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ARTICLES > Besuch in Entenhausen


Tutorium:
Wir zeichnen
einen Comicstrip

Besuch in Entenhausen
||| Oliver Weiss

Wollten Sie immer schon mal einen Comic zeichnen? Hier zeigen wir, wie’s mit Unterstützung von Photoshop gemacht wird.

Duckburg, Revisited: Have you always wanted to draw your own comic strip? Follow this step by step tutorial how to build your strip in digital format with Photoshop.

 

I

 
Aus:
Macwelt,
Europas größter
Mac-Zeitschrift
(IDG Communications,
Juni 2004).

>DOWNLOAD PDF

>COMIC STRIPS: Hier finden Sie weitere Comicstrips in diesem Stil.

>TURTLE TALES COMICS: Hier finden Sie meinen Strip "Turtle Tales".

>OKTOBERFEST DESIGN TUTORIAL: Macwelt article on how the poster was created.

>POSTER-ILLUSTRATION: Illustration im Stile des "New Yorker".

>ILLUSTRATIONEN: Illustrationen aus dem Bereich Lifestyle.

n unserem Beispiel wird mit einem Comicstrip eine Episode im Leben der Hauptfigur Antonino erzählt: Antonino entdeckt im Park die ersten Märzenbecher, die ihn an seine große Liebe Francine erinnern. 

Doch nicht alle Erinnerungen an die Französin sind positiv. Francine ist eine Frau, die weiß was sie will und einen bis ins Detail kalkulierten Plan vom Leben hat, dem gegenüber sich Antonino hoffnungslos überfordert sieht; er sucht das Weite.

 

1) Die Idee

Wir entwickeln den Comicstrip „Antonino“ zunächst als Schwarzweißzeichnung ohne Text. Das Bild wird eingescannt und anschließend direkt in Photoshop koloriert und mit Licht- und Schatteneffekten versehen. Der Text kommt ganz zum Schluss.

 

2) Das Konzept

Das Wichtigste bei einem Comicstrip ist die zu erzählende Geschichte. Das ist wie beim Film: Eine gute Idee (der „Plot“) macht noch lange keine gute „Story“. 

Die Idee des Strips wird in Form eines kleinen Drehbuchs („Script“) entwickelt und als „Storyboard“ skizziert. Es legt die Erzählperspektive („Setting“) und den Erzählstrang fest („Flow“). In den einzelnen Bildern („Panels“) wird der Ablauf der Geschichte zusammen mit dem Text festgelegt. In der eigentlichen Ausführung schließlich kommen dann Aspekte wie Kameraperspektive, Licht und Schatten sowie Platz für den Text ins Spiel.

Bei einem Comicstrip entscheiden die ersten Bilder, ob beim Leser Interesse geweckt und weiter gelesen wird. Man kann die Wichtigkeit des Storyboards gar nicht genug betonen. Selbst ein so erfahrener Zeichner wie Charles M. Schulz, der seinen „Peanuts“-Comicstrip immerhin über 50 Jahre lang zeichnete, legte nicht gleich mit der Reinzeichnung los, sondern entwickelte seine Strips grundsätzlich step by step mit Storyboards.

Von der Skizze über die Reinzeichnung bis hin zum kolorierten Bild mit Licht- und Schatteneffekten und Text.
3) Die Skizze

Einen Comicstrip von Anfang bis Ende in der richtigen Reihenfolge und mit stimmigen Größenverhältnissen zu entwickeln, ist nicht ganz einfach. Daher skizziert man die einzelnen Bildelemente am besten unabhängig vom geplanten Format auf losen Blättern und setzt sie anschließend digital mit Photoshop zusammen. Das genaue Skalieren auf das im Ergebnis gewünschte Format erfolgt ebenfalls digital. „Antonino“ wird im Format A4 angelegt.

4) Die Reinzeichnung

Die so zusammengesetzte Skizze wird seitenfüllend auf einem A4-Drucker ausgedruckt und auf einem darüber gelegten Transparentpapier mit einem Tuschestift ins Reine gezeichnet. Das Ergebnis wird mit 300 dpi im Graustufenmodus eingescannt.

Die Konturen der Zeichnung werden bei Scannen nicht pechschwarz erfasst, sondern leicht gräulich und mit Abstufungen in verschiedenen Grautönen: ein Effekt, der das Bild lebendiger wirken lässt, als würde man nur mit Schwarz und Weiß im Bitmap-Modus arbeiten.

Für den Scan sollte man die Belichtungsanpassung so einstellen, dass die dunklen Bereiche des Bildes (die Linien) dunkler und die hellen Bereiche (die Oberfläche des Transparentpapiers) heller gescannt werden. Damit stellt man sicher, dass keine Details verloren gehen und vermeidet, dass das Bild einen Grauschleier bekommt. In vorliegenden Fall wurden für das Grauwerthistogramm des Belichtungsanpassungs-Werkzeugs der Scansoftware die Werte 211 (bzw. 82,4%) für die hellen Bildstellen und 77 (bzw. 30%) für die dunklen Bildstellen gewählt.

 

5) Die Kolorierung

Jetzt bekommt unser Bild Farbe. Dazu wird in Photoshop eine neue Ebene unter der Reinzeichnungsebene angelegt, deren Ebenenmodus ihrerseits auf „Multiplizieren“ gesetzt wird. Dadurch wirken die beiden Ebenen wie zwei übereinander gelegte Dias: Die Reinzeichnung und die Farben verschmelzen.

Koloriert wird mit dem runden Zeichenstift der Stärke 55 (weniger für feine Details) mit Farben aus dem RGB-Spektrum, die gleichzeitig auch CMYK-kompatibel sind.

Die Reinzeichnungs- und Kolorierungsebene werden miteinander multipliziert.
Rot für die Wangen 
und die Hutkrempe
Ausgewählte Farben, die nicht für den Vierfarbdruck geeignet sind, werden im Farbauswahlmenü mit einem Symbol in Form eines Warndreiecks angezeigt. Klickt man auf dieses Dreieck, wird diejenige Farbe als ausgewählt markiert, die der gewählten RGB-Farbe im CMYK-Spektrum am ehesten entspricht.

Die einzufärbenden Bereiche werden mit schnellem Strich jeweils in den ausgewählten Farben ausgemalt. Dabei muss es nicht ganz exakt zugehen: Die weißen Ränder verpassen dem Comic einen lebhaften, lockeren Anstrich.

Um die Farbgebung etwas interessanter zu gestalten, wird eine weitere Ebene aufgespannt (Ebenenmodus „Multiplizieren“, Transparenz 40 %), auf der man einen freundlichen Orangeton (RGB 242, 167, 140) mit dem Zeichenstift an jenen Stellen aufträgt, die ein wenig rötliche Akzentuierung vertragen können, hauptsächlich sind das die Gesichter der Protagonisten.

 

6) Licht und Schatten

Der Strip wirkt jetzt noch etwas eindimensional. Um ihm mehr Kontur zu verleihen, werden jetzt gezielt Licht- und Schatteneffekte eingearbeitet. Das Licht soll von rechts oben kommen. Wir arbeiten dafür gelbe Lichteffekte auf der rechten Seite der gezeichneten Figuren und Objekte ein und dunkelgraue Schatteneffekte auf der linken.

Für die Lichteffekte wird eine neue Ebene über der Reinzeichnungsebene aufgespannt und im Ebenenwerkzeug mit einer Transparenzeinstellung von 40 Prozent abgeschwächt.

Wir wählen im Farbmenü einen gelben Ton mit den RGB-Werten 226, 214 und 30. Mit dem Zeichenstift der Stärke von 55 Pixeln werden jetzt diejenigen Bildstellen gelb ausgemalt, die von der imaginierten Lichtquelle angestrahlt werden. Dazu hilft es, sich die Objekte plastisch vorzustellen. Im abgebildeten Beispiel des Mädchens wird also die (vom Betrachter aus) rechte Hälfte des Gesichts gelblich eingefärbt, ebenso wie ein Teil des Halses und des rechten Arms.

Im Uhrzeigersinn von links oben: Koloriertes Bild ohne Licht- oder Schatteneffekte; mit Lichteffekten; mit Schatteneffekten; mit Licht- und Schatteneffekten kombiniert

Ganz ähnlich gehen wir bei den Schatteneffekten vor. Wieder wird eine neue Ebene angelegt – diesmal mit einer Transparenz von 15 Prozent. Im Farbmenü wählt man die Farbe Schwarz und arbeitet dann schrittweise Schatteneffekte mit dem Zeichenstift in die Figuren und Objekte – beim Mädchen also in der linken Gesichtshälfte, am Hals entlang und am linken Arm bis runter zum Dekolleté. Die schwarzen und gelben Effekte dürfen sich dabei durchaus ein wenig überlappen. 

Beide Ebeneneffekte kombiniert ergeben das in der Abbildung gezeigte Bild: Die Figuren wirken jetzt viel plastischer und lebhafter.

 

7) Der Text

Grundsätzlich ist es bei der Entwicklung eines Comicstrips zu empfehlen, Bild und Text nicht zu vermischen. Damit riskiert man weniger Fehler (und damit weniger Nachbearbeitung), denn je mehr es pro Bild zu zeichnen gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich vermalt. Außerdem bleibt man auf diese Weise extrem flexibel. Der vorliegende Comic soll nämlich später einmal auch als englischsprachige Fassung angelegt werden.

Wir drucken die Reinzeichnung in Schwarzweiß seitenfüllend im A4-Format aus, legen ein Transparentpapier darüber und schreiben den Text in die dafür frei gehaltenen Flächen. In der Abbildung wird diese Methode durch die gegenüber der Textebene abgeschwächte Reinzeichnungsebene dargestellt.

Im Beispiel arbeiten wir nicht mit herkömmlichen Sprechblasen, sondern setzen den Text einfach so wie es uns gefällt und ohne uns sklavisch an exakt horizontalen Hilfslinien zu orientieren.

Der Text muss in jedem Fall – gerade bei Handschrift – gut lesbar sein. Wenn man einmal so richtig in Fahrt ist, läuft man schnell Gefahr, plötzlich unleserlich zu werden oder sich zu verschreiben. Bei unserer Methode ist das aber kein Problem, da man Satzteile ja immer noch ein zweites Mal daneben setzen und sogar einzelne Buchstaben noch nachträglich digital verschieben kann.

Der so entstandene Text wird wieder eingescannt und als neue Ebene (Ebenenoption „Multiplizieren“) über die Reinzeichnungsebene gelegt.

Weißer Text auf 
dunklem Hintergrund

Durch optische Spannungsmomente hält man den Leser bei Laune. Im vorletzten Bild wurde der Hintergrund bewußt in einem dunklen Blau gehalten und der Text in Weiß darüber gesetzt.

Dafür schneidet man aus der Textebene den entsprechenden Textabschnitt mit dem Lassowerkzeug aus und pastet ihn an derselben Stelle als neue Ebene über alle anderen. Mit „Bild > Einstellen > Invertieren“ werden die schwarzen Teile des Ausschnitts (der Text selbst) weiß und die weißen (der Hintergrund) schwarz. 

Mit der Ebenenoption „Screen“ wird der schwarze Hintergrund weggeblendet und nur der weiße Text angezeigt. Genauso ist übrigens der Schriftzug „Antonino“ im ersten Bild entstanden.

 

8) Das Resultat

Unser Comicstrip ist fertig! Er wird zum Schluss nur noch auf eine einzige Ebene reduziert und druckfertig in den Vierfarbmodus CMYK umgewandelt.

Unten noch ein Beispiel des Comics „Antoinette“ (im Längsformat), das auf dieselbe Weise hergestellt wurde. [2004]

(c) 1989–2008 Oliver Weiss Design Up! 
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