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Tutorium:
Wie das Oktoberfestplakat 2008 entstand
Oans, zwoa, Pop-Art!
||| Oliver Weiss

Den Wettbewerb zur Gestaltung des Oktoberfestplakats der Stadt München gewann 2008 der Illustrator Oliver Weiss. Sein Pop-Art-Design wirbt für das größte Volksfest der Welt und ziert zahllose Merchandisingartikel wie den Wiesn-Maßkrug. Im Macwelt-Beitrag beschreibt der Künstler, wie er das Design entwickelte.

Oktoberfest poster design: Oliver Weiss describes in this tutorial how he created his 2008 Oktoberfest poster motif on behalf of the city of Munich.

 
Oliver Weiss' Oktoberfestdesign wurde für das offizielle Oktoberfestplakat der Stadt München sowie für zahllose Merchandisingartikel vom Wiesnkrug über Feuerzeug, Magnete, Sonderstempel der Deutschen Post und Kaffeetassen bis hin zu T-Shirts, Taschen und Baseballmützen verwendet.

 

A

 
Aus:
Macwelt,
Europas größter
Mac-Zeitschrift
(IDG Communications,
Januar 2009)

DOWNLOAD

>OKTOBERFEST AWARD: More on the award.

>OKTOBERFEST AWARD: Interview with Illustration Magazine.

>TITELBILDILLUSTRATION: Tutorium für eine Cover-Illustration zum Thema "Spam".

>WIR ZEICHNEN EINEN COMIC-STRIP: Besuch in Entenhausen.

>ZWEIFARBENDRUCK: Illustrationen für den Druck in zwei Farben aufbereiten.

ls Oliver Weiss Ende 2007 zur Teilnahme am geschlossenen Wettbewerb des Oktoberfestdesigns 2008 eingeladen wurde, musste er aus Zeitgründen ein Konzept entwickeln, das innerhalb nur eines Tages realisierbar war.

Die Lösung lautete: eine plakative Collage aus Einzelelementen in Anlehnung an amerikanische Pop-Art, deren Arrangement, Finetuning und Farbgebung zeitsparend per „Trial and Error“ komplett am Rechner erledigt werden – dadurch findet man oft schneller Lösungen als von Hand.

 

1. Von der Skizze zu den Einzelelementen.

Nach einigen Beistiftskizzen kristallisierte sich ein grobes Motiv heraus.

Die fürs Oktoberfest typischen „üblichen Verdächtigen“ Herz, Riesenrad, Breze und Bierkrug sollen zusammen mit dem Schriftzug zu einem freundlichen und humorvollen Stillleben arrangiert werden, das in großen und kleinen Formaten funktioniert.

Eine grobe Skizze  dient als Grundlage für die Gestaltung.

Damit die Anmutung nicht zu technisch wirkt, werden sämtliche Bildelemente und die Schrift von Hand gezeichnet und hochauflösend eingescannt. Die weitere Bearbeitung wie Stretching oder Warping sowie die genaue Platzierung, Farbgebung und Gewichtung zueinander passiert später am Bildschirm.

Die Schwarzweißzeichnungen werden mit einem leicht ausgefransten LYRA AquaBrush-Filzstift skizziert, dessen pinselähnliche Mine einen schwungvollen Strich erlaubt.

In der Vergrößerung des Ausschnitts beim Riesenrad rechts unten erkennt man gut die Artefakte bei der Linienführung, die besonders lebendig wirken.

Bereits beim Zeichnen wird auf größtmögliche Flexibilität geachtet: So werden die einzelnen Bestandteile der Breze, nämlich Kontur und Salzkörner, separat gezeichnet (das geht am besten mit einem Leuchttisch, auf dem man die Elemente übereinander legt) und mit Photoshop in einer eigenen Datei mit mehreren Ebenen zusammengesetzt, wie in der Abbildung durch die angedeutete Transparenz dargestellt.

Bereits beim Zeichnen wird auf größtmögliche Flexibilität geachtet.

Die auf „Normal“ gestellte Ebene der Salzkörner wird dabei zunächst mit „Bild“ > „Einstellen“ > „Tontrennung“ auf die zwei Farben Schwarz und Weiß reduziert (Schwellenwert 2); anschließend wird die Farbe Weiß mit dem Zauberstab ausgewählt und gelöscht – übrig bleiben die schwarz umrandeten Körner, die die darunter liegende Konturebene teilweise überdecken.

 

2. Skizzen in Photoshop zusammenführen.

Die separat entwickelten Bild- und Textelemente werden in einer neuen RGB-Photoshop-Datei der laut Gestaltungsvorgabe maximal zu reproduzierenden Größe A1 (zuzüglich 5 mm Beschnitt auf allen Seiten) auf möglichst ansprechende und spannende Weise arrangiert. Dafür werden Hilfslinien gezogen, die die ungefähren Begrenzungen der Elemente markieren.

Hilfslinien markieren die die ungefähren Begrenzungen der Elemente.

Die einzelnen Elemente werden durch Dehnung, Drehung und „Warping“ solange verändert, bis sie den ihnen zugewiesen Platz gut ausfüllen und im Zusammenspiel mit den übrigen Elementen besonders ansprechend wirken.

Beim Warping mit „Bearbeiten“ > „Transformieren“ > „Verkrümmen“ wird ein virtuelles Gitter über das Bild gelegt, das man mit der Maus an allen Ecken und Enden ziehen, dehnen und krümmen kann wie es einem passt.

Der Bierkrug in der Abbildung hat sich auf diese Weise vom ursprünglichen Scan zur endgültigen Version gemausert.

Lustigerweise gestaltete sich ausgerechnet der Schriftzug als große Herausforderung. Tatsächlich ist er sogar der wichtigste Bestandteil des Posters, denn er muss natürlich auf größere Distanz lesbar sein – was bei meiner etwas krakeligen Handschrift selbst mir nicht immer leicht fällt).

Lustigerweise gestaltete sich ausgerechnet der Schriftzug als große Herausforderung.

Nachdem der Text viele dutzend Mal geschrieben wurde, konnten die besten Teile daraus anschließend mit Photoshop zusammengesetzt werden; und selbst dafür war noch Warping nötig.

 

3. Einzelelemente vektorisieren.

Um die besonders in der Vergrößerung sichtbare etwas grobschlächtige Strichführung abzudämpfen, wurden die Elemente leicht geglättet. Dafür wurden sie zunächst einzeln als separate Dateien exportiert (in die Ebene klicken > Apfel + A zur vollständigen Auswahl > Apfel + C zum Kopieren > Apfel + N zum Erzeugen einer neuen Datei > Apfel + V zum Einfügen der Zwischenablage).

In Illustrator wurden sie anschließend vektorisiert („Interaktiv abpausen“ > Schwarzweiß-Modus, Schwellenwert 2, Pfadeinpassung 1 px, Minimaler Bereich 5 px, Eckwinkel 5 px; teilweise wurden leicht hiervon abweichende Einstellungen verwendet, je nachdem was das beste Resultat brachte).

Die Vektorisierungseinstellungen in Illustrator.

Das Ergebnis wird in die Zwischenablage genommen und an der entsprechenden Ebene direkt mit Apfel + V in die große Photoshop-Datei des Plakats eingefügt (Einstellung: „ohne Aliasing“). Diese Vektorisierungsmethode wurde später auch bei der Künstersignatur für die Maßkrüge, Gläser und Tassen verwendet.

Die pixlige Datei in Photoshop, darüber das geglättete Vektorisierungsergebnis in Illustrator).
4. Einzelelemente kolorieren.

Bei der Kolorierung ist es wichtig, darauf zu achten, dass die schwarzen Konturen keine Graustufenanteile aufweisen, sondern wirklich nur die Farbe Schwarz. Denn damit ist die Einfärbung ein Kinderspiel: So wird etwa bei dem Herzelement eine neue Ebene über der Konturenebene angelegt und der einzufärbenden Fläche mit dem Füllwerkzeug mit der Einstellung „Alle Ebenen“ und deaktiviertem Aliasing ein kräftiges Rot ohne Abstufungen verpasst.

Die Gegenüberstellung in der Abbildung zeigt, dass beim Einfärben unschöne weiße „Blitzer“ auftreten, wenn die Konturen Aliasing-Effekte an den Rändern aufweisen.

Die Reinzeichnungs- und Kolorierungsebene werden miteinander multipliziert.

Für die Farbgebung wurden kräftige, plakative Pop-Art-Farben verwendet. Nachdem laut Richtlinien keine Sonderfarben erlaubt waren, wurde versucht, möglichst leuchtende Farben im Vierfarbmodus zu wählen.

Photoshop kennzeichnet im CMYK-Modus nicht reproduzierbare Farben im Farbauswahlmenü mit einem Warndreieck und schlägt auch gleich den nächstbesten Farbwert vor.
Durch Ausprobieren fällt die Entscheidung leicht, was geht und was nicht...

Nachdem eine ganze Reihe möglicher (und auch zahlloser unmöglicher) Farbkombinationen durchprobiert und auch diverse Verzerreffekte bemüht wurden, kristallisierte sich Stück für Stück die im Vergleich stimmigste Lösung heraus.

 

5. Das fertige Plakat erstellen.

Die auf eine Ebene reduzierte und in den CMYK-Modus konvertierte Datei wurde anschließend in InDesign in eine neue Datei der Größe A1 platziert.

Jetzt fand noch die Oktoberfestlogo-EPS-Datei in einer eigenen Ebene an der dafür freigehaltenden Stelle Platz; zusätzlich wurde noch Copyright-Text des Münchner Tourismusamts in der Hausschrift Univers eingefügt.

Die druckfertige Datei wird an die Druckerei und die Merchandisinghersteller weitergeleitet.

Die Datei wurde als druckfertige PDF-Datei exportiert mit folgenden Einstellungen: 1. Bilder: keine Neuberechnung, ZIP-Komprimierung; 2. Druckmarken: alle Druckmarken, Offset und Anschnitt jeweils 5 mm; 3. Ausgabe: im Druckfarben-Manager die Pantone-Sonderfarben des Logos in CMYK konvertieren.

Die so aufbereiteten druckfertigen Dateien in verschiedenen DIN-kompatiblen Formaten konnten jetzt an die Druckerei und die Merchandising-Hersteller gereicht werden. [2009]

(c) 1989–2012 Oliver Weiss Design Up! 
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