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Web Design:
Webdesign für Kanzleien
In Szene gesetzt
||| Oliver Weiss

Ob eine Internet-Auftritt Erfolg hat oder nicht, hängt von der richtigen Strategie ab. Auch für die Website kleinerer Kanzleien sollte man bei der Entwicklung einige Punkte beachten.
Web Design for Lawyers: Success or failure of your web site depend on the strategy. Here's what to keep in mind when developing a small law firm web site.

 

E
 
Aus:
Anwalt-Magazin, Supplement der Neuen Juristischen Wochenschrift (C.H. Beck Verlag,  Oktober 2000)

>DOWNLOAD PDF

>CONTENT-MANAGEMENT: In einem weiteren Beitrag in ANWALT wurde der datenbankunterstützte Aufbau einer Website für Großkanzleien beschrieben.

>WEBSITE-ENTWICKLUNG: Weitere Website-Projekte für Kanzleien und Verlage.

>CONTENT MANAGEMENT: Content-Management-Systeme für Websites.

>CORPORATE DESIGN: Corporate Identity für Websites.

>WEBDESIGN: Die Design-Strategie – Internet-Präsentation für Unternehmen.

in wenig Text, ein paar Bilder, ein bisschen Programmierung - fertig ist die Website. Von wegen! Um aus der Masse der größtenteils hanebüchenen Kanzlei-Websites herauszuragen, muß man sich schon mehr Mühe geben.

Vom Geld allein hängt das nicht ab: Ein einfacher, ordentlicher Web-Auftritt braucht nicht viel zu kosten. Die entscheidende Frage ist die, was man mit dem Internet-Auftritt bezwecken will. Die Antwort darauf bestimmt den Kurs für alle weiteren Schritte zur eigenen Site. 

Eine Kanzlei-Website zu entwickeln bedeutet, eine PR-Kampagne zu lancieren: Man stellt sich selbst und seine Dienstleistungen vor, um bestehende Kontakte zu festigen und neue Mandate hinzuzugewinnen. Die Werbebeschränkungen nach BRAO verbieten das marktschreierische Anpreisen. Mittlerweile sind sowohl Kammer als auch Rechtsprechung zwar ziviler geworden. 

Die Werbung in eigener Sache sollte ein interessantes und realistisches Bild davon geben, wer man ist und was man macht. Die Inhalte wie Personendaten - am besten mit Foto -, Angaben zu Standorten - eventuell sogar mit einer Anfahrskizze -, Berichten zu aktuellen Entwicklungen oder auch juristische Veröffentlichungen im Volltext sollten sachlich gehalten, übersichtlich strukturiert, gut zu lesen und in einem angenehmen Design aufbereitet sein. 

Für einen Web-Auftritt bieten sich zwei Möglichkeiten an. Es gibt zum einen die "Homepage", eine Art Internet-Visitenkarte mit einigen Angaben zu Person und Kanzlei. Zum anderen eine "richtige Website", die sich auf mehrere Einzelseiten erstreckt. Für viele mag der Typ "ID-Card" völlig ausreichen: Ein erster Eindruck wird vermittelt, man ist übers Internet zu erreichen - allerdings nur bei regelmäßigem Abholen von eingegangenen E-Mails. Zudem bedarf diese Art der Website keine große Pflege. Wer allerdings ein größeres Internet-Angebot auf die Beine stellen will, sollte sich auf ein längerfristiges Projekt einlassen und bereit sein, Zeit und auch Geld zu investieren.

 

Mehr als bunte Bilder

Der Begriff "Webdesign" wird oft missverstanden. Die einen sehen die Entwicklung einer Website als eine im wesentlichen grafische Herausforderung und denken in Kategorien von Design, Illustration, Fotografie und Typografie. Die anderen halten Webdesign für eine primär informationstechnische Aufgabe, bei der es vor allem um HTML-Kodierung und Programmierung in Sprachen wie JavaScript oder Perl geht. 

Die Website des Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner von Oliver Weiss.

Bei diesen einseitigen Sichtweisen besteht immer die Gefahr, den einen oder anderen Bereich herunterzuspielen, zu ignorieren oder – schlimmer – sich selbst an einer handgestrickten Lösung zu versuchen. Ein Grafiker ist im Zweifelsfall ein lausiger Programmierer, ein Informatiker ein beliebiger Bildcollagist. Oft genug können sich die Ergebnisse nicht sehen lassen. 

In Wahrheit umfasst Webdesign, oder besser "Website-Engineering", natürlich Komponenten aus beidem: Grafik-Design und Informatik. Und das ist längst noch nicht alles. Ein typisches Web-Projekt gliedert sich in mehrere Phasen, wenn die Umsetzung des Online-Auftritts zusammen mit einem Designer oder einer Agentur entwickelt wird. 

Zunächst steht das Projekt-Design an. Bevor man startet, muss herausgefunden, abgestimmt und vereinbart werden, welche Ziele man mit seiner Website verfolgt. Sämtliche beschriebenen Anforderungen werden als Grundlage für die folgenden Arbeiten in einem Pflichtenheft spezifiziert. In diese Phase des Projekt-Managements fallen auch Kostenabschätzung, Zeitplan und Vertragsschluss. 

Beim Informations-Design legt man dann die logischen Zusammenhänge fest. In der strukturellen und inhaltlichen Konzeption der Website wird der geplante Inhalt in Rubriken und Unterrubriken unterteilt. Die Site muss übersichtlich, einheitlich und eindeutig strukturiert sein, um einfach navigieren zu können. Sie sollte als offenes System konzipiert sein, das strukturelle, inhaltliche und technische Erweiterungen erlaubt. Ein Webdesigner wird die Site-Struktur in Form von Organigrammen oder Storyboards, beispielsweise mit Power Point, präsentieren. 

Im nächsten Schritt werden die entstandenen Strukturhülsen mit Inhalten gefüllt. Aussagekräftige sachliche Informationen zum "Unternehmen Kanzlei" kommen grundsätzlich besser an als großspurige Überzeugungsversuche. Man sollte sich immer wieder in die Lage des potentiellen Interessenten versetzen und die Texte von einem juristischen Laien mit Sprachgefühl kritisch gegenlesen lassen. Bei englischsprachigen Texten ist ein Native Speaker am geeignetsten.

 

Ohne Testphase geht nichts

Das gestalterische Designkonzept übersetzt Struktur und Inhalt in ein Layout mit grafischen und typografischen Elementen, Illustrationen und Fotografien. Die eigentliche Kunst beim Grafik-Design liegt darin, sich so darzustellen, wie es dem Stil der Kanzlei entspricht. Dabei soll das Gestaltete seriös und kompetent, aber auch spannend und mit einer positiven "Anmutung" wirken, die die "Corporate Identity" einfängt. 

Viele Kanzleien verwechseln vermeintliche Seriosität mit gähnender Langeweile.

Viele Kanzleien verwechseln vermeintliche Seriosität mit gähnender Langeweile. Viele fade graue Seiten mit Paragrafenzeichen und dem Kanzlei-Logo in Times-New-Roman-
Kapitälchenschrift sprechen für sich. Es geht auch anders: Vor der eigentlichen Software-Programmierung lässt man sich vom Designer grafische Entwürfe zeigen, die einen Eindruck davon vermitteln, wie typische Seiten der Website aussehen werden. Ideal sind dafür simulierte Screenshots. Erst wenn das Design bis ins Detail abgestimmt ist, kann es umgesetzt werden. 

Eine Website ist Software: Die Implementierung von Inhalt, Struktur und Design in eine funktionsfähige Site bedeutet die Kodierung aller Seiten in HTML und möglicherweise die Programmierung in anderen Sprachen. Alle Kriterien eines typischen Software-Engineering-Projekts müssen dabei erfüllt werden. Allem voran muss die Website fehlerfrei und zuverlässig funktionieren und effizient programmiert sein. Die Seiten und Grafiken müssen sich schnell aufbauen, und der Code sollte unter Umständen von Dritten weiterentwickelt werden können. 

Wie bei jedem Software-Projekt schließt eine ausführliche Testphase, in der die gesamte Site optimiert wird, die Entwicklung ab. Dieser Aufwand wird oft unterschätzt. Es geht hier nicht um Fehlerkorrekturen, sondern um die Anpassung an verschiedene Bedingungen des "richtigen Lebens". Die Website muss auf verschiedenen Rechnerplattformen (PC und Macintosh), mit verschiedenen Bildschirmauflösungen (15 Zoll, 17 Zoll, Laptop) und mit unterschiedlichen Browsern (Microsoft und Netscape) funktionieren. 

Eine Kanzlei-Website besteht klassischerweise aus "statischen" Einzelseiten, die in HTML kodiert sind. Eine technisch wesentlich vielseitigere und aufwändigere Alternative sind "dynamische" Seiten, die "on-demand" beim Aufruf durch den Browser vom Serverrechner des Providers aus Versatzstücken zusammengesetzt oder aus einer Datenbank generiert werden. Dynamische Websites sind vor allem für größere Kanzleien oder Content-Provider interessant, die mit großen Mengen an Information zu tun haben.

 

Der richtige Partner

Billige oder kostenlose Tools wie HTML-Editoren oder Bildverarbeitungsprogramme verführen dazu, alles selbst zu machen. Wenn man sich es leisten kann, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, sollte man das auch tun. Wenn alles von vornherein richtig geplant und koordiniert ist, rechnet sich der Aufwand über kurz oder lang. Wer am falschen Ende spart, erntet mit seiner Selbstdarstellung möglicherweise nur Kopfschütteln oder lautes Gelächter - lieber keine Website als eine schlechte. 

Die Übersichtsgrafik der Rubrik "Standorte" der Website des Sozietät Haarmann, Hemmelrath & Partner.

Wie aber findet man einen Webdesigner? Der Griff zu den gelben Seiten ist dafür weniger geeignet. Am besten nimmt man die Websites von Kollegen oder andere Internet-Auftritte, die einem gefallen, genauer unter die Lupe. Bei den meisten Angeboten finden sich Angaben zum Urheber. Mit diesem nimmt man Kontakt auf und bittet ihn um ein Angebot. Selten findet man alle erforderlichen Fähigkeiten in einer einzelnen Person vereint. Tendenziell sollte man daher eher nach kleineren Agenturen Ausschau halten. 

Wichtig ist, dass mit dem Ansprechpartner eine Vertrauensbasis geschaffen und alles beredet wird. Dabei sollte man gemeinsam herausfinden, was die eigentlichen Ziele der Website sind. Am besten erkennt man seine Wünsche an Hand von Beispielen und Strategiemodellen. So lassen sich erste Bedenken klären. Ständiger Kontakt mit dem zuständigen Ansprechpartner ist wichtig. Ein einmaliges "Briefing", womöglich nur am Telefon oder per E-Mail, kann unmöglich zu der gewünschten Website führen. 

Die Bereitschaft Geld auszugeben sollte prinzipiell bestehen. Die Höhe hängt von Umfang, Aufwand und Designpartner ab. Für die Kosten ist weniger die Anzahl der Seiten ausschlaggebend als das zu erstellende Gesamtdesign. Ein durchschnittlicher Stundensatz liegt zwischen 100 und 300 Mark. Die Website für eine kleine bis mittlere Kanzlei wird sich in jedem Fall auf einige tausend Mark belaufen.

 

Pflegebedürftig

Viele glauben, die Website sei fertig, wenn sie online ist. Doch die erste Euphorie hält nicht lange an, wenn man erkennt , dass man den Pflegeaufwand nicht einberechnet hat. Denn in Wahrheit beginnt jetzt der zweite große Teil des Website-Engineering-Projekts. Die Kanzlei-Website darf keine veralteten Informationen beinhalten. Zumindest bei Rubriken wie "Aktuelles" oder "Publikationen" sollten ab und zu neue Texte eingearbeitet werden. 

Für die Kosten ist weniger die Anzahl der Seiten ausschlag-
gebend als das zu erstellende Gesamt-
design.

Die Pflege, das "Updating", sollte mit dem Designer abgesprochen werden. Dabei sollte man auch darauf achten, dass man sich nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt. Die Frage nach Entwicklungswerkzeugen ist notwendig, damit man die Site eines Tages selbst betreuen oder an andere auslagern kann. Auch die Übertragung von Nutzungsrechten sollte angesprochen werden. 

Ist die Website fertig und "ready to go", stellt sich die Frage, wie sie online gestellt wird. Dafür benötigt man zunächst einen Provider, der Speicherplatz auf einem Serverrechner zur Verfügung stellt. Für eine kleinere Website sollten 20 bis 50 MB auf lange Sicht ausreichen. Günstige Provider, wie etwa Puretec (www.puretec.de) gibt es viele. 

Damit die Kanzlei im Internet auch gefunden wird, benötigt man eine vernünftige Internet-Adresse. Sie sollte kurz, einfach und prägnant sein und etwas mit dem eigenen Namen zu tun haben. Ein Name wie "www.anwalt-bayern.de" ist nicht gerade eindeutig, ein Name wie "www.dr-schmidt.de" wirkt möglicherweise arrogant. Gut dagegen sind beispielsweise Domainnamen wie "www.kanzlei-schmidt.de" oder "www.schmidt-law.com". Größere Kanzleien mit zusammengesetzten Namen ( "Xaver Ypsilon Zentner") könnten sich für einen Akronymnamen entscheiden, der aus den Anfangsbuchstaben der Einzelnamen besteht ("www.xyz.de"). Eine weitere Möglichkeit ist auch einfach der erste Name in der Reihe ("www.xaver.de"). [2000]

(c) 1989–2008 Oliver Weiss Design Up! 
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