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Technology:
Automatische Übersetzungsprogramme
Bitte nicht
automatisch!
||| Oliver Weiss
Automatische Übersetzungsprogramme in allen Preisklassen versprechen viel: den menschlichen Übersetzer zu entlasten. Was leisten sie im juristischen Bereich? Vier Übersetzungssysteme für Deutsch und Englisch wurden für folgenden Test geprüft. |
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| Automatic
Translation Software Tested: I have tested four software packages
which claim to simplify automatic translations of texts. |
| D |
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rei Forderungen stellen wir an die
Übersetzungs-
maschinen:
1.Die Übersetzungs-
qualität
soll gut genug sein, um den Text weitgehend ohne Zuhilfenahme der
Originalvorlage verstehen zu können.
2.Frei kombinierbare fachspezifische
Wörterbücher sollen die sinnadäquate Leistung verbessern.
3.Die Bedienung
soll einfach sein und in die vom Anwender benutzte
Textverarbeitung integriert und von dort aus gestartet werden können.
Die Arbeitsgeschwindigkeit ist,
solange sie in gewissen Grenzen bleibt, keine Forderung, denn: lieber langsam
und richtig als schnell und falsch.
Um
es gleich zu sagen: Die Testergebnisse können sich nicht sehen lassen. Sie
sind derart ernüchternd, daß dieser Bericht viel kürzer ausfällt als ursprünglich
geplant. Keines der vorgestellten Systeme leistet die geforderte Qualität.
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Die
Ergebnisse
Die
Vorgehensweise bei der Übersetzung: Allen vier Systemen mußten unter
Einbindung von separaten Wörterbüchern aus Recht und Wirtschaft den
folgenden juristischen Text – eine Begriffsdefinition und
exemplarisch zwei typische Rechtsbegriffe – vom Englischen ins
Deutsche übersetzen. Wenn möglich, wurde interaktiv unterstützt.
Original Englisch:
a)
Product liability refers to the legal liability of manufacturers and
sellers to compensate buyers and users for damages or injuries
suffered because of defects in goods purchased. b) Gross neglect, c)
due diligence
Original Deutsch:
a) Produkthaftung bezieht sich auf die
gesetzliche Verpflichtung des Herstellers oder Händlers, den Käufer
oder Benutzer für Schäden oder Verletzungen aufgrund erworbener
mangelhafter Ware zu entschädigen. b) Grobe Fahrlässigkeit, c)
erforderliche Sorgfalt
Personal Translator plus:
a) Produkthaftung bezieht sich auf die
Haftpflicht von Herstellern und Verkäufern, um Käufer und
Verbraucher für Schäden oder Verletzungen zu entschädigen, die
wegen Fehler in gekauften Waren erlitten sind. b) Verdienen Sie
Vernachlässigung brutto, c) nötige Sorgfalt
Power Translator Professional:
a)
Produkt-Verbindlichkeit bezieht sich auf der gesetzlichen
Verbindlichkeit von Herstellern und Verkäufern, um Käufer und
Anwender für Schadenersatz oder Verletzungen zu entschädigen, die
wegen Defekte in Gütern gelitten werden die gekauft werden. b)
massige Vernachlässigung, c) fälliger Fleiß
Telegraph (interaktiv übersetzt):
a)
Produkt-Haftung bezieht sich auf die gesetzliche Verpflichtung von
Herstellern und Verkäufern, um Käufer und Verbraucher für
Schadensersatz oder Verletzungen zu entschädigen, erlitt wegen Fehler
in Waren, die erworben wurden. b) unfeine Vernachlässigung, c) fälliger
Fleiß
Transcend:
a) Produkthaftung sieht die gesetzliche
Haftung von Herstellern und Verkäufer, Käufer und Verbraucher für
Schäden zu entschädigen, oder Verletzungen hat wegen Fehler in Gütern
gekauft haben gelitten. b) Bruttovernachlässigung c) Fällig
diligence
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Wozu
brauchen Juristen Übersetzungsprogramme? Unsere ersten Tests zeigten, daß
die Übersetzung einfacher Geschäftsbriefe ins Englische für professionelle
Ansprüche völlig unbrauchbare Ergebnisse liefert. Deshalb entschlossen wir
uns, den umgekehrten Weg zu gehen und die Qualität von Rohübersetzungen aus
dem Englischen, etwa von Vertragstexten oder Urteilen, zu prüfen. –
Zugegeben: Wir machen es den Programmen mit unseren Textbeispielen (siehe
Kasten) nicht ganz leicht.
Aber
im juristischen Bereich kann man seine Texte nicht auf das Übersetzungssystem
einstellen, indem man sie einfacher formuliert. Sondern sie kommen so wie sie
sind und nicht anders.
Personal
Translator plus
Dieses in Zusammenarbeit mit IBM und
dem Klett-Verlag (Pons) veröffentlichte Programm braucht mit Abstand am längsten
für die Übersetzung. Die Qualität ist zwar nicht großartig, aber mit
Abstand besser als die der Konkurrenz. Besonders interessant ist die Möglichkeit,
ganze Sätze in übersetzter Form als Nachschlagevorlagen zu archivieren: Daß
das Ergebnis dadurch verbessert wird, liegt auf der Hand. Das Programm ist das
billigste und zugleich beste im Test. Die Oberfläche ist übersichtlich und
ansprechend gestaltet und kann in Word eingebunden werden. Etwa ein Dutzend
verschiedener Wörterbücher, die im Grundset bereits eingebaut sind, können
miteinander kombiniert werden.
Power
Translator Plus
Das interessanteste Gadget in diesem
von Globalink angebotenen System ist die akustische Ausgabe von Texten in
beiden Sprachen: zwar nicht sonderlich verständlich und ohne große
Satzmelodie, aber immerhin. Die mittelmäßige Übersetzungsleistung kann davon
jedoch nicht kaschiert werden.
Verschiedene Wörterbücher sind
separat zu erwerben. Eigene Ergänzungen sind ärgerlicherweise nur durch
komplizierte Kodierungen möglich. Die Benutzeroberfläche läßt viele Wünsche
übrig. Die vom Hersteller angekündigte Interaktivität bezieht sich auf das
eigenhändige Ergänzen von Text in einem importierten Dateidokument.
Telegraph
Das teuerste Produkt im Test,
ebenfalls von Globalink, ist das einzige, das nicht alles vollautomatisch
regelt: Sätze können wahlweise interaktiv übersetzt werden. Dabei
entscheidet man sich per Mausklick bei kritischen Wörtern in einer
Vorschlagsliste für die beste Übersetzung.
Dieser Zeitaufwand macht sich
schneller bezahlt als der der Nachkorrektur. Allerdings ist nicht einzusehen,
warum man in dieser Umgebung nicht selbst Begriffe eingeben kann, die nicht in
der Auswahlliste stehen.
Immerhin: Die Übersetzung bleibt insgesamt nicht statisch schlecht, sondern
wird durch längeres interaktives Training des Systems verbessert. Die Übersetzungsleistung
im Mittelfeld rechtfertigt den überproportionierten Preis in keinster Weise.
Transcend
Das von HEI-Soft angebotete Programm
steht auf Nummer zwei von oben in der Kostenskala und weckt deshalb hohe
Erwartungen. Doch die Enttäuschung ist groß: Die Übersetzung ist mit
Abstand die schlechteste von allen.
Die Holterdipolter-Bedienung ist ein
weiterer Schwachpunkt, beispielsweise ist die Einstellung der Übersetzungsrichtung
– immerhin das Allerwichtigste ganz zu Anfang – unverhältnismäßig
kompliziert.
Als einziges Programm im Test verfügt Transcend nicht über eine
eigene Textverarbeitung. Zwar kann die Übersetzung durch eine Schnittstelle
zu Word aktiviert werden, aber leider funktioniert das alles nach Regeln, die
möglicherweise die Programmierer selbst nicht verstehen. Zusätzlich
erwerbbare Wörterbücher können nicht miteinander kombiniert werden. Völlig
indiskutabel ist es im übrigen, daß die einzige Hotline in die USA führt.
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Der
Traum vom automatischen Übersetzer
  
Die bloße Zuordnung und
Modifizierung einzelner Wörter nach einem durch eine Handvoll Regeln
gesteuerten "Dictionary-Look-up"-
Modell genügt nicht, um einen Text inhaltlich zu erfassen. Denn der
Sinn entsteht durch die Verknüpfung von Wörtern nach komplizierten
syntaktischen und semantischen Regeln. Ein intelligentes Übersetzungssystem
muß diese inhärente Logik entschlüsseln.
Mit den Jahrzehnten wurden
zwar die Zuordnungsalgorithmen besser, die Speicher größer und die
Rechner schneller. Die trotz alledem bescheidenen Ergebnisse moderner
automatischer Übersetzer zeigen jedoch, daß das eigentliche Problem
tiefer liegt: Eine sinnadäquate Übersetzung hängt nicht in erster
Linie von der Datenmenge ab – Komplexität ist schließlich das
Spezialgebiet des Rechners –, sondern von der Art der Abbildung der
wirklichen auf die simulierte Welt, d.h. von dem "Set of Rules",
das Satzinhalt und -logik in einem Regelsystem beschreibt.
Auch mit dem schnellsten
Rechner der Welt kann man unmöglich alle möglichen kombinatorischen
Fälle der Sprache abdecken. Das menschliche Gehirn zum Vergleich
arbeitet nicht allein mit Datenbanken und Filtern, sondern vor allem
strategisch-intelligent.
Solange der Computer kein
authentisches Wissen über die "Real World" hat, wird der
menschliche Übersetzer dem automatischen Kollegen nicht Platz machen
müssen. Allein bei sehr einfachen Texten, wie etwa technischen
Beschreibungen oder Nachrichtenmeldungen, wird sein Arbeitsvolumen
reduziert werden.
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Fazit
Die Arbeit der Nachbearbeitung ist
bei allen Systemen meist größer als der Nutzen der Übersetzung. Zwar spart
man sich die Rechtschreibkorrektur, da die aus Datenbanken exportierten Wörter
immerhin richtig geschrieben sind, aber wen freut das schon, wenn Sätze oder
Wörter oft falsch und sinnentstellend übersetzt werden?
Das System alle
kritischen Fälle automatisch entscheiden zu lassen, ist der falsche Zugang
– z.B bei Begriffen, die nur in einer Sprache existieren, wie etwa der
deutsche "Aufsichtsrat", der nicht dasselbe ist wie der "supervisory
board": Interaktivität ist für gute Resultate deshalb zwingend
erforderlich.
Grundsätzlich
sollte nur derjenige ein Übersetzungsprogramm verwenden, der sich in der
Zielsprache genügend zu Hause fühlt um Fehler zu erkennen. Als echte – und
viel billigere – Alternative zu automatischen Übersetzungssystemen sollte
man den Einsatz eines reinen elektronischen Wörterbuchs anderer Anbieter erwägen.
Die
Vorstellung der Hersteller, es mit einem einzigen Programm allen Anwendern
querbeet recht machen zu können, erweist sich als Eigentor. Vernünftiger wäre
es, umfassende Systeme zu entwickeln, die in jeder Hinsicht auf die
berufsspezifischen und individuellen syntaktischen und semantischen
Gepflogenheiten, also die typischen Wort-, Satz- und Grammatikverwendungen,
abgestimmt sind.
Die Speicherungsmöglichkeit von Sätzen wie beim
IBM-System ist richtungsweisend. Vorerst sollte man sich sein Geld sparen:
Lieber eine handgestrickte schlechte Übersetzung als eine maschinell
gestrickte.
[1996]
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