
Weiss

Illustration
Books
Design

Packaging

ABOUT ME

BERLIN: +49-30-13896028
NYC: +1-718-213-4670

info@oweiss.com
www.oweiss.com


PDF BROCHURES
BY OLIVER WEISS

 

 
Children's Illustrations
 
 
Showcase Book Design
 

 

INFO > Interview with music supporter


Art: Interview with music supporter Magazine
Ozeichnet is!
||| Interview: Jennifer Withelm

Beim Wettbewerb zur Gestaltung des Oktoberfest-Plakats hat in diesem Jahr Oliver Weiss den ersten Preis gewonnen, freier Illustrator, Grafiker und Multimedia-Spezialist. Sein Pop-Art-Motiv wird weltweit auf Plakaten und Prospekten zu sehen sein sowie den offiziellen Masskrug und Fanartikel wie T-Shirts, Gläser und Hüte zieren. Im Interview mit dem music supporter spricht der Designer über seine Arbeit und gibt Tipps für Anfänger und Freiberufler.
Interview in publication on music and design: This year's official Oktoberfest poster award winner Oliver Weiss talks about his work and offers insight into the professions of illustrator and designer.

 

D

Das offizielle Oktoberfest-Plakat 2008
von Oliver Weiss

 
Aus:
music supporter - Karriere-Magazin
für Musik & Medien
(Sept 2008)

DOWNLOAD

>OKTOBERFEST AWARD: More on the award.

>OKTOBERFEST AWARD: Interview with the Oktoberfest.de website.

>OKTOBERFEST AWARD: Interview with Münchner Merkur.

>OKTOBERFEST AWARD: Interview with Illustration Magazine.

>3x3 MAGAZINE: Lunch with Oliver Weiss.

>SUCEEDING AS A FREELANCE ILLUSTRATOR: Interview with FreelanceSwitch.

>INTERVIEW WITH ARTIST OLIVER WEISS: Interview with Sprayblog.

Oliver Weiss
In vergangenen Jahren konnten junge Nachwuchskünstler den Preis für das Oktoberfestplakat gewinnen, 2008 gewann den Wettbewerb ein Profi. Das Siegerplakat 2008 hat Oliver Weiss gestaltet. Der gebürtige Münchner arbeitet als freiberuflicher Illustrator, Cartoonist, Grafiker und Multimedia-Spezialist für namhafte Kunden wie DIE ZEIT, DER SPIEGEL, die Deutsche Bank, Random House, Gruner+Jahr, Springer oder Euromoney.

Der Wettbewerb zum Oktoberfest-Plakat…
…wird vom Tourismusamt der Landeshauptstadt München veranstaltet. Die diesjährige Jury bestand aus Tourismusamts-Chefin Gabriele Weishäupl, drei Stadträten von SPD, CSU und Bündnis 90/Die Grünen sowie fünf Fachleuten aus Werbung und Design.

Die Wettbewerbsteilnehmer erhalten ein Beteiligungshonorar von 500 Euro. Die Preisgelder: 1. Preis: 2.500 Euro, 2. Preis: 1.250 Euro, 3. Preis: 500 Euro. Für die Nutzungsrechte des Siegermotivs wird ein weiteres Honorar von 5.000 Euro gezahlt. Der Gewinner gestaltet außerdem den offiziellen Oktoberfest-Flyer.

ie Krüge – hoch!“ und „Oans, zwoa, gsuffa!“ heißt es in München wieder vom 20. September bis 5. Oktober 2008. Das weltweit größte Oktoberfest erwartet auch in diesem Jahr wieder rund sechs Millionen Gäste aus der ganzen Welt. Die Wiesn kann seit 1810 auf eine lange Tradition zurückblicken – das passende Wiesnplakat dazu gibt es seit 1952.

Oliver, was hast du dir konkret bei deinem Motiv gedacht?
     Oliver Weiss: Zum einen musste das Motiv für den unbeteiligten Betrachter, der es zum ersten Mal sieht, eindeutig dem Oktoberfest zuzuordnen, also intuitiv verständlich sein. Das ist ja ein gnadenloses Geschäft: Niemand gibt einem Plakat mehr als zwei Sekunden Zeit, in denen sich entscheidet, ob er es genauer unter die Lupe nimmt oder nicht. Für die Umsetzung bedeutet das, dass das Motiv sehr einfach und ins Auge stechend sein muss.

Zum zweiten wollte ich das Plakat in einem Stil entwickeln, den ich schon drauf habe: also keine Experimente in neue Richtungen – dazu hatte ich auch gar keine Zeit. Es war schnell klar, dass ich das Bild als plakative Pop Art aufziehen wollte, also freundlich, direkt, bunt und modern.

 

Auf Motivsuche

Für die Motivwahl versuchte ich mich in die Lage eines neutralen Beobachters zu versetzen: Wie müsste das Oktoberfestplakat nach seinen Erwartungen aussehen? Vermutlich würde er weniger verwegene Konzepte erwarten, sondern eher nahe liegende. Nachdem das Oktoberfest zwar einer der größten deutschen Publikumsmagneten für viele Ausländer aus den USA, Japan und europäischen Ländern – vor allem Italien – ist, aber eben doch keine rein „deutsche“ Veranstaltung, lag auf der Hand, dass Symbole und Wahrzeichen wie das Münchner Kindl oder die Frauenkirche eher nicht in Frage kommen, da sie zuwenig international bekannt sind. Andererseits wollte ich diese bayerntümelnden Klischees wie Dirndl, Gamsbart und Lederhosen ebenfalls vermeiden, auch wenn gerade solche traditionellen Symbole im Ausland mit München und Bayern assoziiert werden.

Nach ein paar Skizzen wurde schnell klar, dass für das Plakat eigentlich nur die „üblichen Verdächtigen“ wie Bier, Brezn und Riesenrad oder Karussell in Frage kommen. Also habe ich diese Symbole mit grobem Strich gezeichnet und in einer Art Collage zusammengeführt. Um das in den Wettbewerbsunterlagen geforderte positive Lebensgefühl einzufangen, nahm ich noch ein lächelndes Herz dazu. Alles in allem also eigentlich ziemlich nahe liegende Motive.

>Download PDF

Wie lange hast du insgesamt für das Wiesn-Plakat gebraucht und wie ist es entstanden?
     Ich hatte nur ein halbes Wochenende lang Zeit und habe daher einfach so getan, als wäre das ein normaler Auftrag, den ich möglichst gut und möglichst schnell auf die Reihe bekommen muss. Also konzentriert hinsetzen, ein paar Ideen skizzieren und verschiedene Designs implementieren. Aus der kleinen Handvoll an halbfertigen Entwürfen wählte ich dann die beiden zur Weiterentwicklung aus, bei denen ich das beste Gefühl hatte – nicht nur, weil sie mir am besten gefielen, sondern auch weil ich dachte, sie fänden den meisten Anklang.

Ich habe einfach so getan, als wäre das ein normaler Auftrag, den ich möglichst gut und möglichst schnell auf die Reihe bekommen muss.

Die einzelnen Elemente des späteren Siegerplakats wurden mit dickem Pinselstift gezeichnet, das ist so ein Filzstift, mit dem man wie mit einem Pinsel zeichnen kann, das gibt einen interessanten Strich. Sie wurden eingescannt und am Computer zusammengesetzt. Dann wurden sie u.a. mit der „Warp“-Funktion in Photoshop nachbearbeitet und so justiert, wie sie am besten passten. Beim Warping wird ein Gitternetz über eine Auswahl des Bildes gelegt, das mit der Maus in alle Richtungen gedehnt oder gestaucht werden kann. Damit kann man Feinheiten wunderbar nachbessern. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich früher ohne Warping ausgekommen bin.

Anschließend wurden die einzelnen Elemente und Hintergründe koloriert; ich habe hier ein bisschen herumexperimentiert und mich dann für eine Palette stimmungsvoller, leuchtender Farben entschieden.

Dazu kam dann noch die Schrift, die mich fast am meisten Zeit gekostet hat. Meine Handschrift ist ein bisschen krakelig – ich selbst kann sie nicht immer entziffern; ich wollte aber auf keinen Fall eine Computerschrift verwenden. Es klingt vielleicht eigenartig, aber den Schriftzug habe ich sicherlich 50 Mal oder mehr geschrieben und dann die besten Teile am Rechner zusammengesetzt. Und dann musste immer noch etwas nachgebessert werden, ein Alptraum!

Nachdem der blaue Hintergrund unter der Schrift über den Rand hinausgeht, musste das Motiv randabfallend angelegt werden, d.h. mit ein bisschen Platz, dem so genannten Beschnitt, nach allen Seiten. Damit stellt man sicher, dass keine weißen Ränder entstehen, wenn das Plakat beim Druck ein bisschen nach links oder rechts verrutscht – was ja drucktechnisch nicht ganz zu vermeiden ist.

 

Werbung oder Kunst?

Der Juryvorsitzende Hannes Mayer, Kreativ-Chef einer Münchner Werbeagentur, sagte, das Plakat eigne sich hervorragend für verschiedene Einsatzfelder. Es sei plakativ und groß, aber auch klein und ließe sich hervorragend auf verschiedene Werbeträger aufbringen – vom Maßkrug bis zum T-Shirt. Kommt es eigentlich darauf an, dass ein Motiv gut für die Werbung geeignet ist? Auf welche Kriterien muss ein Designer noch achten?
     Ein Designmotiv fürs Oktoberfest kann so gefällig oder künstlerisch wertvoll sein wie es will, aber wenn es nicht auf einen Bierkrug passt, ist es für die Katz. Selbstverständlich soll das Motiv gefallen und eine positive Stimmung vermitteln, aber noch viel wichtiger ist es, dass damit auf allen möglichen Mitteln für das Fest geworben werden kann, von T-Shirts und Hüten, Schneegläsern und Regenschirmen, Gläsern und Tassen bis hin zum Wiesn-Maßkrug und sogar als Stickerei auf Baseballcaps.

„Bei Wettbewerben ist es immer wichtig, sich in die Lage der Veranstalter hineinzuversetzen.“

Ich denke, es ist bei solchen Wettbewerben immer wichtig, sich in die Lage der Veranstalter hineinzuversetzen, aber auch in die der Lizenznehmer, die natürlich möglichst viele Produkte verkaufen wollen: Auf welche Kriterien würde man an deren Stelle achten und warum würde man den einen gegenüber dem anderen Entwurf vorziehen? Das Kriterium kann nicht allein die Innovation sein: Sicherlich soll das Motiv neu und erfrischend sein, aber es muss eben auch „in der Welt da draußen“ verstanden werden.

Die Wettbewerbsveranstalter hatten es ausdrücklich zur Bedingung gemacht, dass das Motiv in unterschiedlichen Formaten wirkt; um das schon während der Jurysitzung prüfen zu können, verlangten sie, dass das Plakat nicht nur im Format DIN A1 auf Karton aufgezogen präsentiert wurde, sondern ebenfalls in kleineren Formaten und zusätzlich als „farbverbindlicher Proof“, bei dem sich erkennen lässt, ob die verwendeten Farben auch drucktauglich sind.

 

Flexibel bleiben

Du bist Illustrator, Designer, Maler, Multimedia-
Spezialist und Journalist. Welche Hilfsmittel sind für die einzelnen Bereiche unerlässlich bei der Arbeit?
     Na ja, ohne den Computer geht inzwischen natürlich gar nichts mehr. Den weitaus größten Teil meiner Zeit verbringe ich hinter zwei bis drei Computern, an denen mehr oder weniger gleichzeitig Projekte laufen. Ich weine manchmal den Zeiten nach, als ich noch mit Gouache-Farbe gemalt habe – ich vermisse die Haptik des Papiers und des Pinsels und den Geruch der Farbe. Das kann ich aber glücklicherweise über meine Malerei und meine Druckprojekte ausgleichen, wo ich mit Acryl- und Druckfarbe, Leinwand, Papier, Holz und Collagetechniken hantiere. Immerhin zeichne ich die allermeisten Dinge noch per Hand und nicht mit dem Grafiktablett. Zum Reinzeichnen hat sich ein kleiner Leuchttisch bewährt.

Nachdem die Zeitspanne zwischen Auftrag und Fertigstellung mit jedem Jahr kürzer wird – gerade bei Projekten aus den USA oder Asien muss immer wieder in die Nacht hineingearbeitet werden – ist es unerlässlich, Illustrationen nicht nur digital sondern auch so flexibel anzulegen, dass sie ohne große Probleme verändert werden können. Eine Zeichnung besteht also typischerweise aus einer Vielzahl von Ebenen in Photoshop oder Painter, auf denen sich jeweils Schwarzweißbilder, Farbkomponenten, Filtereffekte und gescannte Collagenelemente befinden. Damit hält sich der Aufwand in Grenzen, wenn bei einem Bild innerhalb einer halben Stunde mal schnell die Frau rechts oben im Bild horizontal gespiegelt, die Haare blond toupiert und dem Kleid ein Paisleymuster verpasst werden sollen.

Wie hast du dir deinen Kundenstamm aufgebaut und wann hast du dann den Schritt in die Freiberuflichkeit gewagt?
     Schon als Schüler, so ein paar Jahre vor dem Abitur, wollte ich unbedingt Cartoonist werden. Ich hatte damals Jupp Wolter, einen bekannten politischen Karikaturisten, nach dem „richtigen Weg“ dorthin gefragt (und noch ein paar andere, aber er war der einzige, der mir antwortete). Er schrieb mir einen sehr netten Brief zurück, in dem er sinngemäß sagte, man solle seinem Instinkt und seiner Leidenschaft folgen und sich nicht von Rückschlägen einschüchtern lassen, erst recht nicht von Leuten, die einem diesen Weg nicht zutrauten. Allerdings sagte er auch, dass man auf seinem Weg immer achtsam sein solle, um rechtzeitig die Reißleine ziehen zu können, falls sich, wie er es formulierte, der steinige Weg als Holzweg erweisen sollte.

 

Freiberufliche Arbeit

Ich habe immer nur freiberuflich gearbeitet: Ungefähr so im zweiten Jahr meines Ingenieur-Studiums hatte ich damit angefangen, erste Cartoons an Zeitungen und Zeitschriften zu schicken, vor allem Uni-Publikationen und Fachzeitschriften aus Wirtschaft, Medien, Ausbildung, Medizin usw. Erstaunlicherweise antwortete damals auch die Zeitung DIE WELT auf meinen ersten Schwung an Bewerbungen. Darauf folgten bald die Süddeutsche Zeitung, die F.A.Z. und viele andere. Immerhin verdiente ich damit soviel, dass ich mir das Studium damit weitgehend selbst finanzieren konnte.

„Mit der Zeit wurde immer klarer, dass ich unbedingt hauptberuflich künstlerisch arbeiten wollte.“

Obwohl dann bald Projekte für Firmen wie die Deutsche Bank, AOL, Hoechst oder eine Reihe von Großkanzleien dazukamen, fühlte ich mich als Diplom-Ingenieur mit Ausrichtung auf Nachrichtentechnik und Signalverarbeitung eigentlich alles andere als gewappnet für ein ausschließliches Leben als Illustrator und Designer. Ich habe daher zunächst noch eine ganze Weile in allen möglichen wissenschaftlichen Richtungen geliebäugelt – von Kybernetik und Verhaltensforschung (Stimmanalyse bei Bonobos, Walen und Vögeln) bis hin zu Phonetik (Sprachanalyse beim Menschen) – und dabei auch Zeit im Ausland verbracht, u.a. in Frankreich, Belgien und an der Elfenbeinküste.

Mit der Zeit wurde jedoch immer klarer, dass ich unbedingt hauptberuflich künstlerisch arbeiten wollte, und so musste ich mich zum einen ganz darauf einlassen, und mir zum anderen alles was ich heute weiß Schritt für Schritt selbst aneignen.

Ich bin aber immer mehrgleisig gefahren und habe den Fokus dabei mal mehr, mal weniger verschoben: So habe ich über die Jahre viele verschiedene Dinge gemacht, die nicht unbedingt typisch für einen Illustrator sind, ob als Journalist – ich habe z.B. als Redakteur bei Verlagen gearbeitet und jahrlang eine eigene große juristische Online-Zeitschrift geleitet – oder bei Corporate-Design-Projekten für Firmen, gerichtlichen Sachverständigengutachten, Animationen, Soundtracks usw.

Die Motivation für ein Leben als Freiberufler hatte ich jedenfalls schon immer, und ich habe nie daran gezweifelt, dass das der richtige Weg für mich ist; immerhin hatte ich ja auch schon früh erste Erfolge gehabt. Solche Rückmeldungen aus dem „richtigen Leben“ sind ja schon sehr wichtig.

Ich denke auch, dass es allgemein eine gute Schule ist, wenn man sich die Dinge selbst erarbeitet, anstatt sie irgendwo aufbereitet zu bekommen. Ich erlebe immer wieder bei Kollegen, die, wie sich das gehört, ordentlich Grafik-Design an der FH studieren und vor enorme Hürden gestellt werden, sich auf neue Dinge einzulassen und Methoden auszuprobieren, die sie nicht in ihrer Ausbildung mitbekommen haben.

 

Die Rolle der Technik

Das war bei mir immer anders gewesen: Während meines Studiums wurde wahnsinnig viel gerechnet. Zwischen komplexen Zahlen und n-dimensionalen Räumen und Furcht erregenden Dingen wie partiellen Differentialgleichungen und Volumenintegralen, zweidimensionalen Fourier-Transformationen und unendlichen Reihen ging zwar gelegentlich abhanden, was genau denn da eigentlich gerade berechnet wurde; aber das machte überhaupt nichts. Denn was ich an der Mathematik und Physik immer spannend fand war, dass die Dinge nicht so sind, weil sich das irgendjemand so ausgedacht hat, sondern weil sie sich mathematisch auseinander herleiten.

Mit diesem Hintergrund denke ich, dass mir das Studium, so abstrus es zunächst klingen mag, in meinem Beruf enorm geholfen hat. Es hat mir ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, dass grundsätzlich fast alles möglich ist, wenn ich mich nur genug dahinter klemme. Nichts ist so schwierig ist wie es vielleicht zu Anfang erscheint, denn wir alle kochen natürlich nur mit Wasser.

Abgesehen davon spielt natürlich auch gerade bei Design- und Multimedia-Projekten die Technik ansich eine große Rolle – beim täglichen Umgang mit dem Computer, beim Einsatz von Bildverarbeitungsverfahren (wie z.B. Photoshop-Filter) oder bei Programmierarbeiten.

„Die meisten Aufträge kommen inzwischen über meine Website.“

Natürlich muss man als Freiberufler auch immer schauen, dass Aufträge reinkommen. Ich war und bin nach wie vor immer wieder wochen- oder monatelang im Ausland, in Amerika und Kanada oder irgendwo in Europa, um dort den Markt für meine Illustrationen zu eruieren. Ich arbeite viel für ausländische Verlage und Firmen; interessanterweise kommen die meisten Aufträge inzwischen über meine Website. Während ich mich früher bei einem möglichen Auftraggeber vorstellte, kommen heute Kunden größtenteils auf mich zu – die Richtung der Kommunikation hat sich also weitgehend umgekehrt.

 

Ein tpyischer Auftrag

Wie sieht ein typischer Auftrag an dich aus und welche Vorgaben werden dir in der Regel gemacht?
     Bei Illustrationen kommen konkrete Vorgaben, manchmal sogar mit Skizze, eigentlich nur von Werbeagenturen. Wenn ich für eine Zeitschrift oder einen Buchverlag arbeite, ist das anders: Da bekomme ich meist den zu illustrierenden Text zu lesen oder das Thema mitgeteilt. Dazu kommen grobe Vorgaben für die Abmessungen. Nachdem ein paar Ideen mit Skizzen und Anmerkungen zusammengestellt wurden, wählt der Auftraggeber einen Favoriten, und ich mache mich dann an die Umsetzung.

Bei Corporate-Design-Projekten wie Logos und Geschäftsausstattung, Broschüren und Geschäftsberichten oder Websites ist die Konzeptionsarbeit meist wesentlich größer. Auftraggeber wissen hier oft eigentlich nicht so recht, was sie eigentlich wollen – also wird man erstmal darum bemüht sein, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das den groben Rahmen absteckt und Zielsetzung, Struktur und Inhalt definiert, bevor es im zweiten Schritt um die Ausgestaltung geht – also um Dinge wie Anmutung, Grunddesign, Regelwerk, Schriften, Fotos usw.

Was inspiriert dich für Comics und Cartoons – wie kommst du auf die Witze?
     Cartoons sind meist Auftragsarbeiten, die speziell zu einem Thema erstellt werden. Die meisten entstehen für amerikanische oder britische Verlage, manche auch für asiatische. Mir gefallen diese amerikanischen Cartoons, die ich im Unterschied zum eher kruden deutschen Humor als zurückgenommen und humorvoll-stimulierend empfinde. Das sind meist Schwarzweißzeichnungen mit ein bisschen grauem Aquarell und einer „Byline“, also dem Text, der die Zeichnung im Zusammenspiel eigentlich erst lustig macht.

Für solche Projekte bekomme ich meist nur ein grobes Thema mitgeteilt, der Rest bleibt mir allein überlassen. Es ist nicht immer ganz einfach, sich zu so staubtrocknen Themen wie Schlichtung, Produktpiraterie oder dem Luftverkehr am Hong Konger Flughafen was Lustiges auszudenken. Klar ist es dabei hilfreich, dass ich in Kanada und Amerika gelebt habe, wo ich auch zur Schule gegangen bin.

“The Joneses have now gone wireless.”

Auf der anderen Seite funktionieren Witze wie der doppelte Rückwärtssalto: Wenn man einmal den Bogen raus hat, laufen sie fast von alleine. Ich denke, es gibt da eigentlich nur eine Handvoll typischer Szenarien: Zum Beispiel, wenn Themen, Situationen oder Personen miteinander in Beziehung gesetzt werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben; einer meiner Lieblingscartoons zeigt ein Vogelpaar auf der Telefonleitung, das sich über das andere Paar unterhält, das über ihnen auf einer unsichtbaren Leitung sitzt: „The Joneses have now gone wireless.“

„Ich verstehe nicht, wie man der Ansicht sein kann, man sei a priori irgendetwas  wert – ohne sich jedoch auch nur ein einziges Mal in der richtigen Welt behauptet zu haben.“

Eine weitere typische Konstellation für einen Cartoon findet man, wenn Verhältnisse maßlos überzeichnet oder bekannte Referenzen oder Redewendungen persifliert werden. Oder aber, ganz einfach, wenn Gegensätze aufeinanderprallen.

 

Pläne und Tipps

Was willst du in deinem Leben beruflich noch unbedingt schaffen?
     Ich habe eine Menge Projekte in Planung, vor allem Buchgestaltungen und ein paar Malerei-Geschichten und Konzepte für Kinderbücher. Ich mache mir jedoch keine Pläne darüber, was ich irgendwann einmal machen will oder geschafft haben möchte. Ich bin bei allem was ich tue leidenschaftlich, aber überhaupt nicht ehrgeizig, und ich denke auch nicht, dass ich ein besseres Leben hätte, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Ziel erreichte. Ich bin einfach glücklich, von dem was ich am meisten liebe, leben zu können.

Welche Tipps kannst du Anfängern mit auf den Weg geben?
     Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich Berufsanfängern begegne, die solche Sache sagen wie: Ich arbeite professionell und würde mich nie unter Wert verkaufen. Ich weiß nicht: Vielleicht lernt man das im Studium an der Fachhochschule? Mir ist das jedenfalls fremd. Ich verstehe nicht, wie man der Ansicht sein kann, man sei a priori irgendetwas „wert“ – ohne sich jedoch auch nur ein einziges Mal in der richtigen Welt behauptet zu haben. Ich denke nicht, dass das Studium in irgendeiner Weise eine Qualifikation darstellt, sondern es ist im besten Fall eine Grundlage: Das Leben geht doch erst danach richtig los. DER SPIEGEL wird sich nicht aufgrund deiner Diplomarbeit bei dir melden.

Das Wichtigste in dem Geschäft ist nicht Talent – das mehr oder weniger vorausgesetzt wird –, sondern Zuverlässigkeit und Kommunikation. Man muss die Fähigkeit entwickeln, auf Kommando bis Montag morgen ohne Wenn und Aber drei Zeichnungen druckfertig zu produzieren – und Änderungen im Plan rechtzeitig zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund kann ich nicht nachvollziehen, warum man lieber kellnern gehen möchte als sich ohne oder für wenig Honorar als Illustrator für seine Uni-Zeitung auszuprobieren, oder warum man als blutiger Anfänger kleine Aufträge großzügig ablehnt, weil sie zufälligerweise nicht den Honorarempfehlungen der Allianz Deutscher Grafik-Designer entsprechen und stattdessen tapfer auf bessere Zeiten hofft – willkommen im richtigen Leben, Baby!

Auch muss man sich vor Leuten hüten, die nicht müde werden zu betonen, wie unglaublich professionell sie arbeiteten und dass jeder noch so absonderliche Wunsch des Auftragebers „überhaupt kein Problem“ in der Realisierung sei. Ich selbst würde nie auf den Gedanken kommen, meine Arbeit als „professionell“ zu bezeichnen – das ist keine Kategorie in der ich denke. Ich habe gegenüber Kunden immer mit offenen Karten gespielt: „Eine Website? Wissen Sie was, ich hab das noch nie gemacht. Aber ich schaue, dass ich das rauskriege.“

Ich mache halt das was ich tue, ich mache es wahnsinnig gern, und ich hänge mich in alle Projekte gleichermaßen hinein, unabhängig davon, ob sie viel Geld bringen oder wenig. So ergibt sich mit den Jahren ganz automatisch eine gewisse Routine. Und irgendwann weiß man dann auch so ungefähr, was man tut, das wäre ja noch schöner. [2008]

(c) 1989–2017 Oliver Weiss Design Up! 
 Illustration / Corporate Design / Book Design / Packaging Design / Shop / Contact

C O N T A C T

 

MAIL: info@oweiss.com

  BERLIN: +49-30-13896028
  NYC: +1-718-213-4670

POSTERS, PRINTS & MUGS

Hand-pulled Silkscreen Prints for Sale
>more

Ritzenhoff Coffee Mug Design for Sale >more

Why am I Working in Different Styles? >more

MY LATEST BOOK DESIGNS

dtv: Jokes
for Kids

Rowohlt: Genes Gone Wild
Chrismon:
Everything Luther
Rowohlt:
Smart Shopping

PIZZAZZY

Random House Bestseller Book Design  >more
>more books
Oktoberfest Design >more

 

 


POSTER FOR SALE
Die Parteien-
landschaft
>INFO

CONTACT OLIVER

ART SHOP
Postcards for Sale
Calendars for Sale
Originals & Limited Editions
"Parteienlandschaft" Poster
INFO
Clients
Biography
Why Different Styles?

BOOK DESIGN
ILLUSTRATION
Administration
Animals & Pets
Arts & Music
Books & Literature
Business & Finance
Cartoons
Children & Juveniles
Collage & Mixed-Media
Computers & Media
Cover Art
Education & Career
Ethnic Diversity
Family & Parenting
Food & Nutrition
Gay & Queer
Horoscopes & Zodiacs
Housing & Architecture
Legal & Jurisdiction
Lifestyle & Leisure
Marketing & PR
Medical & Healthcare
Nature & Preservation
Office & Workplace
People & Situations
Politics & Society
Psychology & Behavior
Realistic, Retro & Linocut
Religion & Church
Science & Mathematics
Seasons & Events
Sex & Love
Sports & Recreation
Spot Art
Technology
Travel & Vacation
Turtle Tales
Whimsical & Humorous
Women & Style
KICK-ASS PROJECTS
Süddeutsche Zeitung
Welt am Sonntag
Oktoberfest Poster Design
DIE ZEIT Infographic

DIE ZEIT Poster Art
DER SPIEGEL Documentary
CBS Set Prop Design
Bestselling Book Design
PACKAGING DESIGN
Tin Box Packaging
Ritzenhoff Designs
Oktoberfest Apparel

CORPORATE DESIGN
Graphic Design
Conference Design