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Art:
Interview with music supporter Magazine
O’zeichnet
is!
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Interview: Jennifer Withelm
Beim Wettbewerb zur
Gestaltung des Oktoberfest-Plakats hat in diesem Jahr Oliver Weiss den
ersten Preis gewonnen, freier Illustrator, Grafiker und
Multimedia-Spezialist. Sein Pop-Art-Motiv wird weltweit auf Plakaten und
Prospekten zu sehen sein sowie den offiziellen Masskrug und Fanartikel
wie T-Shirts, Gläser und Hüte zieren. Im Interview mit dem music
supporter spricht der Designer über seine Arbeit und gibt Tipps für
Anfänger und Freiberufler. |
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Interview in publication on music and design: This year's official
Oktoberfest poster award winner Oliver Weiss talks about his work and
offers insight into the professions of illustrator and designer. |
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Das offizielle Oktoberfest-Plakat 2008
von Oliver Weiss
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Aus:
music supporter - Karriere-Magazin
für Musik & Medien
(Sept 2008)
DOWNLOAD |
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>OKTOBERFEST
AWARD: More on the award.
>OKTOBERFEST
AWARD: Interview with the Oktoberfest.de website.
>OKTOBERFEST
AWARD: Interview with Münchner Merkur.
>OKTOBERFEST
AWARD: Interview with Illustration Magazine.
>3x3
MAGAZINE: Lunch with Oliver Weiss.
>SUCEEDING
AS A FREELANCE ILLUSTRATOR: Interview with
FreelanceSwitch.
>INTERVIEW
WITH ARTIST OLIVER WEISS: Interview with Sprayblog. |

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Oliver Weiss
In vergangenen Jahren konnten junge Nachwuchskünstler den Preis für das
Oktoberfestplakat gewinnen, 2008 gewann den Wettbewerb ein Profi. Das
Siegerplakat 2008 hat Oliver Weiss gestaltet. Der gebürtige Münchner
arbeitet als freiberuflicher Illustrator, Cartoonist, Grafiker und
Multimedia-Spezialist für namhafte Kunden wie DIE ZEIT, DER SPIEGEL, die
Deutsche Bank, Random House, Gruner+Jahr, Springer oder Euromoney.
Der Wettbewerb zum Oktoberfest-Plakat…
…wird vom Tourismusamt der Landeshauptstadt München veranstaltet. Die
diesjährige Jury bestand aus Tourismusamts-Chefin Gabriele Weishäupl,
drei Stadträten von SPD, CSU und Bündnis 90/Die Grünen sowie fünf
Fachleuten aus Werbung und Design.
Die Wettbewerbsteilnehmer erhalten ein Beteiligungshonorar von 500 Euro.
Die Preisgelder: 1. Preis: 2.500 Euro, 2. Preis: 1.250 Euro, 3. Preis:
500 Euro. Für die Nutzungsrechte des Siegermotivs wird ein weiteres
Honorar von 5.000 Euro gezahlt. Der Gewinner gestaltet außerdem den
offiziellen Oktoberfest-Flyer.
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ie Krüge –
hoch!“ und „Oans, zwoa, gsuffa!“ heißt es in München wieder vom 20.
September bis 5. Oktober 2008. Das weltweit größte Oktoberfest erwartet
auch in diesem Jahr wieder rund sechs Millionen Gäste aus der ganzen Welt.
Die Wiesn kann seit 1810 auf eine lange Tradition zurückblicken – das
passende Wiesnplakat dazu gibt es seit 1952.
Oliver, was
hast du dir konkret bei deinem Motiv gedacht?
Oliver Weiss:
Zum einen musste das Motiv für den unbeteiligten Betrachter, der es zum
ersten Mal sieht, eindeutig dem Oktoberfest zuzuordnen, also intuitiv
verständlich sein. Das ist ja ein gnadenloses Geschäft: Niemand gibt
einem Plakat mehr als zwei Sekunden Zeit, in denen sich entscheidet, ob
er es genauer unter die Lupe nimmt oder nicht. Für die Umsetzung
bedeutet das, dass das Motiv sehr einfach und ins Auge stechend sein
muss.
Zum zweiten
wollte ich das Plakat in einem Stil entwickeln, den ich schon drauf
habe: also keine Experimente in neue Richtungen – dazu hatte ich auch
gar keine Zeit. Es war schnell klar, dass ich das Bild als plakative Pop
Art aufziehen wollte, also freundlich, direkt, bunt und modern.
Auf
Motivsuche
Für die Motivwahl
versuchte ich mich in die Lage eines neutralen Beobachters zu versetzen:
Wie müsste das Oktoberfestplakat nach seinen Erwartungen aussehen?
Vermutlich würde er weniger verwegene Konzepte erwarten, sondern eher
nahe liegende. Nachdem das Oktoberfest zwar einer der größten deutschen
Publikumsmagneten für viele Ausländer aus den USA, Japan und
europäischen Ländern – vor allem Italien – ist, aber eben doch keine
rein „deutsche“ Veranstaltung, lag auf der Hand, dass Symbole und
Wahrzeichen wie das Münchner Kindl oder die Frauenkirche eher nicht in
Frage kommen, da sie zuwenig international bekannt sind. Andererseits
wollte ich diese bayerntümelnden Klischees wie Dirndl, Gamsbart und
Lederhosen ebenfalls vermeiden, auch wenn gerade solche traditionellen
Symbole im Ausland mit München und Bayern assoziiert werden.
Nach ein paar
Skizzen wurde schnell klar, dass für das Plakat eigentlich nur die
„üblichen Verdächtigen“ wie Bier, Brezn und Riesenrad oder Karussell in
Frage kommen. Also habe ich diese Symbole mit grobem Strich gezeichnet
und in einer Art Collage zusammengeführt. Um das in den
Wettbewerbsunterlagen geforderte positive Lebensgefühl einzufangen, nahm
ich noch ein lächelndes Herz dazu. Alles in allem also eigentlich
ziemlich nahe liegende Motive.
>Download
PDF Wie lange hast
du insgesamt für das Wiesn-Plakat gebraucht und wie ist es entstanden?
Ich hatte nur
ein halbes Wochenende lang Zeit und habe daher einfach so getan, als
wäre das ein normaler Auftrag, den ich möglichst gut und möglichst
schnell auf die Reihe bekommen muss. Also konzentriert hinsetzen, ein
paar Ideen skizzieren und verschiedene Designs implementieren. Aus der
kleinen Handvoll an halbfertigen Entwürfen wählte ich dann die beiden
zur Weiterentwicklung aus, bei denen ich das beste Gefühl hatte – nicht
nur, weil sie mir am besten gefielen, sondern auch weil ich dachte, sie
fänden den meisten Anklang.
| „Ich
habe einfach so getan, als wäre das ein normaler Auftrag, den ich möglichst gut
und möglichst schnell auf die Reihe bekommen muss.“ |
Die einzelnen
Elemente des späteren Siegerplakats wurden mit dickem Pinselstift
gezeichnet, das ist so ein Filzstift, mit dem man wie mit einem Pinsel
zeichnen kann, das gibt einen interessanten Strich. Sie wurden
eingescannt und am Computer zusammengesetzt. Dann wurden sie u.a. mit
der „Warp“-Funktion in Photoshop nachbearbeitet und so justiert, wie sie
am besten passten. Beim Warping wird ein Gitternetz über eine Auswahl
des Bildes gelegt, das mit der Maus in alle Richtungen gedehnt oder
gestaucht werden kann. Damit kann man Feinheiten wunderbar nachbessern.
Ich weiß gar nicht mehr, wie ich früher ohne Warping ausgekommen bin.
Anschließend
wurden die einzelnen Elemente und Hintergründe koloriert; ich habe hier
ein bisschen herumexperimentiert und mich dann für eine Palette
stimmungsvoller, leuchtender Farben entschieden.
Dazu kam dann
noch die Schrift, die mich fast am meisten Zeit gekostet hat. Meine
Handschrift ist ein bisschen krakelig – ich selbst kann sie nicht immer
entziffern; ich wollte aber auf keinen Fall eine Computerschrift
verwenden. Es klingt vielleicht eigenartig, aber den Schriftzug habe ich
sicherlich 50 Mal oder mehr geschrieben und dann die besten Teile am
Rechner zusammengesetzt. Und dann musste immer noch etwas nachgebessert
werden, ein Alptraum!
Nachdem der blaue
Hintergrund unter der Schrift über den Rand hinausgeht, musste das Motiv
randabfallend angelegt werden, d.h. mit ein bisschen Platz, dem so
genannten Beschnitt, nach allen Seiten. Damit stellt man sicher, dass
keine weißen Ränder entstehen, wenn das Plakat beim Druck ein bisschen
nach links oder rechts verrutscht – was ja drucktechnisch nicht ganz zu
vermeiden ist.
Werbung
oder Kunst?
Der
Juryvorsitzende Hannes Mayer, Kreativ-Chef einer Münchner
Werbeagentur, sagte, das Plakat eigne sich hervorragend für verschiedene
Einsatzfelder. Es sei plakativ und groß, aber auch klein und ließe sich
hervorragend auf verschiedene Werbeträger aufbringen – vom Maßkrug bis
zum T-Shirt. Kommt es eigentlich darauf an, dass ein Motiv gut für die
Werbung geeignet ist? Auf welche Kriterien muss ein Designer noch
achten?
Ein Designmotiv
fürs Oktoberfest kann so gefällig oder künstlerisch wertvoll sein wie es
will, aber wenn es nicht auf einen Bierkrug passt, ist es für die Katz.
Selbstverständlich soll das Motiv gefallen und eine positive Stimmung
vermitteln, aber noch viel wichtiger ist es, dass damit auf allen
möglichen Mitteln für das Fest geworben werden kann, von T-Shirts und
Hüten, Schneegläsern und Regenschirmen, Gläsern und Tassen bis hin zum
Wiesn-Maßkrug und sogar als Stickerei auf Baseballcaps.
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„Bei Wettbewerben
ist es immer wichtig, sich in die Lage der Veranstalter hineinzuversetzen.“ |
Ich denke, es ist
bei solchen Wettbewerben immer wichtig, sich in die Lage der
Veranstalter hineinzuversetzen, aber auch in die der Lizenznehmer, die
natürlich möglichst viele Produkte verkaufen wollen: Auf welche
Kriterien würde man an deren Stelle achten und warum würde man den einen
gegenüber dem anderen Entwurf vorziehen? Das Kriterium kann nicht allein
die Innovation sein: Sicherlich soll das Motiv neu und erfrischend sein,
aber es muss eben auch „in der Welt da draußen“ verstanden werden.
Die
Wettbewerbsveranstalter hatten es ausdrücklich zur Bedingung gemacht,
dass das Motiv in unterschiedlichen Formaten wirkt; um das schon während
der Jurysitzung prüfen zu können, verlangten sie, dass das Plakat nicht
nur im Format DIN A1 auf Karton aufgezogen präsentiert wurde, sondern
ebenfalls in kleineren Formaten und zusätzlich als „farbverbindlicher
Proof“, bei dem sich erkennen lässt, ob die verwendeten Farben auch
drucktauglich sind.

Flexibel
bleiben
Du bist
Illustrator, Designer, Maler, Multimedia-
Spezialist und Journalist.
Welche Hilfsmittel sind für die einzelnen Bereiche unerlässlich bei der
Arbeit?
Na ja, ohne den
Computer geht inzwischen natürlich gar nichts mehr. Den weitaus größten
Teil meiner Zeit verbringe ich hinter zwei bis drei Computern, an denen
mehr oder weniger gleichzeitig Projekte laufen. Ich weine manchmal den
Zeiten nach, als ich noch mit Gouache-Farbe gemalt habe – ich vermisse
die Haptik des Papiers und des Pinsels und den Geruch der Farbe. Das
kann ich aber glücklicherweise über meine Malerei und meine
Druckprojekte ausgleichen, wo ich mit Acryl- und Druckfarbe, Leinwand,
Papier, Holz und Collagetechniken hantiere. Immerhin zeichne ich die
allermeisten Dinge noch per Hand und nicht mit dem Grafiktablett. Zum
Reinzeichnen hat sich ein kleiner Leuchttisch bewährt.
Nachdem die
Zeitspanne zwischen Auftrag und Fertigstellung mit jedem Jahr kürzer
wird – gerade bei Projekten aus den USA oder Asien muss immer wieder in
die Nacht hineingearbeitet werden – ist es unerlässlich, Illustrationen
nicht nur digital sondern auch so flexibel anzulegen, dass sie ohne
große Probleme verändert werden können. Eine Zeichnung besteht also
typischerweise aus einer Vielzahl von Ebenen in Photoshop oder Painter,
auf denen sich jeweils Schwarzweißbilder, Farbkomponenten, Filtereffekte
und gescannte Collagenelemente befinden. Damit hält sich der Aufwand in
Grenzen, wenn bei einem Bild innerhalb einer halben Stunde mal schnell
die Frau rechts oben im Bild horizontal gespiegelt, die Haare blond
toupiert und dem Kleid ein Paisleymuster verpasst werden sollen.
Wie hast du
dir deinen Kundenstamm aufgebaut und wann hast du dann den Schritt in
die Freiberuflichkeit gewagt?
Schon als
Schüler, so ein paar Jahre vor dem Abitur, wollte ich unbedingt
Cartoonist werden. Ich hatte damals Jupp Wolter, einen bekannten
politischen Karikaturisten, nach dem „richtigen Weg“ dorthin gefragt
(und noch ein paar andere, aber er war der einzige, der mir antwortete).
Er schrieb mir einen sehr netten Brief zurück, in dem er sinngemäß
sagte, man solle seinem Instinkt und seiner Leidenschaft folgen und sich
nicht von Rückschlägen einschüchtern lassen, erst recht nicht von
Leuten, die einem diesen Weg nicht zutrauten. Allerdings sagte er auch,
dass man auf seinem Weg immer achtsam sein solle, um rechtzeitig die
Reißleine ziehen zu können, falls sich, wie er es formulierte, der
steinige Weg als Holzweg erweisen sollte.
Freiberufliche Arbeit
Ich habe immer
nur freiberuflich gearbeitet: Ungefähr so im zweiten Jahr meines
Ingenieur-Studiums hatte ich damit angefangen, erste Cartoons an
Zeitungen und Zeitschriften zu schicken, vor allem Uni-Publikationen und
Fachzeitschriften aus Wirtschaft, Medien, Ausbildung, Medizin usw.
Erstaunlicherweise antwortete damals auch die Zeitung DIE WELT auf
meinen ersten Schwung an Bewerbungen. Darauf folgten bald die
Süddeutsche Zeitung, die F.A.Z. und viele andere. Immerhin verdiente ich
damit soviel, dass ich mir das Studium damit weitgehend selbst
finanzieren konnte.
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„Mit der Zeit wurde immer klarer, dass ich unbedingt hauptberuflich künstlerisch
arbeiten wollte.“ |
Obwohl dann bald
Projekte für Firmen wie die Deutsche Bank, AOL, Hoechst oder eine Reihe
von Großkanzleien dazukamen, fühlte ich mich als Diplom-Ingenieur mit
Ausrichtung auf Nachrichtentechnik und Signalverarbeitung eigentlich
alles andere als gewappnet für ein ausschließliches Leben als
Illustrator und Designer. Ich habe daher zunächst noch eine ganze Weile
in allen möglichen wissenschaftlichen Richtungen geliebäugelt – von
Kybernetik und Verhaltensforschung (Stimmanalyse bei Bonobos, Walen und
Vögeln) bis hin zu Phonetik (Sprachanalyse beim Menschen) – und dabei
auch Zeit im Ausland verbracht, u.a. in Frankreich, Belgien und an der
Elfenbeinküste.
Mit der Zeit
wurde jedoch immer klarer, dass ich unbedingt hauptberuflich
künstlerisch arbeiten wollte, und so musste ich mich zum einen ganz
darauf einlassen, und mir zum anderen alles was ich heute weiß Schritt
für Schritt selbst aneignen.
Ich bin aber
immer mehrgleisig gefahren und habe den Fokus dabei mal mehr, mal
weniger verschoben: So habe ich über die Jahre viele verschiedene Dinge
gemacht, die nicht unbedingt typisch für einen Illustrator sind, ob als
Journalist – ich habe z.B. als Redakteur bei Verlagen gearbeitet und
jahrlang eine eigene große juristische Online-Zeitschrift geleitet –
oder bei Corporate-Design-Projekten für Firmen, gerichtlichen
Sachverständigengutachten, Animationen, Soundtracks usw.
Die Motivation
für ein Leben als Freiberufler hatte ich jedenfalls schon immer, und ich
habe nie daran gezweifelt, dass das der richtige Weg für mich ist;
immerhin hatte ich ja auch schon früh erste Erfolge gehabt. Solche
Rückmeldungen aus dem „richtigen Leben“ sind ja schon sehr wichtig.
Ich denke auch,
dass es allgemein eine gute Schule ist, wenn man sich die Dinge selbst
erarbeitet, anstatt sie irgendwo aufbereitet zu bekommen. Ich erlebe
immer wieder bei Kollegen, die, wie sich das gehört, ordentlich
Grafik-Design an der FH studieren und vor enorme Hürden gestellt werden,
sich auf neue Dinge einzulassen und Methoden auszuprobieren, die sie
nicht in ihrer Ausbildung mitbekommen haben.
Die Rolle
der Technik
Das war bei mir
immer anders gewesen: Während meines Studiums wurde wahnsinnig viel
gerechnet. Zwischen komplexen Zahlen und n-dimensionalen Räumen und
Furcht erregenden Dingen wie partiellen Differentialgleichungen und
Volumenintegralen, zweidimensionalen Fourier-Transformationen und
unendlichen Reihen ging zwar gelegentlich abhanden, was genau denn da
eigentlich gerade berechnet wurde; aber das machte überhaupt nichts.
Denn was ich an der Mathematik und Physik immer spannend fand war, dass
die Dinge nicht so sind, weil sich das irgendjemand so ausgedacht hat,
sondern weil sie sich mathematisch auseinander herleiten.
Mit diesem
Hintergrund denke ich, dass mir das Studium, so abstrus es zunächst
klingen mag, in meinem Beruf enorm geholfen hat. Es hat mir ein Gefühl
der Sicherheit vermittelt, dass grundsätzlich fast alles möglich ist,
wenn ich mich nur genug dahinter klemme. Nichts ist so schwierig ist wie
es vielleicht zu Anfang erscheint, denn wir alle kochen natürlich nur
mit Wasser.
Abgesehen davon
spielt natürlich auch gerade bei Design- und Multimedia-Projekten die
Technik ansich eine große Rolle – beim täglichen Umgang mit dem
Computer, beim Einsatz von Bildverarbeitungsverfahren (wie z.B.
Photoshop-Filter) oder bei Programmierarbeiten.
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„Die meisten
Aufträge kommen inzwischen über meine Website.“ |
Natürlich muss
man als Freiberufler auch immer schauen, dass Aufträge reinkommen. Ich
war und bin nach wie vor immer wieder wochen- oder monatelang im
Ausland, in Amerika und Kanada oder irgendwo in Europa, um dort den
Markt für meine Illustrationen zu eruieren. Ich arbeite viel für
ausländische Verlage und Firmen; interessanterweise kommen die meisten
Aufträge inzwischen über meine Website. Während ich
mich früher bei einem möglichen Auftraggeber vorstellte, kommen heute
Kunden größtenteils auf mich zu – die Richtung der Kommunikation hat
sich also weitgehend umgekehrt.
Ein
tpyischer Auftrag
Wie sieht ein
typischer Auftrag an dich aus und welche Vorgaben werden dir in der
Regel gemacht?
Bei
Illustrationen kommen konkrete Vorgaben, manchmal sogar mit Skizze,
eigentlich nur von Werbeagenturen. Wenn ich für eine Zeitschrift oder
einen Buchverlag arbeite, ist das anders: Da bekomme ich meist den zu
illustrierenden Text zu lesen oder das Thema mitgeteilt. Dazu kommen
grobe Vorgaben für die Abmessungen. Nachdem ein paar Ideen mit Skizzen
und Anmerkungen zusammengestellt wurden, wählt der Auftraggeber einen
Favoriten, und ich mache mich dann an die Umsetzung.
Bei
Corporate-Design-Projekten wie Logos und Geschäftsausstattung,
Broschüren und Geschäftsberichten oder Websites ist die
Konzeptionsarbeit meist wesentlich größer. Auftraggeber wissen hier oft
eigentlich nicht so recht, was sie eigentlich wollen – also wird man
erstmal darum bemüht sein, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das den
groben Rahmen absteckt und Zielsetzung, Struktur und Inhalt definiert,
bevor es im zweiten Schritt um die Ausgestaltung geht – also um Dinge
wie Anmutung, Grunddesign, Regelwerk, Schriften, Fotos usw.
Was inspiriert
dich für Comics und Cartoons – wie kommst du auf die Witze?
Cartoons sind
meist Auftragsarbeiten, die speziell zu einem Thema erstellt werden. Die
meisten entstehen für amerikanische oder britische Verlage, manche auch
für asiatische. Mir gefallen diese amerikanischen Cartoons, die ich im
Unterschied zum eher kruden deutschen Humor als zurückgenommen und
humorvoll-stimulierend empfinde. Das sind meist Schwarzweißzeichnungen
mit ein bisschen grauem Aquarell und einer „Byline“, also dem Text, der
die Zeichnung im Zusammenspiel eigentlich erst lustig macht.
Für solche
Projekte bekomme ich meist nur ein grobes Thema mitgeteilt, der Rest
bleibt mir allein überlassen. Es ist nicht immer ganz einfach, sich zu
so staubtrocknen Themen wie Schlichtung, Produktpiraterie oder dem
Luftverkehr am Hong Konger Flughafen was Lustiges auszudenken. Klar ist
es dabei hilfreich, dass ich in Kanada und Amerika gelebt habe, wo ich
auch zur Schule gegangen bin.
Auf der anderen
Seite funktionieren Witze wie der doppelte Rückwärtssalto: Wenn man
einmal den Bogen raus hat, laufen sie fast von alleine. Ich denke, es
gibt da eigentlich nur eine Handvoll typischer Szenarien: Zum Beispiel,
wenn Themen, Situationen oder Personen miteinander in Beziehung gesetzt
werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben; einer meiner
Lieblingscartoons zeigt ein Vogelpaar auf der Telefonleitung, das sich
über das andere Paar unterhält, das über ihnen auf einer unsichtbaren
Leitung sitzt: „The Joneses have now gone wireless.“
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„Ich verstehe nicht, wie man der Ansicht
sein kann, man sei a priori irgendetwas ‚wert‘
– ohne sich jedoch auch nur ein einziges Mal in der richtigen Welt behauptet zu
haben.“ |
Eine weitere
typische Konstellation für einen Cartoon findet man, wenn Verhältnisse
maßlos überzeichnet oder bekannte Referenzen oder Redewendungen
persifliert werden. Oder aber, ganz einfach, wenn Gegensätze
aufeinanderprallen.
Pläne und
Tipps
Was willst du
in deinem Leben beruflich noch unbedingt schaffen?
Ich habe eine
Menge Projekte in Planung, vor allem Buchgestaltungen und ein paar
Malerei-Geschichten und Konzepte für Kinderbücher. Ich mache mir
jedoch keine Pläne darüber, was ich irgendwann einmal machen will oder
geschafft haben möchte. Ich bin bei allem was ich tue leidenschaftlich,
aber überhaupt nicht ehrgeizig, und ich denke auch nicht, dass ich ein
besseres Leben hätte, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt ein
bestimmtes Ziel erreichte. Ich bin einfach glücklich, von dem was ich am
meisten liebe, leben zu können.
Welche Tipps
kannst du Anfängern mit auf den Weg geben?
Ich bin immer
wieder überrascht, wenn ich Berufsanfängern begegne, die solche Sache
sagen wie: Ich arbeite professionell und würde mich nie unter Wert
verkaufen. Ich weiß nicht: Vielleicht lernt man das im Studium an der
Fachhochschule? Mir ist das jedenfalls fremd. Ich verstehe nicht,
wie man der Ansicht sein kann, man sei a priori irgendetwas „wert“ –
ohne sich jedoch auch nur ein einziges Mal in der richtigen Welt
behauptet zu haben. Ich denke nicht, dass das Studium in irgendeiner
Weise eine Qualifikation darstellt, sondern es ist im besten Fall eine
Grundlage: Das Leben geht doch erst danach richtig los. DER SPIEGEL wird
sich nicht aufgrund deiner Diplomarbeit bei
dir melden.
Das Wichtigste in
dem Geschäft ist nicht Talent – das mehr oder weniger vorausgesetzt wird
–, sondern Zuverlässigkeit und Kommunikation. Man muss die Fähigkeit
entwickeln, auf Kommando bis Montag morgen ohne Wenn und Aber drei
Zeichnungen druckfertig zu produzieren – und Änderungen im Plan
rechtzeitig zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund kann ich nicht
nachvollziehen, warum man lieber kellnern gehen möchte als sich ohne
oder für wenig Honorar als Illustrator für seine Uni-Zeitung
auszuprobieren, oder warum man als blutiger Anfänger kleine Aufträge
großzügig ablehnt, weil sie zufälligerweise nicht den
Honorarempfehlungen der Allianz Deutscher Grafik-Designer entsprechen
und stattdessen tapfer auf bessere Zeiten hofft – willkommen im
richtigen Leben, Baby!
Auch muss man
sich vor Leuten hüten, die nicht müde werden zu betonen, wie unglaublich
professionell sie arbeiteten und dass jeder noch so absonderliche Wunsch
des Auftragebers „überhaupt kein Problem“ in der Realisierung sei. Ich
selbst würde nie auf den Gedanken kommen, meine Arbeit als
„professionell“ zu bezeichnen – das ist keine Kategorie in der ich
denke. Ich habe gegenüber Kunden immer mit offenen Karten gespielt:
„Eine Website? Wissen Sie was, ich hab das noch nie gemacht. Aber ich
schaue, dass ich das rauskriege.“
Ich mache halt
das was ich tue, ich mache es wahnsinnig gern, und ich hänge mich in alle
Projekte gleichermaßen hinein, unabhängig davon, ob sie viel Geld
bringen oder wenig. So ergibt sich mit den Jahren ganz automatisch eine
gewisse Routine. Und irgendwann weiß man dann auch so ungefähr, was man
tut, das wäre ja noch schöner.
[2008]
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