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ARTICLES > Die Nadel im Heuhaufen


Test:
Bilddatenbanken
Die Nadel im Heuhaufen
||| Oliver Weiss

Wie verwaltet man große Mengen von Bildern in einer Agentur möglichst effizient? Wir haben vier Programme getestet und stellen fest: keines ist wirklich ausgereift.

Finding the needle in a haystack: How do you manage large amounts of images? We have put four commercial software packages under the test. Our sobering findings suggest - keep your hand off either one of them.

 

E

 
Aus:
Macwelt,
Europas größter
Mac-Zeitschrift
(IDG Communications,
Dezember 2004).

>DOWNLOAD PDF

>OKTOBERFEST DESIGN TUTORIAL: Macwelt article on how the poster was created.

>TITELBILDILLUSTRATION: Tutorium für eine Cover-Illustration zum Thema "Spam".

>WIR ZEICHNEN EINEN COMIC-STRIP: Besuch in Entenhausen.

>POSTER-ILLUSTRATION: Illustration im Stile des "New Yorker".

>ZWEIFARBENDRUCK: Illustrationen für den Druck in zwei Farben aufbereiten.

>ILLUSTRATIONEN: Illustrationen aus dem Bereich Computer & Medien.

s ist eigentlich immer dieselbe Geschichte: Eine Agentur bekommt kurzfristig einen Auftrag für den Promo-Flyer eines Consulting-Unternehmens rein, der bis gestern fertig sein soll. Das Design ist rasch konzipiert – aber nun beginnt die Suche nach geeignetem Bildmaterial.

Die Vorgabe lautet: ein paar freundliche Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die am runden Tisch diskutieren. In weiteren Bildern: ein hübsches asiatisches Frauengesicht im Business-Dress, eine Hand im Closeup mit elegantem Füllfederhalter und eine künstlerische Illustration zum Thema Factoring-Finanzierungsmodelle.

Wie findet man solche Bilder auf die Schnelle? In der Regel sucht man im Agentur-Bildarchiv oder auf Image-CDs. Bei Zehntausenden von Bildern und Hunderten verschiedener Bildquellen verliert man natürlich leicht den Überblick. Nichtssagende Bildnamen von Digitalkameras ("DCP_0353.JPG") erleichtern die Recherche auch nicht gerade.

Hier kommt "Digital Asset Management" (DMA) ins Spiel. Bilddatenbankprogramme, die nach diesem Prinzip arbeiten, versuchen, die digital vorliegenden Bestände an Bildern und Dokumenten wie Grafik-, DTP-, Video- oder Tondateien ("Assets") vernünftig zu verwalten.

 

Suchen und Finden

Der Markt an Bilddatenbanksoftware ist schier unübersichtlich. Angeboten wird das gesamte Spektrum, von Freeware über Shareware bis hin zu Low-Cost-Standalone-Produkten und teuren High-End-Multiuser-Server-Programmen.

Die "Inhalt"-Ansicht bei iView MediaPro: Mit sehr kleinen Thumbnails und automatisch angezeigten Zusatzinfos zu Dateigröße, Dateityp, Breite und Höhe sowie dem Pfad zur Originaldatei behält man leicht die Übersicht über seine "Assets". In der Abbildung wurden die Bilddateien nach ihrer Höhe in Pixeln sortiert.

Die Grundidee aller Produkte klingt einfach: Gib mir ein Tool, das mir aus unterschiedlichen Quellen – z.B. verschiedene PowerMacs und Windows-PCs, Iomega-Medien oder CD-ROMs – in möglichst kurzer Zeit möglichst genau auf meinen Zweck zugeschnittene Dokumente auswählt und zur Verwendung zur Verfügung stellt. Natürlich mit allen wichtigen Daten wie Format, Größe, Autor, Erstellungsdatum, Lizenzbeschränkungen usw.

Gesagt, getan? Von wegen. Der Google-verwöhnte User muss sich mit durchweg unzulänglichen (und bisweilen haarsträubenden) Ungereimtheiten der Anbieter zufrieden stellen.

Das "Informationen"-Fenster von iView MediaPro zeigt ein vergrößertes Thumbail der Bilddatei zusammen mit jeder Menge Daten an.
Steckbrief

Extensis Portfolio 7

Preis: ca. 170 €
Systemvoraussetzungen: Power Mac, ab Mac-OS 10.2.8, 256 MB RAM, 175 MB freier Speicherplatz
Windows: 2000, XP
Hersteller: Extensis
Info: www.extensis.com/de

Cumulus 6.0.3

Preis: ca. 80 €
Systemvoraussetzungen: Power Mac, ab Mac-OS 10.2.8, 80 MB RAM, 50 MB freier Speicherplatz
Windows: 98-2nd, NT, 2000, XP
Hersteller: Canto
Info: www.canto.de

BlueBox basic 1.5

Preis: ca. 70 €
Systemvoraussetzungen: Power Mac, ab Mac-OS 9.2 oder Mac-OS X
Windows: Win98, NT, 2000, XP
Hersteller: BlueBox
Info: www.pictures.de

IView MediaPro 2.5

Preis: 169 €
Systemvoraussetzungen: Power Mac, ab Mac-OS 9.2 oder Mac-OS X
Windows: Win98, NT, 2000, XP
Hersteller: iView Multimedia Ltd.
Info: www.iview-multimedia.de

Bilddatenbanken müssen vor allem zwei Dinge können: Inhalte müssen erstens leicht einzupflegen und zweitens leicht wiederzufinden sein. Während die Suchfunktionen – also die Output-Komponente – mittlerweile recht ausgefeilt sind und gut funktionieren, hat man die Aufbereitung von Daten – die Input-Komponente – aus unserer Sicht sträflich vernachlässigt.

Was uns im Test am meisten erstaunt, ist die Tatsache, daß die Verschlagwortung und der Abgleich zur Quelle – die "Synchronisation" – gerade bei den beiden Marktführern Cumulus und Portfolio, die immerhin viele Jahre Erfahrung auf dem Buckel haben, äußerst umständlich ist.

Trotz vieler angebotener Features wirkt es fast so, als fehle den Herstellern die Praxiserfahrung. Nur einem einzigen der getesteten Programme, nämlich BlueBox basic, merkt man an, daß es dem "richtigen Leben" entstammt: Der Hersteller bietet selbst eine große Bilddatenbank im Internet an.

 

Benchmarks

Folgende Programme (Single-User-Versionen) haben wir auf eine Reihe von Benchmarks überprüft – immer unter dem Blickwinkel der Praxistauglichkeit für eine Agentur, die mit großen Mengen an Dokumenten zu tun hat: Extensis Portfolio 7, Canto Cumulus 6.0.3, iView MediaPro 2.5 und BlueBox basic 1.5.

Die Katalogansicht von Dokumenten, deren Format zwar erkannt, aber nicht als Thumbnail dargestellt werden kann, macht einen wenig informativen Eindruck, wenn sich die Platzhalterbilder anhäufen (hier: Portfolio). Bei Cumulus tragen die Platzhalter einheitlich den sinnentleerten Schriftzug "Cumulus", so daß man noch nicht einmal das Dateiformat auf den ersten Blick erkennt.

Die Entscheidung für den Einsatz einer bestimmten Software ist schließlich keine Kleinigkeit: Denn immerhin macht die Verschlagwortung und Katalogisierung der Bilder viel Arbeit, und nichts wäre ärgerlicher, als nach einem Jahr festzustellen, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat.

 

Bedienung und Suche

Alle Programme haben ein mehr oder weniger intuitiv verständliches Interface, das ein relativ komfortables Arbeiten ohne allzuviel Blättern im Handbuch ermöglicht. Bei Portfolio fällt auf, dass sich in der Windows-Version viele Befehle in anderen Untermenüs finden als in der Mac-Version – das erleichtert einen plattformübergreifenden Einsatz in einer Agentur nicht gerade.


Die Suche in Cumulus mit "Quick Search" (oben) funktioniert so wie man es erwartet: schnell und einfach. Im Beispiel suchen wir nach Dokumenten mit dem Stichwort "people". Im Bild unten erkennt man die Mächtigkeit des Programms bei der gezielten Profi-Suche über mehrere Kriterien wie Dateigröße, Abmessungen oder Quelle.
Das Szenario

Wir testen die vier Programme unter Agenturbedingungen. Dafür legen wir unter anderem einen Dateienkatalog von rund 40.000 Bildern und anderen Dokumenten an und prüfen, ob und inwieweit die Programme diese Dateien aufbereiten und zur Verfügung stellen können. Die wichtigsten Kriterien für uns sind: Leistungsumfang, Pflege, Benutzerfreundlichkeit, Geschwindigkeit und Performanz. (Alle Illustrationen © oweiss.com)

Wir testeten die Programme in Single-User-Versionen auf einem Dual 1.25 GHz PowerPC G4 mit Mac-OS 10.3.

BlueBox basic schneidet hier allerdings deutlich schlechter ab als die Konkurrenz; viel zu viele Funktionalitäten und Benutzungsregeln weichen von allem ab, was man üblicherweise von Mac-Programmen erwartet. Die Software wirkt so, als sei sie eigentlich für eine Unix-Server-Umgebung zur Online-Nutzung programmiert worden und dann auf Mac-OS portiert worden. Das ist nicht grundsätzlich unsympathisch, da uns der von BlueBox eingeschlagene Weg in der Bilddatenbanktechnologie am vielversprechendsten erscheint; aber es erschwert die Arbeit enorm.

Auch die angebotene HTML-Hilfe ist mehr als dürftig und wurde offenbar direkt aus den Entwicklungslabors in den Vertrieb entlassen – anders sind die für Laien teilweise wenig verständliche Sprache und die vielen Rechtschreibfehler nicht zu erklären. Insgesamt ist die angebotene Hilfedatei auch etwas spärlich gehalten, ganz anders als etwa im dicken Handbuch von Cumulus, das sich allerdings streckenweise anhört wie ein Semiotik-Propädeutikum – Philosophenphrasen wie "Datensätze repräsentieren Assets" sind ungenau aus dem Amerikanischen übertragen und schüchtern mehr mehr ein als sie erklären.

Beim Einlesen von Bildern in Portfolio können in den Katalogoptionen definierte Schlüsselwörter und weitere Felder on the fly zugewiesen werden.

Abgesehen davon sind die Handbücher von Cumulus, Portfolio und iView MediaPro vorbildlich – informativ und sehr gut aufgemacht. Nicht jedem wird allerdings gefallen, daß Extensis seine Software nur mit englischsprachigem Handbuch anbietet.

"Assets" sind nur dann wirkliche "Vermögenswerte", wenn man weiß, daß man sie hat und man sie findet, wenn man sie braucht, und zwar möglichst schnell und effizient. Niemand hat Lust oder die Zeit, sich durch Myriaden von Dokumenten zu wühlen, um dann möglicherweise durch Zufall ein passendes Bild zu finden. Im Gegenteil: Man möchte mit einer Handvoll Suchbegriffen möglichst schnell geeignetes Bildmaterial recherchieren, aus dem man dann auswählen kann. Internet-Suchmaschinen wie Google haben hier einen Maßstab hinsichtlich der Bedienung und Effizienz gesetzt.

Die Suche nach Bilddateien und Dokumenten ist bei allen Anbietern mehr oder weniger gut gelöst. Gesucht werden kann nicht nur nach Dateinamen, sondern auch nach Stichwörtern und Eckdaten wie Bildgröße oder Erstellungsdatum. Bei erfolgreicher Suche gibt das Programm an, auf welchen Datenträgern sich die gesuchten Bilder befinden.

Lediglich BlueBox erfordert die Eingabe von Wildcards (* oder @) bei Wortteilen. Das mutet anachronistisch an. Im Internet-Zeitalter möchte niemand mehr Zusatzzeichen angeben müssen, um Datenbanken zu durchforsten.

Bei BlueBox ist das Suchfeld zudem gut versteckt und hinsichtlich der Bedienlogik wenig einleuchtend. Klickt man darauf, werden in einem Popup-Fenster Suchkriterien wie Titel, Autor und Dateiname angezeigt – aber kein Feld für Schlüsselwörter. Drückt man zusätzlich die Apfel-Taste, erscheint ein einsames Suchfeld, mit dem ausschließlich Schlüsselwörter durchforstet werden können. Bei BlueBox sind die Suchmöglichkeiten zudem wesentlich beschränkter als bei der Konkurrenz. So kann man z.B. nicht nach Datei- oder Pixelgröße recherchieren.

 

Dateien einlesen und katalogisieren

Bevor man Bilder mit Schlagwörtern versieht und sie in "Katalogen" zusammenfasst, müssen sie erst einmal "importiert" werden. Beim Import wird jede eingelesene Datei daraufhin überprüft, ob das Dateiformat erkannt wird. Anschließend werden Thumbnails, also verkleinerte Abbildungen der Originaldateien, erstellt. Die Originale werden dabei natürlich nicht verändert. Die Thumbnails und sonstige Dokumentinformationen werden in Katalogen gesammelt.

Digital Life

Digital Asset Management (DAM):
Dieses Modewort der Publishing-Szene beschreibt Methoden des Zugriffs und der Verwaltung von digitalen Dateien.

Asset:
Der aus der Finanzwelt stammende Begriff "Assets" ("Vermögenswerte") beschreibt katalogisierte Dateien oder Daten (wie z.B. Bilder, Textdokumente, Soundfiles oder Layouts), die man auch für mögliche zukünftige Zwecke verfügbar machen möchte. DAM-Software versucht, das Wiederauffinden dieser digitalen Mediendateien auf möglichst einfache Weise zu lösen.

Katalog:
In diesen "Aktenschränken" werden Informationen über bestehende Assets abgespeichert. Ein Katalog kann zum Beispiel Bilddateien rund ums Auto beinhalten, während ein anderer Fotos von Helmut Newton umfaßt; beide Kataloge können sich selbstverständlich überlappen.

Kollektion:
Kollektionen sind das was "Reports" bei Datenbanken sind, nämlich die gezielte Aufbereitung von Daten unter bestimmten Gesichtspunkten. Cumulus spricht von "Momentaufnahmen" eines Katalogs in einem bestimmten Zustand. Die Ergebnisse einer Suchabfrage etwa sind eine
Kollektion.

Kategorie:
Wie Ordner in einem Aktenschrank dienen Kategorien zum Ordnen der Assets.

Metadaten / Datensätze:
Metadaten sind in einer Datei "unsichtbar" eingebettete Zusatzinformationen z.B. über Autor, Copyright, Lizenzbeschränkungen, Erstellungsdatum oder Schlüsselwörter.

IPTC:
Dieser Standard des International Press Telecommunication Council definiert Metadaten für den Austausch digitaler Dateien wie Fotos, Grafiken, Videos und Textdokumenten.

Relationale Datenbank:
Wie bringt man so unterschiedliche Dateien wie Fotos, Webseiten oder MP3-Sounds unter einen Hut? Mit einer sogenannten relationalen Datenbank, bei der Informationen zu diesen Dateien in Tabellen abgelegt und so miteinander verknüpft werden, daß auch komplexe Abfragen einfach möglich sind.

Thesaurus:
Ein Schlagwortkatalog mit Begriffen, die eine Datei kennzeichnen. Bilddatenbanken arbeiten mit hierarchisch gegliederten Schlagwörtern.

Welche Dateiformate erkannt und wie sie im Katalog angezeigt werden, unterscheidet sich stark von Anbieter zu Anbieter. Wird ein Dateiformat erkannt, das aber keine Bildinformationen enthält, die sich für ein aussagekräftiges Thumbnail eignen, wird in der Regel ein Plazhalterbild angezeigt.

Natürlich erkennen alle Programme sämtliche gängigen Bildformate wie .tif, .bmp, .jpg, .gif oder .png und auch das Photoshop-Format .psd. .eps-Bilder werden nur dann als aussagekräftiges Thumbnail angezeigt, wenn bei der Erstellung ein Vorschaubild eingebettet wurde. iView MediaPro erkennt Textdokumente und HTML-Seiten nur dann, wenn diese Formate in den Optionen aktiviert werden. Das Corel-Draw-Format .cdr wird akzeptiert, nicht aber .cmx, ebensowenig – und das ist wirklich erstaunlich –, wie das Word-Format .doc oder QuarkXPress-Dateien. In Mac-OS 9 erstellte .pdf-Dokumente benötigen ein über die Hersteller-Website downloadbares Zusatzmodul. InDesign-Dokumente benötigen die Extension .InDd" oder .IDd3 – damit werden Windows-Dateien im Format .indd nicht erkannt. Nicht erkannte Formate wie .zip werden beim Import in den Katalog nicht einmal in Form von Platzhaltern aufgenommen. Cumulus dahingegen erkennt .zip-Dateien und zeigt deren Inhalt an, sofern er Formate beinhaltet, die die Software versteht. Leider erkennt das Programm aber keine HTML-Seiten. BlueBox versteht dem gegenüber leider nur die gängigen Bildformate.

Gelöschte Bilder in iView Media Pro (s. Text).

Beim Import von Dateien werden in der Regel auch sogenannte "Metadaten" mit importiert. Das sind "unsichtbar" in die Dateien eingebettete Zusatzinformationen, die das Dokument näher beschreiben, und die für die Archivierung und das Wiederauffinden hilfreich sein können. So könnte der Benutzer z.B. gezielt nach Bildern vom World-Trade-Center am Tag nach dem 11. September 2001 recherchieren.

Gelöschte Bilder in Portfolio (s. Text).

Viele Digitalkameras speichern pro Bild zusätzlich sogenannte "Exif"-Informationen über den verwendeten Kameratyp, Aufnahmezeit, Brennweite und Blendeneinstellung mit ab. Selbst geografische GPS-Daten des Aufnahmeorts können mit gespeichert werden, sofern die Kamera das unterstützt.

Eine größere Rolle spielen die sogenannten "ITPC"-Daten, die Metadaten zu Copyright, Autor, Datum, Schlagwörtern oder speziellen Notizen oder Hinweisen enthalten können.

 

Schildkröten und Gazellen

Die meisten Programme erlauben nach eigenen Angaben den zahlenmäßig unbegrenzten Import; iView MediaPro ist allerdings begrenzt auf 128.000 Dateien pro Archiv. Im Praxistest haben wir versucht, einen Ordner mit einer Reihe von Unterordnern und insgesamt 40.000 kleineren Dateien mit einer Gesamtdatenmenge von ca. 2 GB zu importieren und erstaunliche Resultate erzielt: iView MediaPro liest die Dateien in einem atemberaubenden Tempo ein, benötigt aber insgesamt 4,5 Stunden, bis alle Thumbnails erstellt sind. Portfolio arbeitet ebenfalls sehr schnell, ist uns innerhalb von zwei Stunden dabei aber dreimal abgestürzt und mußte jeweils neu gestartet werden (immerhin wurden dann aber nur die noch nicht archivierten Dateien in den Katalog aufgenommen).

Schlusslicht ist Cumulus, das sage und schreibe 14 Stunden für den Import benötigte – dafür allerdings zunächst problemlos bis zum Schluss, als es mit einem Mal abstürzte und nach dem Neustart den Katalog "reparieren" musste, was wieder eine Weile dauerte.

Den Import bei BlueBox basic konnten wir nicht vernünftig testen, da das Programm für die Archivierung keine Unterordner erlaubt. Wir hätten also jeden Ordner und Unterordner von Hand importieren und dabei jeweils warten müssen, bis die Dateien abgearbeitet sind – das war uns zu mühsam. Zwar ging der Import pro Unterordner ausnehmend schnell von statten, aber insgesamt ist die Importfunktion einfach noch nicht ausgereift. Irritierend finden wir auch, daß elementare Informationen zu Dateien wie etwa die Größe in KB nicht automatisch extrahiert und dargestellt werden, sondern von Hand angegeben werden müssen – das widerspricht jeder Logik von Bilddatenbanken, die uns das Leben doch erleichtern sollen, anstatt Aufgaben nur zu verlagern. Gravierend ist im übrigen auch, daß BlueBox basic lediglich einen einzigen Katalog erlaubt.

 

Assets synchronisieren

Wenn sich eine Originaldatei verändert oder gelöscht wird (in den Papierkorb schieben und den Papierkorb leeren), die bereits in einen Dokumentenkatalog eingelesen wurde, würde man erwarten, daß sich auch der Katalog entsprechend aktualisiert, ebenso wenn eine sich neue Datei im Originalordner befindet – man spricht hier von "Synchronisation von Assets". Doch weit gefehlt! Die getesteten Programme gehen mit diesem in einer Agentur durchaus häufig auftretenden Fall ganz unterschiedlich um. Erstaunlicherweise wird man bei keinem der getesteten Produkte darauf aufmerksam gemacht, daß die Originaldatei verändert wurde. Auch synchronisiert keines den Katalog einfach auf Knopfdruck oder gar automatisch.

Neu hinzugefügte Bilder in Portfolio nach der Synchronisation (s. Text).

Bei BlueBox basic erhält man keine Meldung, wenn die Originaldatei zu einem Thumbnail gelöscht wurde. Nur wenn man versucht, das Preview-Bild zu öffnen, wird man dazu aufgefordert, den Ort der Originaldatei neu zu bestimmen. Löschen kann man die Thumbnails zu fehlenden Bildern nur Stück für Stück.

Auch bei iView MediaPro kann ein durch eine gelöschte Datei veränderter Referenzkatalog nicht automatisch synchronisiert werden. Nur wenn man weiß, welche Datei gelöscht wurde oder alle Dateien im Katalog daraufhin abklappert, kann man die Referenz von Hand löschen.

Schlüsselwörter müssen in Cumulus für jede Bilddatei vollständig von Grund auf neu eingegeben werden. Eine Auswahl aus bisher eingegebenen Begriffen wird nicht angeboten.

Dasselbe bei Cumulus: Auch hier werden nach der Auswahl "Synchronisieren" Referenzen auf nicht mehr existierende Bilder nicht entfernt, sondern müssen von Hand gelöscht werden. Wieder muss man wissen, welche Bilder nicht mehr existieren, da Cumulus einen Warnhinweis nur dann gibt, wenn man ein Thumbnail einer gelöschten Originaldatei doppelklickt.

Bei Portfolio muss man sich durch das Menü "Edit > Find > Missing Originals" mühen, das den Katalog mit den Originaldateien abgleicht und eine Liste veränderter oder fehlender Dateien anzeigt, die man dann stückweise oder auf einen Schlag updaten oder aus dem Index entfernen kann.

Einfacher geht’s mit Portfolios "FolderSync"-Feature. Dabei bestimmt man einen bestimmten Ordner als "Watched Folder" und gleicht ihn mit dem Befehl "Synchronisieren" mit dem Originaldateiordner ab. Nicht gefundene oder veränderte Dateien werden in einer Liste angezeigt und können aus dem Eintrag entfernt werden – allerdings völlig unverständlicherweise nur jeweils eine auf einmal. Ebenso können neu gefundene Dateien in den Index aufgenommen werden.

Sämtliche Anbieter im Test haben im Bereich des Datenabgleichs immensen Nachholbedarf.

 

Sag mir deinen Namen, und ich sag dir, wie du heißt

Eine Bilddatenbank ist immer nur so gut wie die seine Inhalte beschreibenden "Keywords" (Schlüsselwörter – auch als Stichwörter oder Schlagwörter bezeichnet). Um das berühmte Bild des Zunge bleckenden Albert Einstein zu finden, das auf der Image-CD der Bildagentur XY beispielsweise den Dateinamen p76ztzg8_04.jpg trägt, würde man natürlich mit Begriffen wie "Einstein Zunge" suchen und nicht mit kryptischen Bestandteilen des Dateinamens.

Treffende Schlüsselwörter sind das Herz jeder guten Bilddatenbank. Für den Sucherfolg ist daher die Verschlagwortung von Dokumenten von entscheidender Bedeutung. Um so erstaunlicher mutet es an, daß sämtliche Programme im Test gerade hier weitgehend versagen.

Wie man sich leicht vorstellen kann, ist es eine Heidenarbeit, Tausende von Bildern mit passenden Schlagwörtern zu versehen. Es ist ja nicht damit getan, einem Bild, das einen Gockel darstellt, den Begriff "Gockel" zuzuweisen. Denn das Bild soll über die Suchmaschine ja möglichst auch dann gefunden werden, wenn nach synonymen Begriffen wie "Hahn", Pluralbegriffen wie "Hähne", hierarchischen Oberbegriffen wie "Vogel", "Vögel", "Tier" oder "Tiere", Assoziativbegriffen wie "Misthaufen", "krähen", "Ei" oder "Kikiriki", ja selbst wenn nach gegenteiligen Begriffen wie "Huhn" und "Hühner" gesucht wird. Und dieselben Begriffe natürlich auch auf englisch und französisch.

Kaum eine Spur dieser strikten Trennung von Daten und Schlüsselwörtern ist in den getesteten Programmen anzutreffen. Zwar bieten einige Programme beim Einlesen von Dokumenten in Katalogsammlungen Mechanismen an, mit denen z.B. allen in einem Ordner befindlichen Dateien in einem Aufwasch dieselben Schlüsselwörter zugewiesen werden. Bei Anbietern wie Portfolio kann man für den Einleseprozess per Stapelverarbeitung auch sinnvolle Bildnamen vergeben. Wieder andere wie Cumulus extrahieren Schlüsselwörter aus Ordner- und Bildnamen.

Die Arbeitsoberfläche von Portfolio erlaubt die Auswahl von Begriffen aus einem Drop-Down-Menü. Nicht umwerfend komfortabel zwar, aber immerhin.

Bei Portfolio kann man jeweils nur für ein bzw. für mehrere ausgewählte Bilder Schlüsselwörter definieren – allerdings für jedes Bild bzw. jede Bildauswahl komplett von Grund auf. Vorlagen wie bereits eingegebene Wortlisten oder gar Hierarchien kennt das Programm nicht. Man kann also nicht auf bisher investierte Arbeit zurückgreifen: Für eine Bilddatenbank, die den Anspruch erhebt, Bilder gezielt zu finden, ein Armutszeugnis.

Einzige Ausnahme bildet der Zugriff auf vom Administrator als "Master Keywords" vorgegebene Schlüsselwörter – die aber auch nicht hierarchisch, sondern lediglich alphabetisch angeordnet sind. Die Auswahl dieser Master Keywords geschieht allerdings in einer anderen Arbeitsoberfläche als die Eingabe eigener Schlüsselwörter. Diese Inkonsistenz bedeutet leider viel Klickerei. Und zu überzeugen vermag dieser sehr handgestrickt wirkende Ansatz keineswegs.

Aber Cumulus macht es nicht besser. Verschlagwortungen im Feld "Notizen" müssen auch hier ohne jegliche Vorlagen auskommen und für jedes Bild bzw. Bildersammlung immer komplett neu eingegeben werden. Dafür werden Dokumentenordner anders als bei Portfolio beim Import beibehalten und zugleich als als Schlüsselwörter verwendet.

iView MediaPro wirkt da eine Spur fortschrittlicher. Allerdings ist auch hier die Verschlagwortung etwas umständlich und wirkt nicht sonderlich ausgereift. Im "Informationen"-Modus findet man die Kategorie "Schlüsselwörter" unterhalb vieler anderer Kategorien wie "Medien", "Information", "Anwendungen" und "Personen". Dabei sind doch Schlüsselwörter das, wonach man als User zuerst sucht. Immerhin kann man bei der Auswahl auf bereits angelegte Begriffe zurückgreifen und muss nicht sämtliche Schlüsselwörter immer komplett neu eingeben. Zusatztabellen – gar mit unterschiedlichen Sprachen – gibt es auch hier keine.

BlueBox basic erweist sich im Test als zwar technisch und funktionell als bislang am wenigsten ausgereift – aber man merkt ihm seine Herkunft auf wohltuende Weise an: Der Hersteller betreibt selbst eine große Bilddatenbank im Internet. Man darf gespannt sein, wie sich die Software entwickelt – genügend Potential hat sie.

Immerhin kann man im "Organisationen"-Modus durch Klicken auf die insgesamt im Katalog eingegebenen Schlüsselwörter sämtliche Bilder zum ausgewählten Begriff anzeigen lassen.

BlueBox basic verfolgt hingegen einen anderen Ansatz, der in der Realisierung zwar ziemlich unausgegoren, aber hinsichtlich der Konzeption deutlich vielversprechender ist. Schlüsselwörter können hier in einer separaten Zuordnungstabelle hierarchisch angeordnet und bei der Zuordnung zu Dokumenten gezielt ausgewählt werden. In diesem Thesaurus kann man Begriffe beliebig in ihrer Hierarchieabfolge verschieben. Außerdem bietet BlueBox basic auch die Möglichkeit an, allen Begriffen Synonyme zuzuweisen.

Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand. Um das vorherige Beispiel aufzugreifen: Anstatt sich für drei Bilddateien, die einen Hahn von vorne, einen Hahn von hinten und einen Hahn auf dem Misthaufen zeigen, jeweils eine Ansammlung von Schlüsselwörtern auszudenken, die in der Eile womöglich auch noch unterschiedlich geschrieben werden, weist man allen drei Bildern mit dem Thesaurus den Begriff "Hahn" zu – und ohne weiteres Zutun können die drei Bilder über das Suchfeld jetzt auch mit den hierarchisch jeweils eine Ebene darüber liegenden Begriffen "Vogel" und "Tier" gefunden werden. Mithilfe entsprechender Synonymeinträge in den Thesaurus erhält man auch Treffer für Begriffe wie "Tiere" und "Vögel".

Schlüsselwörter in iView MediaPro (s. Text).

Man vermeidet also zum einen, sich in der Bestimmung von Schlüsselwörtern laufend zu wiederholen – das ist im übrigen auch sehr fehleranfällig (Tippfehler wie "Vögl"). Zum anderen ist die Stichwortsammlung immer für alle Bilddateien vollständig – damit läuft man nicht Gefahr, den Begriff "krähen" beim einen Bild zu verwenden und ihn beim anderen zu vergessen.

Weiterhin ist das System beliebig erweiterbar – eine Änderung von Tippfehlern oder Erweiterung um Synonymbegriffe erfolgt genau einmal an einer einzigen Stelle und gilt damit für alle zugewiesenen Bilddateien.

BlueBox basic bietet darüber hinaus an, Begriffe in den Zusatzsprachen englisch, französisch und spanisch anzulegen – und zwar nach demselben Prinzip. Schlüsselwörter können im Thesaurus nur in der "Standardsprache" angelegt werden. Übersetzungen kann man dann Wort für Wort eintragen.

 

Theorie und Praxis

Soweit die Theorie. In der Praxis ist BlueBox basic leider sehr rudimentär, inkonsistent und fehlerhaft. So mutet etwa die Anordnung der Eingabe- und Auswahlfelder für Schlüsselwörter etwas willkürlich an. Neue Schlüsselwörter für Bilder kann man nicht direkt in der Arbeitsumgebung eingeben, sondern muss dafür das Thesaurus-Popup-Fenster bemühen. Die Begriffe müssen anschließend in der Arbeitsumgebung ein zweites Mal jeweils durch Doppelklicken ausgewählt werden, damit sie in einem etwas unmotiviert wirkenden Sichtfenster untereinander angezeigt werden.

Wie auch die Konkurrenz, bietet Portfolio den Ausdruck von "Miniaturen" an. Das ist insbesondere für Kollektionen von Bildern interessant, die man am runden Tisch in der Agentur diskutieren möchte.

Noch gravierender ist, daß eine Eingabe eines Stichworts im Thesaurus nicht sofort in der Stichwortliste aufgeführt wird. Erst wenn man aus lauter Irritation den Begriff ein zweites Mal eingibt, kommt die Meldung, der Begriff existiere bereits. Durch Herumprobieren haben wir herausgefunden, daß man auf den Button "oberste Hierarchieebene" in Form eines kleinen Hauses klicken muss, damit der gerade eingegebene Begriff auch angezeigt wird. So oder so erscheint die Begriffshierarchie nach Schließen des Thesaurusfensters nicht im Auswahlmenü. Man muss das Programm allen Ernstes schließen und neu starten, um die neuen Schlüsselwörter endlich auch zu sehen!

Auch das Löschen von Begriffen ist verwirrend: Man löscht ein Stichwort im Thesaurus, indem man es in den Papierkorb zieht. In der Arbeitsoberfläche hingegen muss man den Begriff doppelklicken, um ihn zu löschen.

Die Programmlogik von etablierten Online-Bilddatenbanken wie Corbis oder Getty Images scheint uns im Vergleich dazu weit voraus zu sein. Verschiedene Softwarentwickler von Online-Bilddatenbanken haben uns bestätigt, dass die Verschlagwortung in Unix- bzw. Linux-Umgebungen und mit Werkzeugen wie MySQL- oder Oracle-Datenbanken und Programmiersprachen wie PHP oder Java typischer Weise mit Hilfe von hierarchisch strukturierten tabellarischen Zuordnungstabellen in relationalen Datenbanken gelöst wird. Bei der Katalogisierung von Bildern werden dem Anwender in der Regel Drop-down-Menüs oder Auswahlbuttons zur Verfügung gestellt, die die Zuordnung von Schlüsselwörtern zwar auch relativ aufwändig, aber immerhin wesentlich einfacher als bei den getesteten Produkten erlaubt.

 

Workflow und Robustheit

Alle Programme bieten diverse Exportmöglichkeiten für ausgewählte Dokumente (sogenannte "Kollektionen" oder "Sammlungen) an, die man z.B. an Kunden mailen oder auf CD-ROM oder DVD brennen kann. iView MediaPro und Portfolio liefern dabei einen kostenlosen Viewer mit, mit dem man diese Sammlungen betrachten kann, ohne die Originalsoftware installiert zu haben. Auch HTML-Seiten können für Kollektionen aus den Datenbankanwendungen heraus generiert werden – für die Kommunikation agenturintern, aber auch mit Kunden, ist das recht praktisch.