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> Darf's ein bisschen mehr sein?
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Tutorium:
Titelbildillustration
zum Thema "Spam"
Darf’s ein bisschen
mehr
sein?
||| Oliver Weiss
Der Auftrag: eine Titelbildillustration zum Thema Anti-Spam-Maßnahmen. Die Lösung: Tusche, Acrylfarbe, Scanner und Photoshop. |
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out and Buy: Tired of finding tons of spam mails in your mailbox
every day? Here is a walkthrough of how Oliver Weiss designed a cover
illustration on the topic. |
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elcher Internet-User kennt das Problem nicht? Man öffnet am Morgen arglos sein E-Mail-Postfach und wird mit Dutzenden, manchmal sogar Hunderten von Werbe-E-Mails überflutet, die einem alles andrehen wollen, was der Markt hergibt, von unglaublich lukrativen Geldanlagen in Afrika über kostengünstige Potenzmittel, selbst bis hin zu (fast) geschenkter Anti-Spam-Software!
Eine italienische Internet-Zeitschrift beauftragte ein plakatives Motiv zum Thema „Spam“ für ihre Titelseite. Wir entscheiden uns für folgendes Setting: Zahllose Anbieter von Spam-Werbung belagern einen Mann von allen Seiten. Von den Anbietern - den Spammern - sieht man nur lange Arme und Hände, die diverse Produkte anbieten.
Die aus heiterem Himmel überfallene Figur in der Mitte des Bildaufbaus sehen wir lediglich als Silhouette. Damit unterstreichen wir das Prinzip von Spam: Den Anbietern ist es vollkommen egal, wen genau sie mit ihrer unerwünschten Werbung ansprechen - sie setzen auf Masse: Solange einer von Zehntausend etwas kauft, rentiert sich das Geschäft.
1)
Das Konzept
Das Phänomen „Spam“ ist zwar heute in aller Munde, weil es nahezu jeden Internet-Nutzer auf der ganzen Welt betrifft. Die Idee jedoch, auf Masse zu setzen anstatt auf eine spezifische Zielgruppe, kommt aus dem Direct Mailing und ist uralt.
Für unser Titelbild entscheiden wir uns daher für eine Illustration, die keineswegs modern, sondern im Gegenteil nahezu zeitlos wirkt, ganz so, als wäre sie in den Fünfziger oder Sechziger Jahren entstanden. Das Bild soll so aussehen, als sei es mit Tuschefeder und Pinsel in leuchtenden Gouchefarben auf Papier gemalt.

Den Mann in der Mitte konzipieren wir als Vertreter einer typischen amerikanischen Kleinstadt, komplett mit Hut. Die langen, gummiartig verzwirbelten Hände der Produktanbieter sollen an den Fliegenden Jakob auf einer Kirmes aus den Fünfzigern erinnern, der seine zweifelhaften Waren per Bauchladen und Marktgeschrei feilbietet.
Wir entwickeln die Illustration zunächst als eine Reihe von Handzeichnungen mit Tuschestift, die wir anschließend in Photoshop zusammensetzen. Die Farbe wird mit einem „Faux Finish“-Pinsel aus dem Pinsel-Auswahlmenü aufgetragen. Den letzten Schliff verpassen wir der Zeichnung durch die Überlagerung eines mit Acrylfarbe gemalten Pinselstrich-Scans.
2) Die Skizze
Die Skizze ist sicherlich der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einer Illustration. Sie bestimmt a) die Inhalte durch das Arrangement der Einzelelemente, b) die Form durch den gewählten Stil, c) die Dynamik durch den „Schwung“ der Strichführung und die Spannung der Einzelelemente untereinander, sowie d) die individuelle Handschrift des Illustrators, also den persönlichen künstlerischen Duktus.
Im vorliegenden Motiv skizzieren wir die groben Konturen des Bildaufbaus mit einem dicken Filzstift.

3)
Die Reinzeichnung
Auf Grundlage der Skizze entsteht die Reinzeichnung auf dünnen Papierseiten (Stärke 70 g/m2), die über die Skizze gelegt werden. Wir zeichnen auf einem Blatt - durchaus redundant - die Arme, Hände und Produkte der Anbieter („Easy Weight Loss“, „Offshore Drugs!“, „Viagra“, „Kenya Account“, „Hair gro“) und auf einem anderen die schwarze Figur mit hoch fliegendem Hut - noch nicht notwendigerweise im fertigen Arrangement.



Die Reinzeichnungen werden mit 300 dpi eingescannt und auf zwei Ebenen (Spammer und Mann) in Photoshop mithilfe der Ebenenfunktion (Option „Multiplizieren“) stückweise so zusammengesetzt, bis der Bildaufbau die „richtige“ Dynamik hat. Die beiden Ebenen werden anschließend auf eine Ebene reduziert, die wir „Motif“ nennen, und wir verwandeln das Bild in den RGB-Modus.
4)
Licht und Schatten
Bevor wir die Zeichnung kolorieren, machen wir sie mit Licht- und Schatteneffekten zunächst einmal plastischer. Die Lichtquelle stellen wir uns links im Bild vor; entsprechend erarbeiten wir die Schatteneffekte rechterhand.

Um den Eindruck zu erwecken, als seien die Struktureffekte von Hand gemalt, wählen wir den Bleistift im Werkzeugmenü, klicken oben in der Menüleiste auf den nach unten gerichteten kleinen Pfeil im Feld „Pinsel“ und dort im aufklappenden Untermenü auf den nach rechts gerichteten kleinen Pfeil. Im angezeigten Menü wählen wir den Pinsel „Faux Finish“ und wählen die Pinselspitze „Mesh - groß“.
    
Auf der neuen Ebene „Shadows“, die wir über die Reinzeichnungsebene legen und auf den Transparenzmodus 10% setzen, beginnen wir jetzt mit der im Farbmenü der Werkzeugleiste ausgewählten Farbe Schwarz, Schatten ins Bild zu zeichnen; wenn man sich beim Zeichnen immer vor Augen hält, dass das Licht von links kommt, geht das fast von alleine.
Ebenso gehen wir mit den Lichteffekten vor: Mit der gelben Farbe RGB 248, 219, 21 und dem Ebenenmodus der neuen Ebene „Lights“ (auf 30% Transparenz gesetzt), zeichnen wir jetzt die Lichtreflexionen. Beide Ebenen übereinandergelegt vermitteln einen plastischen Eindruck, der die Aggressivität der Spammer unterstreicht.
5)
Die Kolorierung
Jetzt geht es ans Ausmalen. Dafür legen wir unter der Reinzeichnungsebene, die wir auf „Multiplizieren“ stellen, die neue Ebene „Color“ an, blenden die Licht- und Schattenebenen aus und klicken auf den Farbeimer in der Werkzeugleiste.
Anschließend wählen wir jeweils eine Farbe aus dem Farbmenü und kolorieren die Arme, Hände und Produkte. Bei geschlossenen Flächen können wir auch die im Farbeimer-Modus oben in der Menüleiste angezeigte Option „Alle Ebenen“ auswählen und Farbe direkt mit dem Farbeimer in die geschlossenen Flächen füllen.

6)
Weitere Effekte
Zur Überstützung der Dramatik des Motivs erstellen wir einen leuchtend Gelb (Farbe wie bei den Lichteffekten) kolorierten comichaften Stern in einer unter der Farbebene neu angelegten Ebene mit dem Polygonal-Lasso-Werkzeug aus dem Werkzeugmenü, die wir zur Abschwächung auf 90% Transparenz setzen.
Um den Eindruck eines mit Pinsel gemalten Bildes zu verstärken, malen wir mit einem dicken Pinsel und roter Acrylfarbe mit einem Schuß Schwarz einige grob strukturierte Striche auf ein starkes Blatt Zeichenpapier; Unregelmäßigkeiten in der Strichführung und abgelöste Härchen des Pinsels sind erwünschte Fehler (s. Detailbild)!
Das Acrylbild wird eingescannt und als unterste Ebene in unsere Photoshop-Datei importiert. Unter „Bild > Einstellen > Farbton/Sättigung“ wird der Regler bei „Farbton“ auf 34 gezogen; dadurch verfärbt sich das Rot-Schwarz zu einem leuchtenden Orange. Leider aber sind der Silhouetten-Mann und der Stern noch ohne Struktur, da sie ja oberhalb der Acryl-Ebene liegen.
  
Dem wird wie folgt abgeholfen: Wir kopieren die Ebene und ziehen sie ganz nach oben über alle anderen Ebenen. Sie wird mit „Bild > Einstellen > Entfärben“ in den Graustufenmodus verwandelt und auf den Ebenenmodus „Hartes Licht“ mit der Transparenz 38% gesetzt. Damit erzeugen wir jetzt auch für die Figur und den Stern eine lebendige Struktur.

Das Bild wird zuletzt für den Druck auf eine einzige Ebene reduziert und in den CMYK-Modus umgewandelt.
[2005]
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