|

Web
Design:
Schritte zur eigenen Website:
Wie stellt man sich dar,
was ist erlaubt?
Der
virtuelle Anwalt
||| Oliver Weiss
Zwar dürfen Rechtsanwälte nicht marktschreierisch für sich werben, egal
in welchem Medium. Für den Auftritt der Kanzlei im Internet sind jedoch
ähnlich wie bei den anderen standesrechtlich eingeschränkten
Berufsgruppen der Ärzte oder Apotheker mittlerweile einige Hürden
gefallen. Wer seine Kanzlei im Internet vorstellen möchte, sollte eine
Reihe von Grundregeln beherzigen und Spielregeln einhalten. |
 |
| Web
Design for Lawyers: So you're a lawyer? If you are planning your web site you may find this article useful. |
|
E |
 |
in bißchen Text, lustige bunte Bilder und, meinetwegen, ein bißchen Programmierung: fertig ist die Website? – Von wegen: Wer aus der Masse der zumeist unglaublich schlechtgemachten Kanzlei-Websites herausstechen möchte, muß mehr investieren.
Dabei geht es weniger um Geld – ein ordentlicher und sehr einfach gestrickter Web-Auftritt muß nicht wirklich viel kosten – als darum, sich mit den Zielen und der "richtigen" Strategie auseinanderzusetzen. Auch wenn die billigen oder kostenlosen Tools dazu verführen, alles selbstzumachen,
sollte man darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Denn wer am falschen Ende spart, wird
auf seine Selbstdarstellung wenig mehr Rückmeldung als Hohngelächter ernten:
lieber keine Website als eine schlechte. Hier einige Überlegungen und
Ratschläge, die Sie auf den richtigen Weg führen sollen.
Mehr als bunte Bilder
Was wollen Sie? Warum will man eigentlich in Netz? Eine Antwort auf diese Frage muß man zu allererst finden, bevor man sich auf die eigene Kanzlei-Website einläßt. Eine Website ist eine moderne und lebendige Form der Selbstdarstellung mit drei Hauptzielen: Informationsvermittlung (Adressen, Angaben zu Personen, Anfahrtplan), Werbung in eigener Sache (Vorsicht: anwaltliche Standesbeschränkungen, s.u.), und Kommunikation (Mandantenkontakt). Sie
sollte als offenes System konzipiert werden, das strukturelle, inhaltliche und technische Erweiterungen ohne unverhältnismäßigen Aufwand erlaubt.
Eine gutgemachte Website muß den Inter-
essenten durch die "richtige Anmutung" für sich gewinnen, indem Inhalt und Design aufeinander abgestimmt sind. |
Eine gutgemachte Website überzeugt durch Übersichtlichkeit und intuitive und einfache Navigation. Sie muß ansprechend gestaltet sein und den Interessenten durch die "richtige Anmutung" für sich gewinnen, indem Inhalt und Design aufeinander abgestimmt sind und dem Image entsprechen, das man von sich geben möchte ( "Corporate Identity"). Und nicht zuletzt sollte das Webangebot informativ und aktuell sein. Dabei sind weder die
Seriosität von Angebot und Auftritt aus den Augen zu verlieren noch die anvisierte Zielgruppe.
"Website" vs. "Homepage": Was für einen Internet-Auftritt wollen Sie – eine Art Online-Visitenkarte im Netz mit zwei, drei Angaben zu Ihrer Person, Adresse und Wegbeschreibung? Oder eine mehrere Einzelseiten umfassende Selbstdarstellung, die dem Interessenten zusätzliche Information bietet? So könnten Sie etwa ausgewählte Publikationen, die von allgemeinem Interesse sind, einstellen, oder eine Rubrik, in der Sie ab und zu
Informationen über Neuentwicklungen mitteilen. Ein guter Tip: Versetzen Sie sich bei der Konzeption Ihrer Site immer wieder in die Lage des Nutzers und lassen Sie Ihre Entwürfe von Außenstehenden überprüfen. Allzu groß ist die Gefahr, daß man sich verrennt, indem man z.B. großspurig auf den Putz haut, anstatt informativ, freundlich und bescheiden zu bleiben, ohne seine Professionalität aufs Spiel zu setzen.
Selbst machen oder in Auftrag geben?
Was heißt eigentlich "Webdesign"? Verwechseln Sie den Begriff "Webdesign" nicht mit "Grafik-Design": Bei einer Website geht es um weit mehr; ein treffender Begriff ist "Website Engineering". Ein Website-Engineering-Projekt gliedert sich in folgende Phasen – hier für den Fall, daß Sie Ihren Online-Auftritt in Zusammenarbeit mit einem Designer oder einer Agentur unterfangen:
a) Projekt-Design: Projekt-Management (Pflichtenheft: Festlegung von Zielsetzung und Projektplanung, Kostenschätzung, Vertrag);
b) Informations-Design: Konzeption und Festlegung von Inhalt und Struktur; das Angebot muß informativ, aktuell, nutzbringend und übersichtlich sein sowie intuitiv und einfach zu navigieren;
c) Grafik-Design: Grafische Realisierung (Layout, Grafik und Illustration, Bildbearbeitung, Typografie); die grafische Darstellung muß Inhalt und Struktur einfangen und mit der Vermittlung einer positiven "Anmutung" abbilden;
d) Software-Design: Technische Umsetzung von Struktur und Grafik-Design in eine Website (HTML-Kodierung und Programmierung unter Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten des Internets); die erstellte Software muß zuverlässig funktionieren und effizient programmiert sein.
| Eine Website ist nicht fertig, wenn sie online ist, da die eigentliche Arbeit erst beginnt. |
Selten werden Sie jemanden finden, der alle erforderlichen Fähigkeiten in einer Person vereint; tendenziell sollten Sie daher eher nach kleineren Agenturen Ausschau halten.
Wie findet man einen Webdesigner? Die gelben Seiten helfen hier wenig. Am besten surfen Sie bei den Websites von Kollegen vorbei, oder nehmen andere Internet-Auftritte, die Ihnen gefallen, unter die Lupe. Bei den allermeisten Angeboten finden Sie Angaben über den Urheber. Und von dem lassen Sie sich einfach ein Angebot machen.
Wie arbeitet man mit einer Webagentur zusammen? Finden Sie eine Vertrauensperson und reden Sie! Versuchen Sie, gemeinsam zu vermitteln was Sie wollen. Lassen Sie sich Beispiele zeigen und Strategiemodelle. Sie werden merken: Erst wenn man darüber spricht, klärt sich der Nebel. Übrigens: Bleiben Sie in ständigem Kontakt! Ein einmaliges "Briefing", womöglich nur am Telefon, wird Sie wenig glücklich machen. Und nochwas: Seien Sie im
Zweifelsfall bereit, Geld auszugeben – das hängt natürlich von dem ab was Sie wollen: was großes oder kleines. Rechnen Sie mit einem Stundensatz von 100 bis 300 Mark; eine mittelgroße Website kann sich da schnell auf viele Tausend Mark belaufen.
Was, wenn die Website fertig ist? Ein grobes Mißverständnis, zu glauben, die Website sei fertig, wenn sie online ist. Denn die eigentliche Arbeit beginnt erst. Ihre Website muß ständig auf dem neuesten Stand sein, und außerdem sollte sich zumindest ab und zu was tun. Die Frage der Pflege (das "Updating") sollten Sie mit Ihrem Designer absprechen. Achten Sie darauf, sich nicht von ihm abhängig zu machen. Fragen Sie nach
Entwicklungswerkzeugen, damit Sie die Site eines Tages selbst betreuen können oder an einen anderen Designer auslagern können. Sprechen Sie über die Übertragung von Urheber- und Nutzungsrechten.
Sie wollen Ihre Website selbst machen? Ok, aber Sie sollten wissen, worauf Sie sich einlassen. Auch 14-jährige Nachbarssöhne, die mit dem Computer umgehen können, sind im Zweifelsfall lausige Webdesigner. – Sogenannte "HTML-Editoren", mit denen Sie den Code Ihrer Website grafisch unterstützt halbwegs automatisch erzeugen können, gibt es wie Sand am Meer. Gute Kandidaten sind etwa Microsofts
Frontpage und Marcomedia Dreamweaver. Ein günstiger Provider ist etwa Puretec (www.puretec.de;
von dem Konkurrenten Strato – www.strato.de – müssen wir aus eigener schlechter Erfahrung ausdrücklich
abraten - wir empfanden den Kundenservice mehr als dürftig).
Was ist rechtlich erlaubt? Ähnlich wie bei Ärzten und Apothekern, ist die werbliche Selbstdarstellung von Rechtsanwälten aus wettbewerbsrechtlichen Gründen durch ihre Berufsordnung beschränkt. Als Anwalt darf man auf seiner Website vor allem sagen, daß man existiert, ohne dabei die Grenzen der Werbung zu sprengen. Diese Grenzen sind natürlich schwammig, und sowohl die Kammer als auch die Rechtsprechung sind inzwischen etwas ziviler geworden.
Fest steht,
daß man auf keinen Fall sagen darf: "Ich bin der Anwalt, den Sie suchen , kommen Sie zu mir!" Man ist gut damit beraten, sozusagen durch die Hintertür auf sich aufmerksam zu machen: nämlich durch einen professionellen Auftritt (Struktur, Design) und informative Inhalte (sachliche Hinweise, Publikationen). So entgeht man dem Marktschreierischen – und kommt obendrein vermutlich auch bei potentiellen oder bereits bestehenden Mandanten besser an. Im Zweifelsfall sollte man das
Webangebot schon während der Planungsphase, spätestens aber vor der Onlinesetzung, genauestens prüfen.
[2000]
|